WONFURT

Bürgerversammlung: Probleme mit Loacker klar benannt

Die 180 aufgestellten Stühle reichten nicht, um allen Platz zu bieten, die gekommen waren. Es wurden nach und nach weitere Stuhlreihen angebaut. Am Ende dürften es etwa 220 Besucher gewesen sein. Die lange erwartete Bürgerversammlung, zu der das Landratsamt Haßberge eingeladen hatte, hatte die starke Resonanz gefunden, die zu erwarten war. Schließlich bedrücken die Sorgen wegen giftiger Stäube die Anwohner des Recyclingbetriebs Loacker in Wonfurt schon seit über einem Jahr.

Wer sich allerdings große Neuigkeiten zum Sachstand der Ereignisse rund um das im Kreuzfeuer der Kritik stehende Unternehmen Loacker erwartet hatte, war am Ende der Veranstaltung gegen 21 Uhr vielleicht enttäuscht. Aber schließlich sind die Standpunkte des Unternehmens, der Bürgerinitiative (BI) "Lebenswertes Wonfurt" und der Behörden und Ämter hinlänglich bekannt. Was sollte da noch groß an Neuem hinzukommen?

So zeigten eingangs die hochkarätig erschienenen Vertreter der mit dem Fall betrauten Behörden teils ausführlich nochmals den Ablauf der Geschehnisse bei Loacker so dar, wie sie sich ihrer Darstellung nach ereignet hatten. Erschienen waren Innenstaatssekretär Gerhard Eck, Vertreter des Landratsamtes Haßberge, des Landesamtes für Umwelt, des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, des Gewerbeaufsichtsamtes sowie des Instituts und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Erlangen. Für Landrat Rudolf Handwerker war es der erste öffentliche Auftritt in Wonfurt zum Thema "Loacker" überhaupt - bisher war der Chef der Kreisbehörde, die die unmittelbare Aufsicht über den Recyclingbetrieb hat, dem immer ausgewichen beziehungsweise war, wie bei der großen Anti-Loacker-Demo in Haßfurt im Frühjahr, terminlich verhindert.

Die Bürgerversammlung am Dienstagabend wäre beinahe kurzfristig abgesagt worden. Wie Landrat Handwerker eingangs erwähnte, hatte Wonfurts Bürgermeister Dieter Zehendner in der Nach zum Dienstag einen schweren Herzinfarkt erlitten und liegt im Koma. Dennoch sei in Rücksprache mit den Beteiligten entschieden worden, die Versammlung dennoch stattfinden zu lassen.

Wie Landrat Handwerker in seinem Statement - zum wiederholten Male - betonte, nehme das Landratsamt als Aufsichtsbehörde und er persönlich die Sorgen und die Gesundheit der Wonfurter Bürger sehr ernst. Während des Abends entschuldigte er sich auch für eine vor einigen Wochen gegenüber einem lokalen Radiosender sinngemäß getroffene Aussage, dass sich jemand, der krank sein möchte, auch krank fühle. Diese Aussage war sehr vielen Wonfurtern bitter aufgestoßen. Am Dienstagabend meinte Handwerker, dass dies eine "dumme Bemerkung" von ihm gewesen sei, für die er sich in aller Form entschuldigen möchte. Am Beifall der Anwesenden war abzulesen, dass die Entschuldigung angenommen wurde.

Überhaupt verlief der moderierte Abend in einem sachlichen Grundtenor. Das lag aber sicherlich auch an dem fundierten Fachwissen, dass die Vertreter der Fachbehörden und -ämter überwiegend präsentierten, als es um die Einordnung der bisher festgestellten Messwerte ging. Es wurde deutlich, dass es offenbar Lücken im gesetzlichen Bereich gibt, was die Festlegung eindeutiger Grenzwerte für derartige Recyclingbetriebe betrifft. Staatssekeretär Eck meinte, er werde diese Erkenntnis mit nach München nehmen. Es gelte zu prüfen, inwieweit hier gesetzlich nachjustiert werden müsse. Denn: Obwohl bis auf wenige Einzelergebnisse die Messwerte des rund um Loacker festgestellten Staubs, was Schwermetalle, Dioxine, PCB, PAKs und Furane anbelangt, deutlich unterhalb der geltenen Grenz- und Richtwerte liegen, bestehen Unsicherheiten und Unklarheiten, was deren Auslegung angeht. Von der gefühlten Bedrohung, die die Messwerte, die einen bunten Mix aus teils hochgradig giftigen Stoffen bescheinigen, bei den Anwohnern bewirken, ganz zu schweigen.

Was in den Antworten der Behördenvertreter allerdings deutlich wurde, ist der Umstand, dass es in der Kontrolle des Betriebs in der Vergangenheit teils große Lücken gab - teils aus Gutgläubigkeit der Behörden, teils aus Diskrepanzen zwischen Betriebsgenehmigungen und Zertifzierungsabläufen als Fachbetrieb. Fakt ist, dass Loacker in bestimmten Punkten Auflagen zur Betriebsgenehmigung nicht eingehalten hat. Dies hat bei den Anwohnern das Vertrauen in den Betrieb nachhaltig gestört. Erst an diesem Dienstag, so berichtete eine Anwohnerin, habe ein Lastwagen, der das Loacker-Gelände verlassen hat, eine kilometerlange Spur von Kupfer-Granulat hinter sich hergezogen. Hier wurde offen die Frage gestellt, wie effektiv die Überwachung durch die Behörden überhaupt sein kann. Landrat Handwerker erklärte hierzu, dass trotz aller Anstrengungen die Überwachung eines Betriebs nie lückenlos und rund um die Uhr stattfinden könne.

Der Rechtsbeistand der BI forderte vor diesem Hintergrund - zum Beifall der Anwesenden - dazu auf, dass die Aufsichtsbehörden künftig "doppelt so genau hinschauen" sollten, was bei Loacker geschieht - oder unterlassen wird. Die BI beharrt weiter darauf, und machte dies an dem Abend auch deutlich, dass ein unabhängiger Toxikologe ein Bodengutachten erstellt, das die Belastungen des Erdreichs rund um Loacker aufzeigen soll. Hier, das wurde seitens des Landesamtes für Umwelt am Abend signalisiert, könne es eine Zusammenarbeit erfolgen.

Vertreter von Loacker waren während der Bürgerversammlung in Wonfurt zwar als Zuhörer anwesend, darunter der Deutschland-Verantwortliche Gerhard Nettinger. Antworten auf die Fragen der Bürger, beispielsweise wie es offenbar noch immer zu Zwischenfällen im Betriebsablauf kommen kann, waren von ihnen jedoch nicht zu hören. Loacker schwieg an diesem Abend - ganz bewusst.

Einen ausführlichen Bericht zu der Bürgerversammlung lesen Sie in der Donnerstagsausgabe dieser Zeitung und bereits im Laufe des Mittwochs hier im Internet.
Geschlossen: das Werkstor von Loacker in Wonfurt.
Geschlossen: das Werkstor von Loacker in Wonfurt. Foto: Michael Mösslein

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