FRIESENHAUSEN

Apfel spielt nicht weit vom Stamm

Die Friesenhäuser geben von Generation zu Generation ihr Komödianten-Gen weiter. Der kleine Ort in den Haßbergen punktet mit der lebendigen Theatergruppe „Die jungen Gaukler“.
Seit 1999 sucht Doris Hofmann die Stücke aus und führt Regie bei den „Jungen Gauklern“. Sie liebt die Arbeit mit den jungen Leuten und freut sich über deren Fortschritte. Foto: Gudrun Klopf

Ob die Friesenhäuser von Generation zu Generation ein Theatergen weitergeben? Fließt womöglich Theaterblut in den Adern der Ureinwohner? Oder treibt die schiere Freude am gemeinsamen Spiel die Friesenhäuser und Rottensteiner auf die Bühne? Der kleine Ort in den Haßbergen punktet jedenfalls nicht nur mit seinem stattlichen Schloss und der schmucken Barockkirche. Die Theatervorstellungen der „Fahrenden Gauklern“ tragen ein gerüttelt Maß dazu bei, dass Friesenhausen über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt ist. Darüber, dass auch an der seit Jahrzehnten festgefügten Gruppe die Zeit nicht spurlos vorübergeht, müssen sich die Schauspieler keine Sorgen machen. Denn schon steht die Nachwuchsgruppe „Junge Gaukler“ in den Startlöchern. Die spielbegeisterten jungen Leute sind die Hoffnungsträger des Sportvereins, unter dessen Dach seit jeher das Theaterleben angesiedelt ist. Sie lassen hoffen, dass die Tradition des Laienspiels im Ort nicht zum Auslaufmodell wird.

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Junge Gaukler

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Die Wiege der „Jungen Gaukler“ liegt - wie könnte es anders sein - im Sportverein. Dessen Weihnachtsfeier sollte durch einen besonderen Programmpunkt aufgepeppt werden. Doris Hofmann, selbst schon seit langem mit dem Theatervirus infiziert und Mitglied der „Fahrenden Gaukler“ und Christine Lutz studierten erstmals im Jahr 1999 mit Kindern und Jugendlichen aus dem Dorf ein kleines Stück ein. An Spielwilligen aus Friesenhausen und Rottenstein habe es nicht gemangelt, aber „es war schwierig, für die Mischung aus Kindern und Jugendlichen ein Stück zu finden“, erinnern sich die beiden an die ersten Jahre. Im Laufe der Zeit wechselten immer wieder die Besetzungen, meist mit Eintritt der Spieler ins Berufsleben und Studium.

Seit einigen Jahren hat sich ein harter Kern von sieben jungen Erwachsenen zusammengefunden, die auch künftig gemeinsam auf der Bühne stehen wollen. Fast perfekt passt die Redensart vom Apfel, der nicht weit vom Stamm fällt auf sie. Sechs von ihnen wurde das Theaterspielen quasi in die Wiege gelegt: Bei Anna-Sophie und Clara Schuhmann von ihrem Vater Georg, bei Max und Florian Buchner von Vater Herbert, bei Simon Sauerteig von Vater Jürgen. In der Familie von Tamara Pendic steht deren Mutter Nicole auf der Bühne. Rossano Engel? Ja der muss sich irgendwo angesteckt haben.

Lustige Ein- bis Zweiakter, vom Bauernschwank bis zur Krimikomödie, sind ihr Metier. Das sind auch genau die Stücke, die Regisseurin Doris Hofmann Vergnügen machen. Und die vor allem auch beim Publikum gut ankommen.

Faible für die Nachwuchsarbeit

Vier Monate Proben- und Spielzeit mit den „Fahrenden Gauklern“ - reicht ihr das nicht? „Ich liebe es, etwas mit jungen Leuten zu machen“, erklärt Doris Hofmann ihr Faible für die Nachwuchsarbeit. „Ich bin richtig stolz darauf, wie sich manche im Laufe der Jahre entwickelt haben“, beschreibt sie die Fortschritte einzelner Spieler.

