HAßFURT

Beratungsstelle: Hilfe, wenn die Welt zerbricht

Wenn die Welt zerbricht       -  Es gibt Momente, in denen ein Mensch nicht mehr weiter weiß. Beratungsstellen zeigen in solchen Momenten Perspektiven auf.
Es gibt Momente, in denen ein Mensch nicht mehr weiter weiß. Beratungsstellen zeigen in solchen Momenten Perspektiven auf. Foto: Thinkstock

Auch in den neuen Räumen in St. Bruno in Haßfurt ist der Zulauf zur Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) der Diözese Würzburg ungebrochen. 220 Menschen suchten das Gespräch mit Diplom-Pädagogin Christiane Wagner-Schmid und Pastoralreferent Ulrich Emge, die zur Jahres-Pressekonferenz eingeladen hatten. In kritischen Lebensphasen bieten sie jedermann Begleitung und Beratung an, helfen, neue Perspektiven zu entwickeln, „Selbstheilungskräfte freizulegen“.

Beide sind qualifizierte EFL-Berater, Wagner Schmid hat zudem eine Zusatzausbildung in systemischer Familientherapie. Paare, Familien, aber auch Einzelpersonen in schwierigen Situationen begleiten, das ist ihre Aufgabe – neutral, konfessionsoffen, verschwiegen und kostenlos.

In den neuen Räumen in St. Bruno fühlen sich beide Berater sehr wohl. „Wir sind mitten in der Stadt geblieben und wir haben kurze Wege zu den anderen Diensten, die hier im Hause arbeiten“, sagt Wagner-Schmid. 705 Beratungsstunden fanden im jetzt abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 statt – womit deren Zahl im Vergleich zu den Jahren zuvor weiter gestiegen ist. 32 Prozent waren Einzel-, 67 Prozent Paar- und etwa ein Prozent Familienberatungen. Dennoch waren von den Krisen, die dabei bearbeitet wurden, 85 Kinder betroffen.

Der Weg in die Beratungsstelle steht jedermann offen, auch wenn sie von der katholischen Kirche getragen und zu 80 Prozent von der Diözese Würzburg finanziert wird. 18 Prozent tragen der Landkreis Haßberge und die Kommunen, zwei Prozent werden über Spenden gedeckt. Die Beratungsstellen sind der Hauptabteilung „Seelsorge“ von Weihbischof Ulrich Boom unterstellt und laufen dort in der Abteilung „Sonderseelsorge“. Beratungsstellen gibt es in Würzburg, Aschaffenburg, Schweinfurt und Haßfurt, als Außenstelle von Schweinfurt.

Kritische Lebensereignisse führen in die Beratungsstelle nach Haßfurt. Oft geht es um Trennung, aber auch um Selbstwert oder Stimmungen. Die Partnerschaften leiden oft unter Kommunikationsproblemen, dem „Auseinanderleben“. „Wenn die Kinder aus dem Haus sind, müssen sich die Eltern oft erst wieder als Paar finden“, stellt Beraterin Wagner-Schmid fest. Schicksalsschläge und schwere Krankheiten, oder Streit in der Familie sind andere Gründe, die die Klienten in die Beratungsstelle führen.

Die Altersverteilung der Statistik zeigt diese kritischen Punkte in der Beziehung beziehungsweise Familie deutlich. „Manche junge Paare haben die Veränderungen durch das erste Kind massiv unterschätzt“, erzählt Emge aus seinen Beratungen. Doch auch der Tod der Eltern, finanzielle Probleme oder Probleme am Arbeitsplatz können eine Beziehung an die Belastungsgrenze führen.

War es früher eher die Sorge um den Arbeitsplatz oder Probleme mit Arbeitslosigkeit, sind es in Zeiten der Vollbeschäftigung andere Probleme, die in die Krise führen: ständige Verfügbarkeit, prekäre Bezahlung, befristete Arbeitsverhältnisse, Schicht- und Wochenendarbeit. „Diese Belastungen werden in unserer Gesellschaft gerne unterschätzt“, sagt Wagner-Schmid. Wenn in Familien diese Belastungen und Sorgen dann totgeschwiegen werden, baut sich ein Problem auf.

„Viele Paare kommen an einem Punkt zu uns, wo sie Orientierung suchen, ob die Partnerschaft bestehen bleiben soll oder nicht“, erklärt Emge. Er und seine Kollegin freuen sich, wenn sie neue Wege zum Miteinander aufzeigen können, „manchmal ist aber eine Begleitung der Trennung der einzig richtige Weg“, weiß er aus Erfahrung. Oftmals hilft die Weitervermittlung an andere Stellen, an Fachärzte, die Schuldner- oder die Suchtberatung.

Aus den Problemlagen heraus entwickeln die Berater auch immer wieder gezielte Gruppenangebote. So etwa die „Impulse für die Zeit nach der Trennung“. Dieses Angebot wurde schon sehr gut angenommen und soll fortgeführt werden. Dabei geht es zunächst an vier Abenden um die Verarbeitung der Trennung, um neue Perspektiven, und für Betroffene mit Kindern folgen zwei weitere Abende zu deren Erlebnis der Trennung und zum Thema „Eltern bleiben Eltern“.

Erreichbarkeit

Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung befindet sich in Haßfurt im Haus St. Bruno. Der Zugang ist bis zum Abschluss der Umbauarbeiten im kommenden Jahr über die Fuchsgasse 7. Anmeldungen sind möglich per E-Mail an info@familienberatung-hassfurt.de oder unter Tel. (0 95 21) 6 46 00 (Montag bis Freitag 8 bis 12 Uhr, Montag und Dienstag 15 bis 18 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 14 bis 16 Uhr).

Nähere Informationen gibt's im Internet unter ww.eheberatung-schweinfurt.de

Das erste Beratungsjahr im Domizil im Haus St. Bruno in Haßfurt haben die Ehe- und Familienberater Christiane Wagner-Schmid und Ulrich Emge abgeschlossen. Sie helfen an Wendepunkten des Lebens.
Das erste Beratungsjahr im Domizil im Haus St. Bruno in Haßfurt haben die Ehe- und Familienberater Christiane Wagner-Schmid und Ulrich Emge abgeschlossen. Sie helfen an Wendepunkten des Lebens. Foto: Sabine Weinbeer

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