HAßFURT

Dem Knast knapp entkommen

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Obwohl von den Anklagepunkten des Staatsanwalts lediglich das Autofahren ohne Fahrerlaubnis übrig blieb, kam eine alleinerziehende Mutter (28) von zwei Kleinkindern nur mit knapper Not am Knast vorbei. Zwar handelte es sich, wie Strafrichterin Ilona Conver als Vorsitzende des Schöffengerichts in ihrer Urteilsbegründung sagte, um keine schwerkriminelle Straftat.

Aber weil die Angeklagte bereits zwei einschlägige Vorstrafen hat und zum Zeitpunkt der Tat unter Bewährung stand, musste sie heilfroh sein, dass ihr das Gericht bei der fünfmonatigen Freiheitsstrafe eine erneute letzte Chance zubilligte. Zusätzlich wurde eine zehnmonatige Führerscheinsperre verhängt und sie muss ein Bußgeld von 500 Euro zahlen.

Die Frau wäre um die schwedischen Gardinen sicherlich nicht herumgekommen, wäre der Vorwurf des Drogenhandels nachweisbar gewesen. Laut Anklageschrift soll sie im Laufe des Septembers und Oktobers 2014 bei vier Gelegenheiten insgesamt 600 Gramm Haschisch gekauft haben, um den Stoff gewinnbringend weiter zu verhökern. Diese Vorwürfe stützten sich im Wesentlichen auf die Aussage ihres Ex-Freundes, der wegen diverser Drogendelikte derzeit im Gefängnis sitzt.

Dass die gelernte Kinderpflegerin mit diesem Mann in Drogengeschäfte verwickelt war, stand außer Zweifel: Am 26. Oktober 2014 erwischte die Grenzpolizei das damalige Pärchen beim Grenzübergang von Tschechien in die Bundesrepublik. Die beiden hatten im Nachbarland erhebliche Mengen der synthetisch hergestellten Droge Chrystal erworben und wollten das Zeug einschmuggeln. Dafür wurde die Frau Mitte 2015 vom Amtsgericht in Weiden zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt – auf Bewährung.

Ihr damals bereits vorbelasteter Freund kam nicht so glimpflich davon und sitzt heute noch hinter Gittern. Weil er krankheitsbedingt nicht transportfähig war, konnte er nicht als Zeuge geladen werden. Doch nach der Vernehmung anderweitiger Zeugen aus dem Milieu erschien die Hauptbelastungsperson als eher zwielichtige Gestalt, dessen Angaben bei der Polizei zumindest fragwürdiger Natur waren. Von daher konnten die Juristen nicht ausschließen, dass es sich bei den Anschuldigungen um reine Racheakte gehandelt hatte. Ihr Ehemaliger, erklärte dazu die Angeklagte, habe mit der Denunziation nur seinen eigenen Kopf aus der Schlinge ziehen wollen.

Übrig blieb, dass die junge Mutter am 29. September ihren seinerzeit vierjährigen Sohn in ihren VW Polo setzte und ihn zum Kindergarten in das Nachbardorf fuhr – obwohl sie seit längerem keinen Führerschein hatte und bereits zweimal genau wegen desselben Deliktes verurteilt worden war. Für den Vertreter der Anklage brachte dies das Fass zum Überlaufen und er forderte in seinem Plädoyer eine dreimonatige Freiheitsstrafe ohne abermalige Bewährungschance.

Pflichtverteidiger Alexander Wessel hingegen betonte, dass die Autofahrt zum einen nur sehr kurz war und zum andern ja ausschließlich den Zweck gehabt hatte, das Kind in die Betreuungseinrichtung zu bringen. Zudem habe seine Mandantin unter ihre Drogenkarriere einen Schlussstrich gezogen und sei seit über einem Jahr drogenfrei, was sie mittels regelmäßiger Haartests nachweise. Er war überzeugt, dass die Frau nun auf dem rechten Weg ist.

Nach eingehender Beratung gewährte das Schöffengericht die nun definitiv letzte Chance. Die Bewährungszeit für das nicht rechtskräftige Urteil beträgt drei Jahre. Zudem muss sich die Verurteilte in zweiwöchigem Abstand bei einem Bewährungshelfer melden, in zehn monatlichen Raten eine 500-Euro-Geldbuße an die Caritas abstottern sowie 80 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten.

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