AUGSFELD

Augsfeld: Landwirte protestieren mit Mahnfeuer und Traktoren

Große Traktoren können schon eine Drohkulisse aufbauen. 35 Bulldogs reihten sich am Dienstagabend bei Augsfeld aneinander, ihre Scheinwerfer sorgten zusammen mit dem Mahnfeuer der Landwirte für ein eindrucksvolles Szenario. Foto: René Ruprecht

Wie im ganzen Lande und insbesondere in Berlin haben am Dienstagabend auch bei Augsfeld Bauern gegen die Landwirtschaftspolitik demonstriert.„Das Hauptproblem ist die fehlende Planungssicherheit in der Landwirtschaft. Wir wissen nicht, was im nächsten Jahr kommt, ob wir zum Beispiel weniger Getreide anbauen dürfen, oder vorhandene Ställe noch betrieben werden dürfen“, klagte der staatlich geprüfte Landwirt Tobias Hetterich aus Zeil. Die neue Düngeverordnung „sei nicht praktikabel“, erklärte der 39-Jährige.

Am Dienstag rollten laut Bündnis „Land schafft Verbindung“ mehr als 8500 Traktoren durch die Straßen von Berlin. Über 40 000 Landwirte, die auch mit Autos, Bus und Bahn angereist waren, nahmen an der Großdemo teil. Somit demonstrierte jeder fünfte Landwirt vor den Toren der Bundesregierung. Der Protest richtete sich gegen die Politik der Großen Koalition. Die Bauern kritisieren vor allem das Agrarpaket der Bundesregierung und das geplante Insektenschutzprogramm. Sie befürchten wirtschaftliche Einbußen.

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Der Landwirt Daniel Diehm aus Zeil nahm an der landesweiten Groß-Demo in Berlin teil: „Eine nachhaltige Bewirtschaftung ist das Ur-Interesse der Bauern. Natürlich kann mit Hilfe der Landwirtschaft ein großer Hebel für den Arten- und Insektenschutz angesetzt werden. Aber es kann nicht sein, dass wir alleine in die Verantwortung gezogen werden, um ein Problem zu lösen, das die gesamte Gesellschaft zu verantworten hat.“ Aus Diehms Sicht wäre es fair, wenn die Landwirte beispielsweise an Insektenschutz- oder Blühwiesenprogrammen teilnehmen können und diese dann auch von der gesamten Gesellschaft unterstützt und fair finanziert werden. Gesetzliche Verordnungen ohne Ausgleich für die Bauern führten zu weiterem Höfesterben. „Das kann nicht im Sinne der Politik und unserer Gesellschaft sein“, stellte der 39-Jährige fest.

35 Traktoren, 80 Männer und Frauen

Auch außerhalb von Berlin rief das Bündnis die „Daheimgebliebenen“ auf, ein Zeichen gegen die Politik zu setzen. So versammelten sich im Haßbergkreis mit Hetterich am frühen Abend an der ehemaligen B 26 zwischen Haßfurt und Zeil auf Höhe von Augsfeld gut 80 Personen mit 35 Traktoren und bekundeten ihre Solidarität mit „Land schafft Verbindung“ mit einem Mahnfeuer.

Die Landwirte kamen unter anderem aus Haßfurt, Augsfeld, Unterhohenried, Zeil, Sand, Bischofsheim, Altershausen und Neubrunn. Laut Hetterich waren „auch Verbraucher unter den Teilnehmern, die beim Vorbeifahren anhielten und das Gespräch suchten. Das war für ein uns Zuspruch, dass auch ein Teil der Bevölkerung hinter uns steht“, so der Zeiler. Nicht nur für Hetterich ist klar, dass die regionalen Produkte beim Käufer-Interesse zu weit nach hinten gerückt sind, weil „die Mehrheit der Verbraucher in Discountern einkauft.“

Für Franz Diehm, den Zeiler Obmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), ist die Groß-Demo sowie das Mahnfeuer ein Schritt, um in der Bevölkerung und vor allem in der Politik ein Erwachen zu erzeugen. „Wir sind mit 18 000 Verordnungen belastet, von der EU bis runter zum Landkreis. Wir waren eigentlich in den letzten 15 Jahren zu zart, wir sind nicht genug aus uns rausgegangen. Jetzt ist wirklich das Maß total voll“, verkündete der 66-Jährige.

Der typische „deutsche Michel“

In Bezug auf die neue Düngeverordnung, die unter anderem aufgrund der „angeblich zu hohen“ Nitratbelastung in Deutschland zurückzuführen ist, wollte es laut Franz Diehm „der deutsche Michel wieder mal ganz gut machen. Man hat nur die schlechtesten Messstellen gemeldet.“ Die anderen EU-Staaten hätten „gute und schlechte Messstellen“ fürs Grundwasser-Monitoring herangezogen, was einen repräsentativen Durchschnitt ergebe. „Jetzt stehen wir in Deutschland schlecht da, obwohl wir im Vergleich sehr hochwertiges und sauberes Trink- und Grundwasser haben.“

Tobias Hetterich, der auch Fleischer-Meister ist, kritisierte außerdem den freien Weg der US-Rindfleisch-Importe immens: „Das sogenannte Merkosur-Abkommen ist für uns Bauern nicht annehmbar. Wir müssten nach Abschluss des Abkommens mit Billigimporten aus Nord- und Südamerika konkurrieren. Das Fleisch dort wird nach Standards hergestellt, die in der EU schon lange tabu sind. Wir sagen nicht, dass die gesamte Politik schlecht ist, aber wir möchten gerne bei Gesetzesänderungen und neue Regelungen mitreden. Viele neue Verordnungen sind nicht zukunftsfähig für uns, viele Politiker haben einfach keine Ahnung. Landwirte als Vertreter mit Praxiserfahrung müssen mitdiskutieren und praktische Lösungen vorschlagen dürfen. Es wird Zeit, dass sich was ändert.“

„Wir halten fest zusammen“

Für Daniel Diehm war die Beteiligung an der Demonstration in Berlin gewaltig. „Unser Berufsstand, von Tierhaltern bis hin zu Acker- und Weinbauern, hält fest zusammen. Man merkt, dass für viele das Fass bereits übergelaufen ist. Nicht umsonst bewegt jeder fünfte Bauer seinen Hintern nach Berlin.“ Die Politik treffe oft Entscheidungen an der Landwirtschaft vorbei. Was die Bauern vermissten, sei die Wertschätzung und Achtung für ihre Arbeit und die hochwertigen Lebensmittel, die sie herstellten.

Nicht nur Landwirte fanden sich nahe Augsfeld ein, sondern interessierte Bürger, die mit den Bauern ins Gespräch kommen oder ihre Solidarität zum Ausdruck bringen wollten. Foto: René Ruprecht

 

Lesen Sie zu diesem Beitrag auch den Kommentar von Martin Sage "Das Volk hat den Bezug zur Landwirtschaft verloren"

 

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