HASSFURT/ZEIL

„Der Landkreis ist ein Erfolgsprojekt“

Erinnerung an vergangene Zeiten: der letzte Kreistag des Landkreises Hofheim mit Landrat Krahmer (erste Reihe, links). Foto: Landratsamt

– „Das waren ganz schön aufregende Zeiten“, erinnert sich SPD-Kreisrat Ludwig Leisentritt und meint damit die Kreisgebietsreform, aus der vor 40 Jahren der neue Landkreis Haßberge entstanden ist.

Der 74-jährige Politiker und Heimatforscher berichtet in einem historischen Rückblick: Nicht zum ersten Mal habe 1971/72 die Landkreisreform die Gemüter erregt. Eine Auflösung des früheren Bezirks Hofheim, der bereits seit 1862 zum Amtsbezirk Königshofen gehörte, habe bereits 1928/29 zur Diskussion gestanden, wie es historische Unterlagen belegten. Eine von Bürgermeister Uhl einberufene Protestversammlung gegen die Aufhebung des Bezirksamtes habe großen Widerhall gehabt. Wie weiter berichtet wird, sahen die Bewohner des Haßgaues in der vorgesehenen Auflösung des Bezirksamtes den Beginn einer Katastrophe. Offensichtlich konnten sich die Hofheimer bei der Regierung durchsetzen, denn das „beabsichtigte Unheil“ wurde von der Haßgau-Bevölkerung abgewendet.

Extrastellung für Grenzlandkreise?

1957 habe es ein weiteres Mal konkrete Anzeichen für eine Landkreisreform gegeben. Irgendwie sei durchgesickert, die Regierung plane eine probeweise Auflösung des Landkreises Hofheim. Der damalige Landtagsabgeordnete Artur Heinrich aus Rügheim sei dann bei den Ministerien in München Sturm gelaufen. Auch Hofheims Landrat Dr. Krahmer sei der Ansicht gewesen, den Grenzlandkreisen müsse sowohl in der Art als auch in der Zeit eine Sonderstellung zukommen.

Bereits mehr als zehn Jahre vor der Gemeindegebietsreform 1972 sei Mitte 1959 eine vertrauliche Anordnung des Innenministeriums bekannt geworden, wonach eine Zusammenlegung von Gemeinden bis zu 300 Einwohnern zu überprüfen sei. Weitere Anzeichen für eine Landkreisreform gab es im gleichen Jahr anlässlich der Auflösung des Amtsgerichtes Eltmann. Als die Wallburgstädter und die umliegenden Gemeinden in München deswegen vorstellig wurden, sei Justizminister Haas angesichts der hohen Personalkosten hart geblieben. Er habe sich damals bereits eine Zusammenlegung von Landratsämtern im Zuge einer territorialen Neugliederung vorstellen können.

Nach dem letzten Krieg kam als Erstes die Flurbereinigung. Die politische Veränderung kam letztendlich mit der Landkreis- und Gebietsreform von 1971 bis 1978.

Im Zusammenhang mit der geplanten Verwaltungsvereinfachung stand – genauso wie im Landkreis Hofheim – auch im Bereich Ebern der Sitz der Kreisbehörde relativ früh zur Diskussion. „Das Landratsamt Ebern muss bleiben“, so titelte schon 1955 eine Heimatzeitung. Der damalige Landrat Dr. Hans Reuther wollte im Bezirk Ebern zwei Jahre vor der ersten Gemeindereform 1972 das Geschehen beeinflussen, „bevor staatlicherseits vollendete Tatsachen geschaffen werden“.

Landkreis Ebern wehrt sich

Untermauert wird dies mit einem weiteren Zeitungsausschnitt – diesmal mit der Überschrift „Der Landkreis Ebern arbeitet vor“. Die Landkreisverwaltung hatte einen Plan ausgearbeitet, um „kompaktere Gemeinden“ zu erhalten. Demnach sollten aus den insgesamt 68 Gemeinden nur noch 23 werden. Das waren aber weitaus mehr als schließlich 1972 herauskamen. Landrat Reuther habe versucht, seinen Kreisbürgern eine freiwillige Gebietsreform dadurch schmackhaft zu machen, indem er versprach, „von alters her bestehende Bindungen der Gemeinden untereinander sowie wirtschaftliche und geografische Gesichtspunkte“ zu berücksichtigen. Sein Ziel sei es gewesen, bis zum Erlass konkreter Richtlinien durch den Staat eine intensive Werbung für den Zusammenschluss der Gemeinden auf freiwilliger Basis zu betreiben. Dies sei aber wegen mangelnder Unterstützung kläglich gescheitert.

Moderner Amtsbotenweg

Von der Tendenz her wollten sich große Teile des nördlichen Kreises Ebern dem Landkreis Bamberg beziehungsweise dem Landkreis Coburg zuwenden. Die Befürworter erinnerten daran, dass der schwarze Löwe im Eberner Kreiswappen schon lange vor der Gebietsreform die Zugehörigkeit Eberns zu Bamberg symbolisiere. Als Manko führte man zu Recht das Fehlen einer leistungsfähigen Verbindungsstraße zwischen dem Hauptteil des Eberner Kreises und der künftigen Kreisstadt Haßfurt an. Drei Jahre nach der Reform aber sei die neue Staatsstraße fertig gewesen. Sie könne gewissermaßen als moderner Amtsbotenweg zwischen Ebern und Haßfurt dienen.

Mit Befremden registrierte man im Haßfurter Landratsamt, dass Oberfranken danach trachtete, auch den Raum Eltmann-Ebelsbach und die sogenannten „Heiligen Länder“ nach Oberfranken einzuverleiben. Man sprach von Annektions- und Expansionsgelüsten. Die Oberfranken wünschten ihr Gebiet in Richtung Westen bis auf die Höhe von Steinbach auszuweiten.

„Landrat Walter Keller schickte damals die eifrigen Landtagsabgeordneten Albert Meyer und Heiner Schneier aus, die mit wahrhaft missionarischem Eifer für den Verbleib in einem künftigen Haßbergkreis geworben haben“, berichtet der 74-Jährige. Und so hat sich später das Blatt gewendet. Das Eberner Landratsamt verkündete im September 1971: 64 Prozent der Bevölkerung sei für den Haßgau-Landkreis. Der Wunsch nach einer Volksbefragung war nicht verwirklicht worden. Und Landrat Hans Reuther war mittlerweile der Auffassung, es wäre der „Tod des kommunalen Lebens“, würde Ebern zum Ballungsgebiet Bamberg kommen.

Politische Zangengeburt

Es hätte also auch anders kommen können, wenn nicht der damalige Haßfurter Landrat Walter Keller sowie der Staatssekretär und Landtagsabgeordnete Albert Meyer im Verbund mit Heiner Schneier sowie anderen gegen anderslautende Pläne der Merk'schen Reform erfolgreich Sturm gelaufen wären. Der heutige Landkreis Haßberge sei sozusagen eine politische Zangengeburt. Der ostunterfränkische Kreis sollte ursprünglich nicht nach Norden und Osten, sondern mehr nach Süden erweitert werden.

Rückblickend stehe heute fest: Die Gebietsreform von 1972 habe mehr genutzt als geschadet. „Der Landkreis Haßberge ist ein Erfolgsprojekt“, so das Fazit des historischen Berichtes.

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