KREIS HAßBERGE

Der Strom muss aus dem Norden kommen

Dr. Karin Schrott und Katharina Hübl vom Bürgerdialog Stromnetz (von links) informierten in dieser Woche in Haßfurt, Maroldsweisach und Hofheim die Bürger des Landkreises über den Stromnetzausbau. Unser Bild entstand in Haßfurt.
Dr. Karin Schrott und Katharina Hübl vom Bürgerdialog Stromnetz (von links) informierten in dieser Woche in Haßfurt, Maroldsweisach und Hofheim die Bürger des Landkreises über den Stromnetzausbau. Unser Bild entstand in Haßfurt. Foto: Markus Erhard

Für Katharina Hübl und Mikiya Heise vom Bürgerdialog Stromnetz ist die Sache klar: Der Landkreis Haßberge wird seinen Energiebedarf auch in Zukunft nicht selbst decken können. Und wenn Ende 2022 mit Isar 2 das letzte bayerische Atomkraftwerk seinen Dienst einstellt, wird der gesamte Freistaat nicht ohne die großen Stromtrassen auskommen, die den weiter steigenenden Energiebedarf mit Strom aus Norddeutschland decken.

„Ohne die Trassen wird es hier eine Versorgungslücke von 35 Prozent geben“, sagt Katharina Hübl. Sie ist beim Bürgerdialog Stromnetz als Regionalmanagerin für Franken zuständig. Der Bürgerdialog Stromnetz bezeichnet sich selbst als eine Initiative für den offenen und transparenten Austausch zwischen allen Beteiligten rund um den Ausbau des Stromnetzes in Deutschland. Mit ihrem mobilen Bürgerbüro war die Initiative diese Woche in Haßfurt, Maroldsweisach und Hofheim unterwegs, um die Menschen über den Ausbau des Stromnetzes zu informieren und Fragen zu beantworten.

„Wir fragen die Leute, ob sie schon vom Netzausbau gehört haben und stellen fest, dass das Wissen darüber relativ gering ist“, sagt Hübl. Das lasse sich womöglich darauf zurückführen, dass sich nur von einer möglichen Trassenführung betroffene Bürger für das Thema interessieren. „Die Betroffenheit hat einen Korridor von zwei Kilometern“, ergänzt ihr Kollege Mikiya Heise. Doch weil sich Trassenverläufe auf dem langen Weg vom Netzentwicklungsplan bis zur Planfeststellung schnell und mehrfach ändern können, sei es nötig, die gesamte Bevölkerung zu informieren.

Nach wie vor unklar ist beispielsweise auch die Zukunft der Gleichstromtrasse P 44/P44 mod, die Energie aus dem thüringischen Altenfeld nach Bayern liefern soll. Ein möglicher Endpunkt ist Grafenrheinfeld, wodurch die Streckenführung auch den Haßbergkreis kreuzen könnte. Derzeit sei jedoch noch nicht einmal klar, ob diese Gleichstromtrasse netztechnisch nötig ist. Das entscheide sich womöglich im nächsten Jahr, sagt Katharina Hübl.

Unstrittig sei dagegen die Notwendigkeit des Stromtransfers im großen Stil aus Norddeutschland. Dort erzeugen vor allem die großen Offshore-Windparks in der Nordsee mehr Strom als dort gebraucht wird, und sollen diesen in den Süden liefern, wo der Bedarf größer ist als die Möglichkeiten der Erzeugung. Das zeigt der Energieatlas Bayern, laut dem der Haßbergkreis bei maximaler Ausnutzung nur 68 Prozent seines Strombedarfs mit Erneuerbaren Energien selbst decken könnte. Aktuell kommt der Landkreis demnach auf eine Ausnutzung von 39 Prozent. Die Windenergie stellt einen Anteil von acht Prozent, erklärt Katharina Hübl. Weil im Landkreis 17 von 21 laut Energieatlas rentablen Windparks bereits gebaut sind, sei hier noch eine Steigerung auf zehn Prozent möglich. Deutlich größeren Nachholbedarf gebe es bei Fotovoltaikanlagen auf Hausdächern. Die liefern derzeit nur sieben Prozent des benötigten Stroms, 27 Prozent wären möglich. Dazu müssten aber auch alle Privathaushalte sämtliche für die Energiegewinnung nutzbaren Dachflächen mit Solarzellen bestücken.

Alternativen zum Netzausbau gibt es zwar. Doch sind laut dem Bürgerdialog Netzwerk weder Stromspeicher noch neue Technologien wie Power-to-Gas- oder Power-to-Heat-Anlagen aktuell in der Lage, den Strombedarf im Süden zu decken.

Um die Bevölkerung über dieses Thema umfassend zu informieren, lädt der Bürgerdialog Stromnetz am Montag, 2. Juli, ab 18.15 Uhr zu einem Vortragsabend im Haus des Gastes in Hofheim ein mit dem Thema „Netzausbau für die Engergiewende? Regionale Debatten, überregionale Zusammenhänge“. Neben Martin Lips von der Bundesnetzagentur wird dort auch der ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell ein Referat halten.

Bürgerdialog Stromnetz

Der Bürgerdialog Stromnetz ist eine im Jahr 2015 gegründete Initiative für den Austausch zwischen allen Beteiligten rund um den Ausbau des Stromnetzes in Deutschland. Sie wird gefördert von Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Mit Informations- und Dialogangeboten nimmt der Bürgerdialog Stromnetz Diskussionen zum Stromnetzausbau auf und setzt sich für einen konstruktiven Dialog zwischen allen Beteiligten, Betroffenen und Kritikern ein. Dazu stellt der Bürgerdialog Stromnetz grundlegende Informationen bereit und beantwortet Fragen zum Netzausbau.

Darüber hinaus zeigt er Bürgern, welche Beteiligungsmöglichkeiten es für sie in den unterschiedlichen Planungs- und Genehmigungsverfahren gibt.

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