Anna-Sophie Schuhmann etwa sei total schüchtern gewesen. „Man hat gemerkt, sie liebt das Theaterspielen. Aber ich musste sie richtig dazu zwingen, ihre Scheu zu überwinden.“ Anna-Sophie gibt ihr recht: „Mit dem Theaterspielen hat sich mein Auftreten in der Schule und auf der Arbeit total verändert.“ Selbstbewusster werden, die eigene Wahrnehmung verbessern, sich ausprobieren, etwas wagen - vom Theaterspielen könnten junge Menschen nur profitieren. „Ich sehe soviel Potenzial auf der Bühne. Ich freue mich, wenn es gelingt, das Beste aus allen herauszukitzeln“, sagt die Spielleiterin.

Was läge näher, als die jungen Leute bei den „Fahrenden Gauklern“ zu integrieren? „Natürlich würden viele super gut zu uns passen“, ist Hofmann überzeugt. Aber der Zug ist offensichtlich abgefahren. Fünf Jahre gemeinsam auf der Bühne, das hat die „Jungen“ zusammengeschweißt. „Ich glaube nicht, dass von uns noch jemand bei den Großen mitspielen will“, sagt Florian Buchner. Anna-Sophie räumt ein, dass es sie schon gereizt hätte, dort mitzumischen. Aber, „da müsste ich bestimmt immer die Tochter spielen oder eine andere Nebenrolle.“ Die weiblichen Hauptrollen, die sie bei den Jungen Gauklern übernimmt, bekäme sie bei den Fahrenden Gauklern sicherlich nicht.

Florian nennt den Hauptgrund, weshalb es niemanden von den jungen Schauspielern zu der etablierten Gruppe zieht: „Deren Theatersaison ist uns Jungen viel zu lang.“ So viele Wochenenden wolle niemand von ihnen auf der Bühne stehen. „Ich geh' einfach auch mal gern zum Skilaufen oder unternehme etwas mit Freunden.“

Die "Erwachsenen" sind Vorbilder

Vorbilder sind die „Erwachsenen“ aber allemal für den Nachwuchs. Natürlich seien alle gut, aber „mein Vater Georg Schuhmann und meine Patin Susanne Karch, die haben es total drauf“, schwärmt Anna-Sophie. Und auch Florian würde am liebsten so spielen können wie der Schorsch. „Improvisieren kann der Florian schon wie er“, bescheinigen ihm die anderen lachend. Ob das nun dem fehlenden Lerneifer oder dem schauspielerischen Talent geschuldet ist, verraten sie nicht.

Während Doris Hofmann die Stücke auswählt, Rollen verteilt, Regie führt und souffliert, kümmert sich Christine Lutz um alles, was hinter der Bühne passiert. Sie hilft beim An- und Umziehen, beruhigt die Gemüter, unterstützt die Mannschaft seelisch und moralisch. Obwohl Lutz selbst noch nie Theater spielte, ist sie längst vom Theaterfieber infiziert. Es fasziniert sie, wie die junge Gruppe sich führen lässt und immer wieder neu dazu lernt. „Wir sind ein tolles Team, das Spaß am Theaterspielen hat.“

Für die nächste Saison haben die „Jungen Gaukler“ schon ihre Fühler nach weiteren Mitspielern ausgestreckt. Mehr Spieler würden die Auswahl des Stückes erleichtern. Dass sie weitermachen wollen, das ist für die Nachwuchsschauspieler keine Frage. Florian bringt es trocken auf den Punkt: „Na gut, mache ich halt einmal mit“, habe er sich vor zehn Jahren breitschlagen lassen. „Jetzt mache ich es ganz gerne“, stapelt er tief. Denn dass es ihm tierischen Spaß macht, als Haustyrann auf der Bühne herumzutoben, kann er nicht verleugnen. Anna-Sophie gesteht freimütig: „Ich liebe es, wenn die Leute über mich lachen. Und Applaus ist einfach toll.“

Nach dem erfolgreichen öffentlichen Start im vergangenen Jahr, beschließen die „Jungen Gaukler“ auch heuer wieder die Friesenhäuser Theatersaison. Am 24. Februar spielen sie, bei Kaffee und Kuchen, im Sportheim das Stück „Die verflixte Hose“.

Die Freude am Theaterspielen schweißt die „Jungen Gaukler” zusammen: Vorne von links: Doris Hofmann (Leitung), Tamara Pe... Foto: Gudrun Klopf
Florian Buchner ist bekannt dafür, dass er ganz in seinen Rollen aufgeht. Foto: Gudrun Klopf

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