ZEIL/KREIS HASSBERGE

Beim Weinfest: Feuerwehrautos als Rammschutz

Große Fahrwehrfahrzeuge bei Großveranstaltungen als Rammschutz gegen mögliche Attentäter: Beim Zeiler Weinfest hat sich das Konzept nach Ansicht der Verantwortlichen offenbar bewährt.
Große Fahrwehrfahrzeuge bei Großveranstaltungen als Rammschutz gegen mögliche Attentäter: Beim Zeiler Weinfest hat sich das Konzept nach Ansicht der Verantwortlichen offenbar bewährt. Foto: ArchivKlaus Vogt

Feuerwehrfahrzeuge als Bollwerk gegen Attentäter, die die Absicht haben, mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge zu rasen. Was sich bis vor Kurzem kaum jemand wahrhaft vorstellen konnte, ist mittlerweile Realität. Beim Altstadtweinfest in Zeil haben die Verantwortlichen erstmals zu dieser Schutzmaßnahme gegriffen. Und mit vierwöchigem Abstand meinen sie, der zusätzliche Aufwand habe sich gelohnt. „Das subjektive Sicherheitsgefühl der Festbesucher ist dadurch gestiegen“, sagt etwa der Haßfurter Polizeichef Norbert Mohr.

Zugleich ist ihm klar, dass solche Vorkehrungen letztlich immer hilflos wirken müssen, falls ein fest entschlossener Attentäter seine Anschlagspläne verwirklichen möchte. „Verhindern kannst du nichts“, sagt Mohr, „aber trotzdem musst du etwas tun.“

Hauptzufahrten dicht gemacht

Am Beispiel des Zeiler Weinfests macht Mohr deutlich, was er damit meint: Es gebe drei Hauptzufahrtsstraßen zum Weinfestgelände in der Altstadt, am Zeiler Marktplatz: die Haßfurter Straße, die Bamberger Straße und die Sander Straße. Diese drei Zufahrten wurden in diesem Jahr am Eingang zum Festgelände blockiert. Hierzu wurden an zwei Zufahrten je ein Feuerwehrfahrzeug quer zur Fahrbahn abgestellt, auf einer Zufahrt stand ein Polizeifahrzeug.

Ein Attentäter hätte so nicht ungehindert mit einem größeren Fahrzeug aufs Festgelände rasen können. Doch es gibt weitere acht bis zwölf Zugänge, die zum Weinfest führen, schildert Mohr. Wenn ein Angreifer beispielsweise eine dieser Gassen oder Sträßchen wählen sollte, dann sei er kaum aufzuhalten. Eine Bombe lasse sich problemlos auch auf ein Kraftrad packen.

Alles unternommen, was machbar war

„Es geht darum, alles zu unternehmen, was machbar ist“, erklärt der Leiter der Polizeiinspektion Haßfurt. Die Maßnahmen dürften jedoch nicht überborden. Und: Die Grundordnung und das Freiheitsgefühl der Menschen dürften trotz der getroffenen Sicherheitsvorkehrungen nicht zu sehr eingeschränkt werden. So sei es in Zeil beispielsweise auch nicht realisierbar, das Festgelände – wie in diesem Jahr auf der Wiesn in München – komplett mit einem Zaun zu umgeben. Auch die Kontrolle sämtlicher Rucksäcke und Taschen, oder gar deren Abnahme, durch Sicherheitspersonal an den Zugängen zum Weinfest sei nicht praktikabel, meint Mohr. Die Idee, die Hauptzufahrten mit querstehenden Fahrzeugen zu blockieren, sei dagegen sinnvoll und leicht umsetzbar gewesen.

Reaktion auf Nizza

Woher diese Vorsichtsmaßnahme herrührt, liegt auf der Hand: Zwei Wochen vor dem Zeiler Weinfest, am französischen Nationalfeiertag (14. Juli) raste spätabends in Nizza ein Attentäter auf der Strandpromenade mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge, die sich dort das Feuerwerk angeschaut hatte. Mindestens 86 Menschen starben dabei. Und auch der Selbstmordanschlag auf ein Musikfestival im mittelfränkischen Ansbach am 24. Juli lag keine Woche zurück.

