WONFURT/HASSFURT

Bürgerinitiative führt heute Loacker-Demo in Haßfurt an

Geschlossen: das Werkstor von Loacker in Wonfurt.
Geschlossen: das Werkstor von Loacker in Wonfurt. Foto: Michael Mösslein

Die vorläufige Schließung des Recyclingbetriebs Loacker in Wonfurt bewertet die Bürgerinitiative (BI) „Lebenswertes Wonfurt“ als Teilerfolg. Dennoch meint sie: „Gefahr verschoben ist nicht aufgehoben“ und hält für diesen Dienstag, 3. April, an einer Demonstration in Haßfurt fest. Der Protestzug zum Landratsamt beginnt um 15.30 Uhr am Gries. Im Vorfeld stärken politische Gruppen und Fraktionen der BI den Rücken und werfen dem Landratsamt mit Landrat Rudolf Handwerker an der Spitze Leichtfertigkeit und Schlamperei im Umgang mit dem Giftstaub vor.

Nachdem das Landratsamt vergangene Woche behauptet hatte, es sei am 26. Mai 2011 erstmals von Anliegern auf die Staubbelästigungen durch Loacker aufmerksam gemacht worden, gab die Pressestelle des Landratsamtes am Montag auf Nachfrage zu, dass dort bereits zu Zeiten der Vorgängerfirma Fichtler Anwohnerbeschwerden über Staubverfrachtungen vorlagen. Unterlagen, die der Redaktion vorliegen, belegen dies. Nach Übernahme durch Loacker sei das Landratsamt jedoch erstmals im Mai 2011 über das Staubproblem informiert worden.

Die Frage, warum die Behörde Loacker erst Ende 2011 die Verarbeitung von vorgeschreddertem Elektroschrott verboten hat, obwohl die Reihe von Beschwerden seit Monaten nicht abriss und die Firma keine gültige Genehmigung für die Verarbeitung dieser Leichtfraktionen im Freien besaß, konnte das Landratsamt nicht schlüssig beantworten. Es hieß nur, diese Form der Verarbeitung sei der Firma im November 2011 untersagt worden, sofort nachdem dem Landratsamt dies bekannt geworden sei. Laut einer internen Aufstellung des Landratsamtes erfolgte das Verbot jedoch am 6. Dezember 2011.

Die Haßberg-Grünen werden mit Landtagsabgeordneter Simone Tolle an der Demo teilnehmen. Für sie ist die vorläufige Schließung von Loacker laut Pressemitteilung „nur ein erster Schritt“. Nun, so fordern die Kreis-Grünen, müssten alle an den Schreddern tätigen Mitarbeiter von Loacker gründlich medizinisch untersucht werden. Im Rahmen des bisherigen Biomonitorings seien letztlich nur fünf Mitarbeiter untersucht worden, „die mit dem Schreddern so gut wie gar nicht in Kontakt gekommen sind“. Das Gewerbeaufsichtsamt in Würzburg hatte auf Nachfrage dieser Zeitung das Biomonitoring bestätigt und von gesundheitlich unbedenklichen Werten bei sieben Mitarbeitern gesprochen.

Harald Kuhn, Mitglied im Kreisvorstand der Grünen, wirft Landrat Handwerker vor, „seit einem dreiviertel Jahr eine Verschleierungstaktik“ anzuwenden, „statt seine Arbeit im Sinne der Gesundheit der Bürger zu erledigen“.

Für „mehr als zynisch“ hält es Norbert Zirnsak, Kreisvorsitzender des Linken Bündnisses, den Versuch von Loacker, „sich als Arbeitsplatzretter aufzuspielen und die BI für den möglichen Verlust von Arbeitsplätzen moralisch in Haftung zu nehmen“. Die 37 Arbeitsplätze bei Loacker seien nicht deswegen in Gefahr, weil die Menschen in der Region „gegen den Giftstaub des Unternehmens mobil machen“. Die Arbeitsplätze seien in Gefahr, weil Manager sowie Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden „schlampig gearbeitet haben“. Dem Gewerbeaufsichtsamt wirft er vor, dem Recyclingbetrieb „einen Freibrief für die Gefährdung der Arbeiter“ erteilt zu haben, da die Schwermetalle die Mitarbeiter genauso bedrohten wie die Bevölkerung im Umfeld.

Die SPD-Fraktion im Sander Gemeinderat sorgt sich, ob der Loacker-Giftstaub nicht die Brunnen des gemeinsamen Wasserzweckverbands Knetzgau-Sand-Wonfurt gefährden könnte, die nahe des Firmengeländes lägen. SPD-Gemeinderat Paul Hümmer spricht von „Leichtfertigkeit“ im Umgang mit Genehmigungen bei Loacker: „Scheinbar haben sich die Verantwortlichen nicht die Mühe gemacht, sich über die Problemstellungen bei Elektroschrott-Recyclinganlagen exakt zu erkundigen.“

 

Zur Demo in Haßfurt am Dienstag fahren kostenlose Busse. Abfahrt ist um 15 Uhr in Wonfurt (Kirchplatz) und in Untertheres (Kirchplatz) sowie um 15.05 Uhr in Obertheres (Bahnhof) und um 15.10 Uhr in Wülflingen (B 26-Parkplatz).

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