BAMBERG

Biblia-Sacra-Suite:Geniales Jahrhundertwerk

Farblithografie zu Sigmund Freuds Moses-Buch: Die Gesetzestafeln. Foto: Marion Krüger-Hundrup

Diese farbexplosiven Grafiken zur Bibel stellen alles Bekannte in den Schatten: Salvador Dalí (1904-1989) hat mit seiner „Biblia Sacra“ ein geniales Jahrhundertwerk geschaffen. Und diese bedeutendste Illustration des 20. Jahrhunderts zum Alten und Neuen Testament ist nun im Diözesanmuseum Bamberg zu bewundern.

Die Ausstellung zeigt, dass „kirchliche Kunst nicht nur etwas von gestern ist, verstaubt und rückwärtsgewandt, sondern zeitgemäß und modern“, sagte Domkapitular Norbert Jung, Leiter der Hauptabteilung Kunst und Kultur im Erzbischöflichen Ordinariat, bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellung mit Pressevertretern. Die surrealistische Kunst von Dalí sei „bestens geeignet, die Bibel neu zu interpretieren“, fügte Jung hinzu. Zumal sich die Bibel etwa mit ihren Traumerzählungen ja auch nicht „klar fotografieren lässt“.

Dass das Diözesanmuseum diesen Schatz im sechsstelligen Versicherungsbereich überhaupt präsentieren kann, ist dem Bamberger Kunsthändler Richard H. Mayer zu verdanken. Er kannte den Katalanen Salvador Dalí persönlich und nutzte die freundschaftlichen Kontakte für seine stattliche Kunstsammlung. Dazu gehört eben diese vollständige Biblia-Sacra-Suite: Einzigartige 105 Farbgrafiken, die nur in dieser kompletten Folge Blatt für Blatt von Salvador Dalí handsigniert sind. Dabei stellt diese Suite eine einmalige Kombination von Farbmischtechnik-Lithografien nach Aquarellen von Dalí dar, deren Originaltreue durch die besondere Drucktechnik erhalten geblieben ist.

Die Folge der unbeschnittenen Bögen diente als Beleg für die Kontrolle und Druckfreigabe für den Künstler. Durch den Erhalt aller vier Blattränder mit den Markierungen zum späteren Beschneiden der Bögen konnten die jeweils auf dem rechten Rand befindlichen spezifischen Farbskalen konserviert werden. Ihre Entstehungszeit liegt in den Jahren 1963 bis 1965.

Museumschef Holger Kempkens freut sich natürlich darüber, dass sein Bamberger Haus diese „weltweit einzigartige Ausstellung“ zeigen kann. Ein Unikat ist diese Schau auch deshalb, weil sie ein weiteres Schlaglicht auf Dalís Schöpferkraft wirft: Ergänzend zur Biblia-Sacra-Suite gibt es Dalís Illustrationen zu „Sigmund Freud: Moise et le Monothéisme“ zu bewundern, bestehend aus zehn Original-Farbradierungen über Farblithografien, gedruckt auf Lammleder, einem Holzschnitt sowie der zugehörigen Kassette mit einer aus Silber geprägten Darstellung des Moses von Michelangelo. „Freud hatte als Vater der Psychoanalyse und Traumdeuter einen großen Einfluss auf die Surrealisten“, weiß Kempkens.

Dalís Markenzeichen, wie lange Beine und zerfließende Tränen, tauchen gleich auf mehreren seiner Illustrationen auf. Gleichwohl verkünden gerade seine biblischen Bilder eine bodenständige Frömmigkeit, die ihren eigenen künstlerischen Ausdruck findet.

Ein Grund mehr für das Diözesanmuseum, mit dieser Ausstellung einen passenden Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr zu leisten. Schließlich „ist die Bibel die Grundlage der europäischen Kultur“, erklärt Domkapitular Jung.

Biblia Sacra

Die Sonderausstellung „Salvador Dalí: Biblia Sacra – Einzigartige Illustrationen zur Bibel und zu Sigmund Freuds Moses Interpretationen“ ist bis zum 18. November im Diözesanmuseum Bamberg, Domplatz 5, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Montags ist die Ausstellung geschlossen.

Ein Katalog mit allen 105 Bibel-Illustrationen kostet 20 Euro und ist an der Museumskasse erhältlich.

Eine Dalí-Illustration im Neuen Testament: Einsetzung der Eucharistie. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Domkapitular Norbert Jung (links) und der Museumsleiter Holger Kempkens präsentieren die Dalí-Werke. Foto: Marion Krüger-Hundrup

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