HASSFURT

Aus dem Gericht: Sohn zahlte Rechnung für Bestatter nicht

Das Sprichwort „Das letzte Hemd hat keine Taschen“ traf bei einer im Februar vergangenen Jahres verstorbenen Seniorin aus dem Steigerwald offenbar voll zu.

Da sie keine materiellen Güter hinterließ, schlug ihr 55-jähriger Sohn das Erbe aus. Da sein Vater, der Mann der Verstorbenen, nach dem Tod der Frau „durch den Wind“ war, unterschrieb der Sohn den Bestattungsauftrag eines Beerdigungsinstituts und erhielt die Rechnung von 2650 Euro.

Doch zahlen wollte er nicht. Er ignorierte Mahnungen und einen Mahnbescheid. Der Bestattungsunternehmer erstattete Anzeige wegen Betrugs, sodass der Sohn einen Strafbefehl erhielt, gegen den er Einspruch einlegte und sich so am Amtsgericht verantworten musste.

Dort sagte er, dass er in Vertretung für seinen Vater unterschrieben habe, da der nach dem Tod seiner Frau zehn Tage lang nicht handlungsfähig gewesen sei. Die Vorsitzende wies ihn darauf hin, dass sich auf dem Schriftstück auch der Satz: „Ich trage die gesamten Kosten der Bestattung“ befunden habe.

Sämtliche Bankkonten gesperrt

Der Staatsanwalt fragte den Angeklagten, warum er nicht mit dem Kürzel „i.V.“ (in Vertretung) unterschrieben habe. Verteidiger Jürgen Borowka verwies darauf, dass sein Mandant nur „ein einfacher Arbeiter“ sei. Der Bestatter habe ihm gesagt, es handle sich um eine Vollmacht, die es dem Bestattungsunternehmen erlaube, die Leiche aus dem Krankenhaus zu überführen. Der Angeklagte fügte hinzu, dass sein Vater einen Monat nach dem Tod der Ehefrau in ein Heim gekommen sei und einen Betreuer zugeteilt bekommen habe. Der habe sämtliche Bankkonten des Vaters sperren lassen.

Da das Geld des Vaters nicht für die Bestatter-Rechnung gereicht habe, sollte das Wohnhaus der Eltern verkauft werden, was sich jedoch als schwierig herausstellte. Der Bestatter habe ihn dazu gedrängt, zu unterschreiben. Er sei selbst kurz nach dem Tod der Mutter in einem psychischen Ausnahmezustand gewesen und habe daher unterschrieben.

Nicht auf Mahnungen reagiert

Verärgert zeigte sich der Inhaber des Bestattungsinstituts. Der Angeklagte habe auf Mahnungen nicht reagiert und als „grundlos“ abgewiesen. In einem Telefonat habe die Ehefrau des Angeklagten gesagt: „Wir haben keine Angst. Wir können auch vor Gericht. Das haben wir schon einmal gemacht“. Er habe sich „veräppelt“ gefühlt und habe Anzeige erstattet. Der mit der Bestattung betraute Mitarbeiter des Unternehmens sagte vor Gericht, der Angeklagte habe zusammen mit ihm den Ablauf der Beerdigung besprochen, Sterbebilder sowie die Sargausstattung in Auftrag gegeben. „Er war für mich der Auftraggeber“ sagte er.

Das Gericht beendete die Posse mit einer Einstellung des Verfahrens. Als Auflage muss der Angeklagte die offene Rechnung innerhalb von sechs Monaten begleichen.

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