NEUSES

Bürgerversammlung: Urnengräber finden wenig Gefallen

Mit den neu angelegten Urnengräbern auf dem Friedhof von Neuses sind einige Bewohner des Ortes nicht so richtig glücklich mit der gewählten Form und dem verwendeten Material.
Mit den neu angelegten Urnengräbern auf dem Friedhof von Neuses sind einige Bewohner des Ortes nicht so richtig glücklich mit der gewählten Form und dem verwendeten Material. Foto: Beate Dahinten

Früher wurde hier Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet. Und auch am Montagabend war Konzentration und Aufmerksamkeit gefragt in der Alten Schule in Neuses. Im heutigen Domizil des Haßbergvereins begann die Reihe der Bürgerversammlungen in der Gemeinde Bundorf. Gut zwei Stunden lang präsentierte Bürgermeister Hubert Endres Infos, Zahlen, Zeitungsberichte, Rechenspiele und Vergleiche.

Eine echte Neuigkeit schimmerte erst fast am Schluss durch: „Kriegt die Gemeinde Bundorf eine Rettungswache?“, fragte ein Bürger. „Es ist noch nicht spruchreif“, antwortete Bürgermeister Hubert Endres. „Wenn, dann würde die Wache in Schweinshaupten errichtet werden“, sagte er und fügte hinzu: „Wir sind noch dabei, ob wir das Rennen machen, ist noch offen.“ Wie er am Mittwoch auf Nachfrage gegenüber dieser Redaktion erläuterte, sucht das Rote Kreuz nach einem Standort für eine zusätzliche Rettungswache zwischen Bad Königshofen und Hofheim, um die Einhaltung der Hilfsfrist von zwölf Minuten besser zu gewährleisten.

Zum viel diskutierten Thema Gelbe Tonne, zu dem es auch in der Versammlung unterschiedliche Meinungen gab, bezog Endres erneut eindeutig Stellung: „Wenn die Gelbe Tonne kommt, wird sich am Wertstoffhof was ändern.“ Die Öffnungszeiten würden eingeschränkt werden, oder es sei gar zu befürchten, dass ein kleiner Wertstoffhof. wie der in Bundorf. ganz geschlossen werden würde. Daher kämpfe er dafür, dass die Gelbe Tonne nur eingeführt werde, wenn der Wertstoffhof mit den jetzigen Öffnungszeiten erhalten bleibe.

Endres: Früher wurde geschlafen

Den Fokus seines ausführlichen Vortrags legte Endres darauf, Kritik entgegenzutreten, die er seinen Worten zufolge immer wieder zu hören bekommt – wie beispielsweise dem Vorwurf, die Gemeinde mache zu viele Schulden und die Bürger würden durch Beiträge zu sehr belastet. Obwohl das große Pensum, das Endres abarbeitete, wenig Raum für Diskussionen ließ, ging's ab und an schon mal hoch her in der Versammlung. Etwa wenn das Gemeindeoberhaupt die großen Investitionen beispielsweise in die Ertüchtigung der Trinkwasserversorgung oder die Abwasseranlagen damit begründete, dass da in früheren Jahrzehnten einiges „verschlafen“ worden sei. Einwände, wie den des ehemaligen Gemeinderats Wolfgang Schmitt, die Sachen von früher ruhen zu lassen, wies Endres zurück. „Nein, wir werden angegriffen“, verteidigte er seine Vorgehensweise. „Wir“, das sind er und der derzeitige Gemeinderat.

Weiter führte Endres aus, seit 2008 – dem Jahr seiner Amtsübernahme – werde viel mehr getan, um die Gemeinde voranzubringen, und dabei würden wesentlich mehr Fördermittel geholt als zuvor. Abgesehen davon sind selbst Verbindlichkeiten für Bürgermeister Endres zunächst kein Schreckgespenst, sondern eher ein Zeichen für Aktivität: „Wenn man was macht, hat man erst mal Schulden.“

Diesen stellte er die zu erwartenden Einnahmen etwa aus Beiträgen gegenüber. Im Fall von Kimmelsbach rechnet Endres mit einem Ausgleich für Einnahmeausfall durch Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzung in Höhe von 330 000 Euro.

Aber auch mit Blick auf staatliche Mittel, wie die Bedarfszuweisung, betont Endres: „Die hätten wir nicht bekommen, wenn wir nichts gemacht hätten.“ Das heißt für ihn umgekehrt: „Man ist dumm, wenn man nicht investiert.“ Im Gegensatz zu einem Privathaushalt, bei dem das Sparen im Vordergrund stehe, bekämen die Gemeinden nur Unterstützung, „wenn sie was machen“.

Gerade in Sachen Trinkwasser stehen immer noch große Investitionen an, unter anderem die Sanierung des Hochbehälters Stöckach, die aus Kostengründen und wegen der Auslastung der Firmen auf die Jahre 2020/21 verschoben wurde.

Ein „heikles Thema“, so Endres, sprach er mit den Abwasseranlagen an. Aus Kostengründen will die Gemeinde in 40 bis 50 Jahren nur noch eine Kläranlage betreiben. Die Anlage in Schweinshaupten soll entsprechend ausgebaut und die Anlagen bei Bundorf und Walchenfeld nur noch so lange betrieben werden, wie es wirtschaftlich vertretbar ist.

Zudem werde es wieder – wie bis 1998 – eine einheitliche Abwassersatzung geben, kündigte Endres an. Dies habe der Gemeinderat bereits beschlossen, fügte er auf Nachfrage von Wolfgang Schmitt hinzu. Das bedeutet unter anderem, dass alle Investitionen in die Abwasseranlagen von den Bürgern aller Gemeindeteile gemeinsam getragen werden. „Es wird ein Cut gemacht“, so der Bürgermeister.

Die neuen Urnengräber auf dem Neuseser Friedhof, angelegt von der Gemeinde, waren das am meisten diskutierte örtliche Thema in der Bürgerversammlung.

Gräber nach eigenem Geschmack

Während den einen das Material der Einfassung nicht gefällt, finden die anderen die Anordnung nicht ansprechend. Bürgermeister Hubert Endres konnte die Kritik nicht so ganz nachvollziehen. Er zeigte sich aber offen dafür, dass die Bürger Urnengräber nach ihren Vorstellungen in Eigenleistung anlegen. Die Gemeinde werde das Material stellen. Jetzt soll aus den Reihen der Bürger ein Arbeitskreis gebildet werden, der ein Konzept erarbeitet und dem Gemeinderat vorlegt.

Gemeinderatsmitglied Peter Raab wunderte sich, dass sich die Neuseser Bürger nicht schon vorher zusammengesetzt hatten, um sich Gedanken über die Gestaltung der Urnengräber zu machen. Es habe vorher niemand gewusst, dass im örtlichen Friedhof etwas gemacht werden soll, bekam er zur Antwort. Den Worten von Wolfgang Neuhöfer zufolge hatte es ein Kommunikationsproblem gegeben.

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