LANDKREIS HASSBERGE

Der Schein trügt

Bei starken Unwettern gibt es viel Arbeit für die Feuerwehr: Vollgelaufene Keller leer pumpen, umgestürzte Bäume beseitigen und vieles mehr haben die Helfer zu tun. Im Landkreis Haßberge hatten die ehrenamtlichen Helfer in den vergangenen Wochen glücklicherweise wenig zu tun, Unwetter mit Sturm oder heftigen Regenfällen machten einen Bogen um Haßberge, Maintal und Steigerwald. Foto: SymbolDPA

„Wann wird's mal wieder richtig Sommer?“, fragte Rudi Carrell 1975 in seinem gleichnamigen Lied. Auch dieser Tage fragen sich viele Menschen im Haßbergkreis, wann es endlich wieder warm wird und weniger regnet. Fast jeden Tag kommt ein Schauer vom Himmel. Und die derzeitigen Temperaturen fühlen sich eher so an, als ob bereits die Herbstferien begonnen haben – und nicht die großen Sommerferien.

Die Statistiken sprechen hingegen eine andere Sprache. Der Juni war in Mainfranken sogar überdurchschnittlich warm und trocken. In Würzburg beispielsweise war der Monat nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes insgesamt etwa ein Grad zu warm und es gab nur ein Viertel der Niederschlagsmenge aus dem Vorjahr. Die Sonne schien insgesamt 275 Stunden, im Vergleich zu einem Durchschnittswert von gerade mal 200 Stunden.

Auch im Juli lagen die Temperaturen um zwei Grad über dem Durchschnittswert. Mit 225 Sonnenstunden war der Monat relativ normal, lediglich die Niederschlagsmenge lag mit 78 Litern über dem Durchschnitt. „Das meiste davon kam aber an drei Tagen runter“, sagt Gerhard Hofmann, Leiter der Klimaabteilung für Bayern beim Deutschen Wetterdienst.

Auch der August bietet bisher keine erschreckenden Abweichungen von der Norm. „Auch der August ist bis jetzt etwas zu warm, aber nur ein paar Zehntel Grad“, sagt er. „Das dürfte sich aber in den nächsten Tagen ändern“, meint er. Auch die Niederschlagsmenge sei bisher nicht auffällig. „Wir hatten bis jetzt zwei Drittel des durchschnittlichen Niederschlags für August. Das ist absolut normal, der Monat ist ja jetzt auch zu zwei Dritteln vorbei.“ Nur die Zahl der Sonnenstunden liege im August bisher tatsächlich etwas unter dem üblichen Wert. „Die Leute jammern. Aber eigentlich sind das jetzt die ersten kalten Tage in diesem Jahr“, meint Gerhard Hofmann.

So stellt sich die Frage, warum so vielen Menschen diesen Sommer als besonders kalt und verregnet empfinden, obwohl die Statistiken keine Extremwerte aufweisen. Hofmann hat hierfür eine Erklärung: Das Problem liege nicht in der Menge der Niederschläge, meint er, sondern in deren zeitlicher Verteilung. So seien Gewitter und Regenfälle im Sommer durchaus normal. Doch sonst komme oft viel Regen auf einmal vom Himmel, dazwischen gebe es immer wieder mehrere Sonnentage am Stück zu genießen. „Dieses Jahr sind Tage ohne Niederschlag selten, daher entsteht ein falsches Bild“, sagt er. „Auch im Juni gab es nur eine einzige Woche ohne Regen. Daher kommt das subjektive Empfinden, dass das Wetter nicht gut ist, weil es fast jeden Tag regnet.“

In den vergangenen Wochen sorgte das Wetter immer wieder für Schlagzeilen; der Deutschte Wetterdienst gab teilweise im Stundentakt neue Warnungen heraus – zumeist wegen heftiger Regenfälle oder Sturm. Auch Franken war betroffen, zumeist jedoch erwischte es die Region um Nürnberg, wo nicht nur einmal in diesem Sommer Unterführungen überschwemmt waren oder Keller vollgelaufen sind. Am Landkreis Haßberge zogen die Unwetter jedoch glücklicherweise vorbei, in Haßgau, Maintal und Steigerwald gab es nur sehr wenige nennenswerte Einsätze für die Feuerwehren, THW und Rettungsdienst.

Das bestätigt die Integrierte Leitstelle Schweinfurt (ILS), die die Einsätze im Heimatlandkreis koordiniert. Das laufende Jahr habe – entgegen dem Empfinden vieler Menschen – bisher keine Extremwerte zu bieten. „Im Landkreis Haßberge gab es in den Monaten Juli und August nur fünf Unwettereinsätze“, sagt Klaus Wörner, stellvertretender Leiter der ILS.

Damit fand die überwiegende Mehrheit der insgesamt 249 Einsätze der Leitstelle, die unter das Stichwort „Unwetter“ fallen, im Landkreis Schweinfurt statt. Die meisten davon in Sennfeld, Gochsheim und in Schweinfurt. „In der Stadt Schweinfurt hatten wir allein am 4. August 93 Unwettereinsätze“, berichtet Wörner. Doch auch diese Zahlen seien nicht überdurchschnittlich. „Wir sind fast auf dem gleichen Stand wie letztes Jahr“, sagt der ILS-Leiter.

Ähnlich sieht es bei der Polizeiinspektion Haßfurt aus. Bei ihren Recherchen auf Anfrage des HT zur vergangenen Woche fiel den Beamten kein gravierender Einsatz auf, der in direktem Zusammenhang mit dem Wetter steht.

Vorerst rechnen die Meteorologen nicht mit einer Besserung der Lage. Die Polarluft über Deutschland bekommt bis Mitte nächster Woche ständig Nachschub, war vom Deutschen Wetterdienst zu vernehmen. Zumindest die Temperaturen sollen dann wieder etwas steigen, mit Regen rechnen die Experten aber auch in den nächsten Tagen.

Gewitter im Heimatkreis: Durch einen Blitz wird der Nachthimmel über Prappach hell erleuchtet. Foto: ArchivHT

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