HASSFURT

Bombendrohung aus Langeweile

„Um zehn Uhr geht die Bombe hoch!“ Mit diesem Satz versetzte ein Mann die Mitarbeiter der Raiffeisen- und Volksbank Zeil am 30. Oktober 2007 in Panik. Die Polizei wurde verständigt und räumte für zwei Stunden den gesamten Innenstadtbereich – unnötiger Weise, wie sich im Nachhinein herausstellte. Der 27-jährige Täter hatte nur „aus Langeweile“ angerufen, eine Bombe gab es nie. Wegen Störung des öffentlichen Friedens muss er jetzt acht Monate hinter Gitter.
Am 30. Oktober 2007 gab es in der Zeiler Innenstadt ein großes Polizeiaufgebot: Bei der Raiffeisen- und Volksbank gingen kurz zuvor zwei Anrufe von einem Mann ein, der behauptete, dass um zehn Uhr eine Bombe im Gebäude hochgehen würde.
Am 30. Oktober 2007 gab es in der Zeiler Innenstadt ein großes Polizeiaufgebot: Bei der Raiffeisen- und Volksbank gingen kurz zuvor zwei Anrufe von einem Mann ein, der behauptete, dass um zehn Uhr eine Bombe im Gebäude hochgehen würde. Foto: FOTO daniel drepper

Die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Haßfurt verlief reibungslos wie selten – keine Schmierenkomödie, keine gegenseitigen Beschuldigungen, keine Ungereimtheiten. Der Täter aus dem Landkreis Haßberge zeigte sich geständig und bestätigte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in vollem Umfang.

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Bombendrohung in Zeil

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Am Morgen des 30. Oktober 2007 hatte er bei der Raiffeisen- und Volksbank Zeil angerufen und mit „einem vorgetäuschten ausländischen Akzent“ gedroht, in einer halben Stunde würde eine Bombe im Gebäude der Bank hochgehen. Fünf Minuten später das gleiche Spiel, nur drückte sich der Täter noch präziser aus: „Um zehn Uhr geht die Bombe hoch!“ Die Bankangestellten hatten schon nach dem ersten Anruf die Polizei verständigt, die sofort reagierte. „Wir haben den gesamten Innenstadtbereich abgeriegelt und alle Leute evakuiert, Kollegen von mir haben die Wohnungen abgeklappert, um die Bewohner aus dem Gefahrenbereich zu bringen“, sagte der zuständige Polizeikommissar.

Auch die Radiosender warnten vor der drohenden Gefahr und die Polizei forderte einen Bomben-Spürhund aus Würzburg an, „nachdem es um zehn Uhr keine Explosion gab“.

Trotz intensiver Suche wurde der Hund nicht fündig – konnte er ja auch nicht. Um kurz nach 11.30 Uhr gab die Polizei Entwarnung und hob die Sperrung der Innenstadt wieder auf.

Bei der Frage des Richters nach dem Motiv konnte der Täter nur den Kopf über sich selbst schütteln: „Aus Dummheit, aus Langeweile, aus Frust.“ Einen wirklichen Grund habe er für seine Tat nicht gehabt. „Ich hätte nicht gedacht, dass so ein Anruf solch ein Theater verursacht.“

Erst als er die Absperrung in der Innenstadt bemerkt habe – er selbst hatte einen Termin bei einem Zahnarzt in der Nähe der betroffenen Bank – dachte er sich: „Au weh! Was hast du jetzt wieder für einen Mist gebaut?“ Der Zahnarzt-Besuch wurde dem 27-Jährigen auch zum Verhängnis: „Wir haben uns am 'Tatort' gezielt nach Verdächtigen umgesehen. Oft ist es ja so, dass die Täter an den Ort des Geschehens zurückkehren, um sich sozusagen ihre Früchte abzuholen“, sagte der Polizeikommissar. Dabei sei ihnen der jetzt Verurteilte aufgefallen, weil er für die Polizei kein Unbekannter ist und „erst vor kurzem in eine andere Straftat verwickelt“ war.

Die Polizei schrieb anschließend neun Handy-Anbieter gezielt an – welcher Kunde hat zu besagten Zeitpunkten die Nummer der betroffenen Bank gewählt? Nach einigen Tagen kam eine positive Rückmeldung und erhärtete den Verdacht gegen den 27-Jährigen, der schon am Tatort aufgefallen war. Als die Polizei ihn wenig später stellte, zeigte er sich geständig und räumte die Tat ein. Er übergab freiwillig sein Handy und seinen Laptop, mit dem er sich via Internet die Telefonnummer der Zeiler Bank besorgt hatte.

Auch im Gerichtssaal zeigte er sich reumütig und gestand die Tat „genau wie von den Zeugen geschildert“. Er wisse nicht, welcher Teufel ihn da geritten habe. „Wenn man so lange arbeitslos ist wie ich, dann kommt man schon auf komische Ideen“, so der Täter.

Der Hartz-IV-Empfänger saß wegen eines anderen Deliktes bis 2005 drei Jahre lang im Gefängnis und ist seitdem auf Arbeitssuche. „Sobald in der Bewerbung aber etwas von einer Haftstrafe steht, dann bekommst du keine Chance mehr“, sagte der 27-Jährige. Er sei zum Zeitpunkt der Tat in einer schwierigen persönlichen Lage gewesen und müsse sich um seine Freundin und deren drei Kinder kümmern – eines davon ist sein eigenes.

Sein Anwalt plädierte auf eine Bewährungsstrafe, weil sich sein Mandant „nicht im Klaren darüber war, was er durch den Anruf bewirkt“. Der Richter kam dem allerdings nicht nach und verhängte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten. „Die Voraussetzung für eine Bewährung ist eine günstige Sozialprognose. Die kann ich in Ihrem Fall jedoch nicht mehr annehmen“, sagte er.

Der Täter hat bereits 14 Eintragungen im Bundeszentralregister vorzuweisen, unter anderem wegen Diebstahl, Einbruch, Sachbeschädigung, Missbrauch von Notrufnummern, Erpressung und gefährlicher Körperverletzung. Zudem sei er der Polizei „erst zwei Monate vor der Bombendrohung“ wegen eines anderen Deliktes aufgefallen. „Würde jeder Arbeitslose mit einer Bombenexplosion drohen, könnten wir ja nicht mehr aus dem Haus gehen“, sagte der Richter. „Das ist eine Tat, die für mich und jeden, der irgendwie sozialisiert ist, nicht nachvollziehbar ist.“ Aus diesem Grund sei eine Bewährungsstrafe nicht gerechtfertigt. Der Täter nahm das Urteil äußerlich emotionslos entgegen.

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