HAßFURT

Das Streiflicht: Warum kommt der Todesfahrer nicht ins Gefängnis?

Prozessauftakt um Unfall Eisenheim
Vier junge Männer standen wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung vor dem Amtsgericht in Würzburg. Sie wurden schuldig gesprochen, für den Tod einer 20-jährigen Fußgängerin in Untereisenheim verantwortlich zu sein. Eine Geldstrafe von 5000 Euro und ein weiteres Jahr Fahrverbot – so lautete am Mittwochmittag das milde Urteil gegen den Hauptangeklagten Niclas H. – wegen fahrlässigen Vollrauschs. Foto: Daniel Peter

Elfmeter ist, wenn der Schiri pfeift. Ein alter Fußballergrundsatz. Dennoch lässt sich über die Entscheidungen des Unparteiischen auch in Zeiten von Videobeweis und schätzungsweise 436 rund ums Spielfeld verteilten Kameras mit Superslomo und anderen Pförz nach wie vor trefflich diskutieren und gar streiten. Was aber nichts daran ändert, dass der Schiedsrichter die Entscheidungen trifft, überparteilich und unzensiert, eben neutral.

Auch ein Richter urteilt nach den Spielregeln, hier Gesetz genannt. Auch hier gibt es Beweise, Gutachten, Sachverhalte – und auch der Richter urteilt unabhängig und ist die oberste Instanz. Seine Entscheidung gilt. Und ähnlich wie beim Schiedsrichter ist in den meisten Fällen auch das Urteil für den Bürger nachvollziehbar. Aber genauso kann ein gefälltes Urteil diskutiert werden. Was zuletzt bestimmt nicht zu knapp in Würzburg und auch im Landkreis Haßberge geschehen ist.

Wenn wie in Würzburg ein volltrunkener Todesfahrer und seine Mitangeklagten, die das erst zwanzig Jahre währende Leben einer jungen Frau ausgelöscht haben, die das Opfer liegen und sterben ließen, aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens wegen angeblicher Nichtschuldfähigkeit mit einer lächerlichen Geldstrafe davonkommen, und gleichzeitig sich der Richter bei den Hinterbliebenen quasi entschuldigt, weil er aufgrund der Gesetze so urteilen musste, wie er es getan hat, dann stimmt da einiges nicht in der Gesetzgebung.

Denn welch ein Signal sendet ein Urteil wie das in Würzburg aus, wenn das Volk ein solches Vorgehen der Justiz überhaupt nur begreifen könnte, wenn es – nach Aussagen des Richters – selbst einige Semester Jura studiert hat?

Wenn gleichzeitig in Haßfurt ein Schwarzfahrer, weil er dreimal ohne gültiges Ticket mit der Bahn gefahren ist, durchaus gerechtfertigt für mehrere Wochen ohne Bewährung in den Knast gesteckt wird, versteht der Bürger die Relation angesichts der Unterschiede in der Wertigkeit der „Vergehen“ nicht mehr.

Eine alte Weisheit sagt dazu: Recht und Gerechtigkeit sind oft zwei Paar Schuhe. Der Richter hatte das fein erkannt, als er sagte, das sei kein Urteil im „Namen des Volkes“ sondern im „Namen des Gesetzes“. Ist das aber nicht eigentlich ein Widerspruch in sich?

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