HAßFURT

Das Kind in sich wieder entdecken

Wird es im Weihnachtsmärchen Wanja (Martin Habermeyer, rechts) gelingen, mit Hilfe der schönen Wassilissa (Nadine Panjas) den grünen Och (Felix Pielmeier) zu überwältigen? Foto: Ulrike Langer

In die geheimnisvolle, fremde Welt des russischen Märchens „Die Abenteuer des starken Wanja“ von Otfried Preußler entführt die Theaterwerkstatt Haßfurt in diesem Jahr in der Vorweihnachtszeit ihr Publikum. Die äußerst gelungene Premiere im Gewölbekeller der Stadthalle faszinierte nicht nur die Kinder, sondern auch die zahlreich erschienenen Erwachsenen. Denn die Schauspieler Nadine Panjas, Benjamin Bochmann, Martin Habermeyer und Felix Pielmeier unter der Regie von Nina Lorenz vermochten es, die Charaktere zum Leben zu erwecken und ihnen eine Prise Humor zu verleihen.

„Ich erzähle Kindern, auch erwachsenen Kindern, meine Geschichten, weil es mir Freude macht, nicht nur meine eigene Phantasie dabei mit ins Spiel zu bringen; sondern weil es mir darauf ankommt, mit Hilfe solcher Geschichten auch die Phantasie meiner Leser und Zuhörer zu aktivieren, sie zum Gebrauch ihrer Phantasie zu ermuntern, sie darin einzuüben“, hat der Autor Otfried Preußler einmal gesagt.

So bietet das Märchen vom starken Wanja die Gelegenheit, aus der Realität auszusteigen und sich mit ihm auf eine traumhafte Reise in einen ganz anderen Kulturkreis zu begeben. Die Zuschauer ließen sich von den Abenteuern des Bauernsohns fesseln, von den fantasievollen Gestalten, denen er begegnet, verzaubern und von seinem Aufstieg zum Zaren begeistern.

Wanja, der die Faulheit und das Tagträumen liebt und deswegen von seinen Brüdern verspottet wird, erhält eines Tages von einem blinden Alten die Prophezeiung, dass er einst Zar werden würde.

Doch dafür muss er sieben Jahre auf dem Ofen faulenzen, Sonnenblumenkerne essen und schweigen. Danach ist er gestärkt für den gefährlichen Weg, der vor ihm liegt. Bei seinen Auseinandersetzungen mit dem grünen Och, der Baba Jaga und dem steinernen Ritter Foma Drachensohn steht ihm die schöne Wassilissa emotional und tatkräftig zur Seite.

Wie die Geschichte endet, sei hier noch nicht verraten. Doch allen, die sich die Aufführung noch ansehen möchten, sei gesagt: die Geschichte ist für Jung und Alt nur zu empfehlen. Denn das Geheimnis der Schauspieler liegt darin, dass sie das Kind in sich selbst wiederentdecken können und mit großer Spielfreude und Witz auf der Bühne agieren. Vor allem übernehmen sie bis auf Martin Habermeyer, der als Wanja auftritt, gleich mehrere, ganz unterschiedliche Rollen und geben diesen ihre eigene Geschichte. Das ist große Schauspielkunst: von einer Minute auf die andere einen anderen Charakter zu verkörpern.

So verfolgten die kleinen und großen Besucher mit großer Spannung, wie der faule Wanja zum starken Helden wird, Menschlichkeit und Charakterstärke beweist und Treue und Freundschaft hochhält. Zumal Martin Habermeyer die Verwandlung ganz charmant darbot. Großen Spaß machte es auch, dem unbeholfenen grünen Och, dem starken Rappen Waron oder dem witzigen Erdmännchen (Felix Pielmeier), der auf dem Ofen reitenden Hexe Baba Jaga und dem anmaßenden Ritter Foma Drachensohn (Benjamin Bochmann) zuzusehen. Nadine Panjas eroberte als Tante Wanjas und vor allem als Wassilissa nicht nur das Herz des starken Wanja, sondern auch die Herzen der Zuschauer.

Das wechselnde Bühnenbild von David Grimm und Olga Seehafer, die mystische Beleuchtung und die schönen Kostüme von Chrysenda Sailmann gefielen, während die Musik von Jakob Fischer die Aufführung reizvoll untermalte. Der Schlussapplaus fiel entsprechend stark aus und galt allen Mitwirkenden auf und hinter der Bühne.

Weitere Vorstellungen finden an den Sonntagen, 3., 10. und 17. Dezember, jeweils um 15 Uhr statt. Schulvorstellungen bis 23. Dezember, montags bis freitags, um 9 Uhr und 11 Uhr können unter Tel. (09 51) 2 08 72 83 (mit Anrufbeantworter) gebucht werden. Karten für die öffentlichen Vorstellungen gibt es unter Tel. (0 95 21) 17 14.

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