Aus diesen Gründen haben die Verantwortlichen des Zeiler Weinfests ihr Sicherheitskonzept neu bewertet. Thomas Fensel, als Geschäftsführer des Förderkreises Zeil Hauptverantwortlicher des Weinfestes, berichtet: Die Polizei hat angerufen und gemeint, dass die Bevölkerung die Gefahrenlage anders wahrnehme, als vor den jüngsten Anschlägen und Attentaten. Deshalb hätten sich die Verantwortlichen noch zweimal getroffen, um mögliche zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu besprechen. Herausgekommen ist unter anderem die Idee, die Zufahrten mit Fahrzeugen zu blockieren.

Vorschlag der Polizei aufgegriffen

Tobias Hetterich, Kommandant der Feuerwehr Zeil, bestätigt, dass er den Vorschlag bereitwillig aufgenommen hat. „Die Feuerwehr ist ohnehin mit Einsatzkräften zur Brandwache auf dem Festgelände präsent“, sagt er. Da sei es kein großer Aufwand gewesen, an den Zufahrten zwei Großfahrzeuge zu postieren. „Das ist in meinen Augen sinnvoll gewesen“, sagt er. „Das hat als sichtbares Zeichen Sicherheit ausgestrahlt.“

Die Fahrzeuge wurden jeweils am frühen Abend, wenn sich das Festgelände so richtig mit Menschenmassen füllte, abgestellt. Zum Einsatz kamen zwei Großfahrzeuge – ein Löschgruppenfahrzeug sowie ein Dekontaminationsfahrzeug –, die bei der Zeiler Feuerwehr nicht im ersten Abmarsch mit ausrücken. Die Feuerwehr, die über neun Fahrzeuge verfügt, war also auch ohne diese beiden Fahrzeuge voll einsatzbereit, versichert der Kommandant. Und im Bedarfsfall wären die beiden Fahrzeuge ohne große Verzögerung von der Straßensperre abgezogen worden.

Empfehlung auch für andere

Kreisbrandrat Ralf Dressel empfiehlt Feuerwehren ebenfalls, ihre Fahrzeuge bei Straßensperren als Hindernisse einzusetzen. Er meint damit jedoch in erster Linie Straßensperren an Einsatzstellen oder zur Absicherung von Festumzügen oder Ähnlichem. Hier würden stehende Feuerwehrfahrzeuge Einsatzkräfte vor unaufmerksamen oder gar rabiaten Verkehrsteilnehmer schützen, die Absperrungen durch die Feuerwehr absichtlich missachten und – wie zuletzt wiederholt passiert – Einsatzkräfte absichtlich anfahren. „Für permanente, feste Straßensperren ist die Feuerwehr prinzipiell nicht zuständig“, meint er.

Positive Reaktion der Besucher

Wenn Sicherheitsvorkehrungen verschärft werden, werden schnell Rufe laut, die vor Hysterie und Übertreibungen warnen. Doch im Fall des Zeiler Weinfests gilt dies offenbar nicht. Im Gegenteil. Festverantwortlicher Fensel berichtet von allgemein positiven Reaktionen der Besucher. „Die fanden die Idee mit den querstehenden Einsatzfahrzeugen super“, sagt er.

Und auch im Sicherheitsbericht der Haßfurter Polizei zum Zeiler Weinfest heißt es, dass die Bevölkerung diese Maßnahme begrüßt hätte. Zum diesjährigen Sicherheitskonzept zählte laut Polizeichef Mohr auch der Einsatz von Streifen der Sicherheitswacht, die bereits nachmittags unterwegs waren. Auch waren mehr Polizisten und Security-Personal auf dem Gelände.

Obergrenzen für Besucherzahlen

Ob dies im kommenden Jahr wieder in diesem Umfang möglich ist, kann laut Mohr jetzt noch nicht gesagt werden. Er spricht auch offen darüber, dass bei so großen Festen wie dem Zeiler Weinfest, oder dem Faschingszug in Sand, über Obergrenzen für Besucherzahlen nachgedacht werden sollte. Denn es muss sichergestellt sein, dass die Menschen das Gelände im Notfall über ausgewiesene (und unverstellte) Fluchtwege schnell verlassen können. Deshalb müssten die Sicherheitskonzepte jährlich neu bewertet und gegebenenfalls angepasst werden.

Kosten steigen

Das gestiegene Maß an Sicherheit bekommen dann auch die Veranstalter zu spüren. Denn zusätzliches Sicherheitspersonal beispielsweise erhöht die Ausgaben der Veranstalter. Und wenn diese auf ihren Gewinn nicht verzichten möchten, oder können, dann werden sie die Zusatzkosten auf Eintritts- oder Verzehrpreise umlegen, was wiederum alle Besucher trifft. Sicherheit zum Nulltarif gibt es eben nicht.

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