GRAFENRHEINFELD

Atomkraftwerk: 2035 alles weg?

1981 kam der erste Strom aus Grafenrheinfeld. Die Tafel im ehemaligen Besucherzentrum erinnert an die Leistung der Anlage. Foto: Wiedemann

Reinhold Scheuring war 20 Jahre Leiter des Atomkraftwerkes Grafenrheinfeld. Er hat sein gesamtes Berufsleben in der Anlage verbracht, 1980 begann er eine Ausbildung zum Schichtleiter. Jetzt gibt er die Leitung ab an Bernd Kaiser (43).

„Sie haben sich mit der Anlage identifiziert“, sagt Guido Knott, Vorsitzender der Geschäftsführung des Betreibers Preussen-Elektra beim traditionellen Kraftwerksgespräch. Die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden, Behördenvertreter, Kommunalpolitiker, Presse kommen regelmäßig im Casino zusammen, um sich von der Kraftwerks-Mannschaft informieren zu lassen.

2015 wurde der Meiler abgeschaltet

Diese Gespräche sind seit der Abschaltung der Anlage 2015 interessanter geworden. Der Atomausstieg, der Rückbau der Anlage, nicht Zahlen, Ergebnisse stehen im Mittelpunkt. Diesmal geht es auch um das Thema Rückbau, aber Scheurings Abschied aus Grafenrheinfeld wird zu einem ganz besonderen emotionalen Moment.

Scheuring, den viele eher als wenig konfliktscheu und auch als harten Gesprächs-oder Verhandlungspartner kennen, hat Tränen in den Augen nach der Laudatio von Guido Knott.

Rückbau in die Wege geleitet

Das Aus für den Meiler ist auch ein Grund für Scheuring, die Leitung abzugeben, sagt Knott. Scheuring hat den Rückbau in die Wege geleitet. Aber zuschauen, wie die Anlage abgerissen wird? „Das ist seine Sache nicht“, sagt Knott, zollt Scheuring Respekt für dessen Lebensleistung. Scheuring habe es geschafft, Teamgeist zu schaffen und am Leben zu erhalten, auch und trotz der Abschaltung.

Nachfolger Bernd Kaiser ist ausgewiesener Rückbau-Experte, hat Erfahrungen im Kernkraftwerk Stade gesammelt. Reinhold Scheuring wird Preussen-Elektra weiterhin als Berater zur Seite stehen.

Geschäftsfeld Dienstleistungen

Schließlich ist ein Geschäftsfeld des Konzerns auch Nukleare Dienstleistungen, sprich die Beratung bei Bau und Betrieb von Atomkraftwerken in der ganzen Welt. So entstehen zum Beispiel in den Vereinigten Arabischen Emiraten vier Atomkraftwerke, 2018 soll der erste Block ans Netz gehen. Und in Brasilien steht ein Reaktor des gleichen Typs wie Grafenrheinfeld. Auch da soll Know-How ausgetauscht werden – und eventuell auch Technik.

2035 könnte die Anlage verschwunden sein

Scheuring, Knott und Kaiser wissen, welche Fragen immer gestellt werden: Wann sieht man was vom Rückbau am Gelände? Antwort: Lange nicht. 2033 wird nach momentaner Lage der nukleare Rückbau beendet sein. Das Innere der Anlage wird ausgebaut. „Wie Hausbau, nur umgekehrt“, sagt Kaiser. Und wann ist die Anlage weg? Antwort: Gut zwei Jahre später soll da, wo heute ein riesiger Komplex mit den weithin sichtbaren zwei Kühltürmen steht, „grüne Wiese“ sein.

Knott hat dann auch ein paar Zahlen bereit: 10 Milliarden Euro muss allein Preussen-Elektra am 1. Juli an den Bund zahlen, der dann die Entsorgung der verpackten Abfälle übernimmt. Und damit auch die Verantwortung für das Zwischenlager (zum 1. Januar 2019) und die noch zu bauende Bereitstellungshalle in Grafenrheinfeld (1. Januar 2020). Insgesamt zahlen alle Atomkraftwerksbetreiber 23,6 Milliarden Euro.

10 Milliarden Euro gehen an den Bund

Knott spricht von einer schmerzhaften Zahlung, aber auch von einem sauberen Trennungsstrich, der vor unkalkulierbaren Risiken schütze: Die Verantwortung der Betreiber endet dann mit der Verpackung des radioaktiven Abfalls.

Endlagerung, für Guido Knott ist das ein Fass ohne Boden. Solange sich die Politik nicht auf einen Endlagerstandort festlege, müsse man ernsthaft Zweifel an einer zentralen Endlagerung haben, sagt er.

Bernd Kaiser (links), übernimmt die Leitung von Reinhold Scheuring (rechts), in der Mitte Guido Knott, Geschäftsführung Preussen-Elektra. Foto: Keysers
2015 ist das Atomkraftwer Grafenrheinfeld vom Netz gegangen. Der Rückbau soll 2018 beginnen. Foto: Anand Anders

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