KNETZGAU

Bangen um den Anglersee

Der große Angelsee unterhalb des Autobahnzubringers hat bedenkliche Sauerstoffwerte und droht umzukippen. Die Feuerwehren aus Knetzgau, Hainert, Westheim und Zell versuchten mit starken Pumpen, Sauerstoff ins Wasser zu bringen.
Der große Angelsee unterhalb des Autobahnzubringers hat bedenkliche Sauerstoffwerte und droht umzukippen. Die Feuerwehren aus Knetzgau, Hainert, Westheim und Zell versuchten mit starken Pumpen, Sauerstoff ins Wasser zu bringen. Foto: Alois Wohlfahrt

Großes Bangen beim Sportanglerverein Knetzgau am Montag: Der große Angelsee direkt unter der Mainbrücke des Autobahnzubringers, drohte umzukippen. Helfer in der Not am Montag: Knetzgauer Feuerwehren, die vier leistungsstarken Pumpen Wasser und damit auch Sauerstoff auf das Gewässer spritzten. Angespannt blieb die Situation auch am Dienstag, wie Vereinsmitglieder gegenüber der Redaktion berichteten. „Zwischen Bangen und Hoffen“ bewegt sich die Gemütslage. Dringend braucht es Regen, damit es nicht an diesem großen Gewässer, aber auch nicht an den kleineren Seen des Vereins zum Kollaps kommt, so Vereinsmitglied René Karl.

Bislang ist der Schaden überschaubar, lediglich eine Handvoll toter Fische, wurden aus dem großen Anglersee geborgen, berichten Vereinsmitglieder. Alarmiert worden waren die Angler, nachdem Messungen des Sauerstoffgehalts im Wasser am Montagmorgen einen Wert von lediglich noch bei zwei bis drei Prozent ergeben hatten. Daraufhin verständigte der Verein die Feuerwehr. Mit vier leistungsstarken Pumpen versuchten die Wehren aus Knetzgau, Hainert, Westheim und Zell, den Sauerstoffgehalt im Wasser zu steigern. 800 Liter Wasser in der Minute wurden so auf den See gespritzt, berichtete der Einsatzleiter vor Ort, der Knetzgauer Kommandant Ralf-Peter Schenk. 25 Einsatzkräfte der Feuerwehren Knetzgau, Hainert, Westheim und Zell waren im Einsatz.

Messungen der Vereinsmitglieder hatten am frühen Abend dann einen Wert zwischen acht und 12 Prozent gezeigt, der auf eine Entspannung hingedeutet hätte. Allerdings zeigte sich bei einer späteren Messung durch Jürgen Frank vom verständigten Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen, dass der Wert doch lediglich bei drei Prozent lag. Gegen 18.30 Uhr endete die Belüftungsaktion der Feuerwehren.

Wasseroberfläche aufgewirbelt

Mit einem Boot hatten zudem Mitglieder des Vereins zusätzlich dafür gesorgt, dass das Wasser zur Sauerstoffanreicherung aufgewirbelt wurde.

Und noch eine Hiobsbotschaft gab es am Abend für die Knetzgauer Angler: Bei der Überprüfung eines weiteren Sees, zusammen mit Jürgen Frank vom Wasserwirtschaftsamt, zeigte sich, dass dieser kleine, als Zuchtweiher wichtige See, einen, bedenklich geringen, Sauerstoffgehalt aufwies. Auch hier bleibt den Anglern derzeit nur Eines: Hoffen, dass ihnen die Witterung hilft, denn belüften mit Pumpen scheidet wohl aus. Durch die Wasserentnahme aus dem kleinen See würde zu viel Schlamm aufgewirbelt, berichten Vereinsmitglieder. Besonders bitter für die Angler: Aus dem Zuchtweiher sollten in zwei Wochen die Fische in den großen Anglersee umgesiedelt werden.

Das macht allerdings nur Sinn, wenn die Tiere zuvor keinen großen Stress gehabt haben. Den allerdings haben sie derzeit, angesichts der Bedingungen im Weiher.

Das Problem, das derzeit den Knetzgauer Anglern Sorgenfalten ins Gesicht treibt, ist längst kein Ausnahmefall mehr. Nur: Dass Seen am Umkippen sind, tritt in diesem Jahr später auf. Die lange Trockenheit der vergangenen Wochen hat das Problem auf den Herbst verschoben, so die Einschätzung von Jürgen Frank vom Wasserwirtschaftsamt. Hätte es in den vergangenen Wochen immer einmal wieder einen Regenschauer gegeben, wäre es vermutlich erst gar nicht zu dieser Situation gekommen.

Was die Knetzgauer erleben, ist für Frank allerdings ein ganz allgemeines Problem, denn: Diese Art von Seen waren oftmals Baggerseen, keine natürlichen Seen. Mit dem Ausbaggern wurden die Grundwasserschichten freigelegt, der Frischwasseraustausch war gegeben. War, denn durch Ablagerungen auf dem Boden wird diese Frischwasserzufuhr in einem immer geringeren Maße statt. Kommen dann noch weitere Faktoren hinzu, so etwa überhöhte Sauerstoffzehrung, Gärprozesse, Wasservögel, aber auch der Fischbesatz selbst und entsprechende Witterung, dann droht ein See umzukippen, Fische können sterben.

Frank: „Es ist mehr oder weniger ein natürliches Fischsterben, denn der See schüttelt sich.“

Fotoserie

Anglersee in Gefahr

zur Fotoansicht

Dass dann versucht wird durch Belüftung, wie dies jetzt geschehen ist, dies zu verhindern, ist zu verstehen, so Frank. Allerdings ist die für ihn lediglich „eine Notmaßnahme“. Viel wichtiger, so Frank: andere Lösungen suchen. Am wichtigsten dabei: ständig das Gewässer beobachten und die Angelvereine sollten sich auch untereinander austauschen, sich vielleicht zusammentun, um dazu speziell geschulte Leute zu haben. Denn, so Frank: Es gibt viele Seen, die in einer kritischen Phase sind. Und eines ist für ihn auch sicher: einen alleinigen Verursacher dafür gibt es nicht.

Bedenkliche Sauerstoffwerte zeigen die Messgeräte, wie Jürgen Frank (links) vom Wasserwirtschaftsamt René Karl von den Knetzgauer Anglern erläutert.
Bedenkliche Sauerstoffwerte zeigen die Messgeräte, wie Jürgen Frank (links) vom Wasserwirtschaftsamt René Karl von den Knetzgauer Anglern erläutert. Foto: Alois Wohlfahrt

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Knetzgau
  • Hainert
  • Westheim
  • Zell
  • Alois Wohlfahrt
  • Seen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!