KREIS HASSBERGE

Besuch von der Fränkischen Weinkönigin im Abt-Degen-Weintal

Die amtierende Fränkische Weinkönigin besuchte am Dienstag das Abt-Degen-Weintal. Carolin Meyer nahm sich einen ganzen Tag Zeit, um das Weinanbaugebiet kennenzulernen.
Die amtierende Fränkische Weinkönigin besuchte am Dienstag das Abt-Degen-Weintal. Carolin Meyer nahm sich einen ganzen Tag Zeit, um das Weinanbaugebiet kennenzulernen. Foto: Christian Licha

Am Dienstag nahm sich die Fränkische Weinkönigin Carolin Meyer einen ganzen Tag Zeit, um das Abt-Degen-Weintal kennenzulernen. Es ist bereits das zehnte Jahr in Folge, in dem die jeweils amtierende Weinkönigin diesem Anbaugebiet einen Besuch abstattet.

Mit dabei war Artur Steinmann, der Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, der das Alleinstellungsmerkmal des Abt-Degen-Weintals herausstellte: „Der Besuch ist ein fester Bestandteil im jährlichen Terminkalender. In keinem anderen Gebiet verbringt die Weinkönigin so viel Zeit am Stück wie im Abt-Degen-Weintal.“

Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann, der seit sieben Jahren Vorsitzender des Abt-Degen-Weintals ist, freute sich, dass mittlerweile die Winzervereinigung in den Köpfen der Menschen angekommen ist und verglich sie mit einem Kleinkind, das zur Gründung gerade krabbeln konnte, aber mittlerweile das Laufen gelernt hat.

Bei der achtstündigen Rundreise gab es für Weinkönigin Carolin Meyer, die unter anderem zusammen mit der Abt-Degen-Weintal-Prinzessin Anna-Lena Werb, der Sander Weinprinzessin Anna-Lena Gottschalk und Landrat Wilhelm Schneider unterwegs war, jede Menge zu bestaunen. So zum Beispiel im Weingut Peter Götz in Zell. Der Winzer im Nebenerwerb, der gerade einmal zwei Hektar bewirtschaftet, legt sehr viel Wert auf das Authentische und Ursprüngliche. Einen Teil seiner Weinberge bewirtschaftet Götz deshalb mit dem „Alten Fränkischen Satz“. So wie vor 50 bis 100 Jahren stehen hier doppelt so viel Rebstöcke nebeneinander wie beim modernen Weinbau. Der Rasen in den Gängen wird mit der Sense gemäht, ansonsten findet keine Bodenbearbeitung statt.

Die Pflanzstäbe sind aus Cortenstahl und überziehen sich im Laufe der Zeit mit einer Schutzschicht, der charakteristischen Patina. Im Gegensatz zu verzinkten Stäben kann somit eine Zinkabgabe in den Boden verhindert werden. Doppelt bis dreimal soviel Arbeit muss man in so einen historischen Weinberg investieren, wobei die Ernte gleichwohl geringer ausfällt. Mit Äußerungen wie „Wein, wie ich ihn von früher her kenne“, loben die Kunden von Peter Götz jedoch sein ehrgeiziges Projekt. Weinbaupräsident Artur Steinmann sagte, es gebe nur noch 150 von diesen alten Weinbergen in Unterfranken. Diese seien sehr wertvoll und können als Gen-Pool für die Zukunft genutzt werden.

Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, begleitete die Weinkönigin auf ihrer Tour. Er bescheinigte dem Abt-Degen-Weintal ein hohes Potenzial und freute sich, dass die zahlreichen Winzer die Region so nachhaltig prägen.
Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, begleitete die Weinkönigin auf ihrer Tour. Er bescheinigte dem Abt-Degen-Weintal ein hohes Potenzial und freute sich, dass die zahlreichen Winzer die Region so nachhaltig prägen. Foto: Christian Licha

Den Beweis dafür, dass auch junge Leute Interesse am Weinbau haben, lieferte die Familie Rippstein aus Sand. Stefan und Angela Rippstein haben hier sieben Hektar Land und üben den Winzerberuf als Vollzeitjob zusammen mit ihren Kindern Nadine und Patrick aus, die später einmal den Betrieb übernehmen wollen. Stefan Rippstein wiederum hat den einstigen Nebenerwerbsbetrieb mit einem dreiviertel Hektar von seinem verstorbenen Vater Bernhard Rippstein übernommen und im Laufe der Zeit zur jetzigen Größe ausgebaut. Auch Oma Elfriede hilft noch fleißig mit.

Der Entschluss war zwar schwer, aber Stefan Rippstein machte im Jahre 2014 Nägel mit Köpfen und gab seinen krisensicheren Arbeitsplatz bei einer Behörde auf, um sich voll und ganz dem Weingut widmen zu können. Die 23-jährige Tochter Nadine studierte Weinbau und ist als Oenologin ebenfalls voll bei der Sache.

Kurz vor der endgültigen Fertigstellung steht ein neu gebauter Verkaufsraum mit Lagerraum und viel Platz für Weinproben und intensive Beratung der Kunden. In Eigenleistung haben die Rippsteins zudem an allen Türen des Gebäudes originelle Türgriffe angebracht. Diese bestehen aus echten Rebstöcken, die zusammen mit der in Holz gehaltenen Einrichtung eine ganz besondere Wohlfühlatmosphäre verbreiten.

Carolin Meyer (Zweite von rechts) wurde begleitet von der Sander Weinprinzessin Anna-Lena Gottschalk (Zweite von links), der Abt-Degen-Weintal-Prinzessin Anna-Lena Werb (rechts) und Thomas Stadelmann, dem Vorsitzenden des Abt-Degen-Weintals.
Carolin Meyer (Zweite von rechts) wurde begleitet von der Sander Weinprinzessin Anna-Lena Gottschalk (Zweite von links), der Abt-Degen-Weintal-Prinzessin Anna-Lena Werb (rechts) und Thomas Stadelmann, dem Vorsitzenden des Abt-Degen-Weintals. Foto: Christian Licha

Einen etwas anderen Betrieb konnte Weinkönigin Carolin Meyer in Ebelsbach erleben. In einem alten Stollen, in den eigentlich kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges das kriegswichtige Kugelfischer-Werk aus Eltmann umziehen sollte, betreibt Martin Fischer zusammen mit seiner Frau seine Sektkellerei im Nebenerwerb. 10 000 bis 15 000 Flaschen werden hier jährlich aus Frankenwein und der Zugabe eines Wein-Zucker-Schwefel-Gemisches produziert. Vorwiegend Winzer aus der Umgebung liefern hier ihren Traubensaft ab und können diesen nach neun Monaten Reifezeit und einem zeitintensiven Verfahren als Frankensekt wieder abholen. Das besondere Aushängeschild der Kellerei ist der Goldsekt. Ausgesuchte Rivaner-Weine werden hier traditionell versektet und mit 23 Karat-Blattgold veredelt, das für den Verzehr geeignet ist.

In Oberschwappach konnte die Abordnung einen Weinbaubetrieb besichtigen, der bereits vor fast 100 Jahren gegründet wurde. Ursprünglich auch im Nebenerwerb durch die Vorfahren betrieben, kümmern sich heute Hans Hetzel und sein Sohn Andreas zusammen mit der ganzen Familie um vier Hektar der verschiedensten Rebsorten. Ein früher betriebener Schweinestall wurde 1990 zu einer Heckenwirtschaft umgebaut, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreut. Auch das traditionelle Hofschoppenfest zieht Besucher aus Nah und Fern in den Knetzgauer Ortsteil.

So wie Peter Götz aus Zell diesen Weinberg heute bewirtschaftet, sahen alle Lagen noch vor 50 bis 100 Jahren aus. Zwar hat er damit mehr Arbeit, doch oft bekommt er zu hören, ihm gelinge es, einen Wein zu machen, wie ihn die Leute noch von früher kennen.
So wie Peter Götz aus Zell diesen Weinberg heute bewirtschaftet, sahen alle Lagen noch vor 50 bis 100 Jahren aus. Zwar hat er damit mehr Arbeit, doch oft bekommt er zu hören, ihm gelinge es, einen Wein zu machen, wie ihn die Leute noch von früher kennen. Foto: Christian Licha

Wer einmal von einer „echten“ Prinzessin bedient werden möchte, kann das in der Heckenwirtschaft von Karl Hömer in Steinbach erleben. Zwar bewirtschaftet der Winzer nur einen knappen Hektar Fläche, aber seit Jahrzehnten hat er sich einen guten Namen gemacht. Seine Enkelin ist Anna-Lena Werb, die Abt-Degen-Weintal-Prinzessin, die immer mithilft, wenn es ihre Zeit zulässt. Auch ihre Eltern packen kräftig mit an und sind besonders gefordert, wenn wieder einmal das alljährliche Hoffest viele Gäste anzieht.

Einen guten Job bescheinigte Weinkönigin Carolin Meyer allen Winzern. „Ich habe mich total wohl gefühlt, viel Spaß gehabt und auch Neues dazugelernt“, sagte die Weinbautechnikerin, die in Greuth im Landkreis Kitzingen wohnt und ebenfalls das „Erlebnis Wein“ zum Hauptberuf gemacht hat. Artur Steinmann bescheinigte dem Abt-Degen-Weintal ein hohes Potenzial und sagte, man könne glücklich sein, dass solch engagierte Winzer die Region nachhaltig prägen.

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