SULZBACH

Der Sulzbacher Mehlmacher

Bis zu 500 Tonnen Getreide verarbeitet Armin Wunderlich pro Jahr. Die elterliche Mühle hat er nach seiner Lehre modernisiert.
Eine runde Sache: In mehreren Stufen wird Getreide zu Mehl, Kleie, Schrot, Grieß oder Dunst verarbeitet. Foto: Carolin Münzel

Träge plätschert die Baunach, ein knapp 54 Kilometer langer Nebenarm des Mains, an diesem Septembermorgen dahin. Auf Höhe der Fahresmühle spuckt sie ihr Wasser seit Mitte des 17. Jahrhunderts in den von Menschenhand gefertigten Mühlgraben, wo es sich zunächst zwischen hochgewachsenem Ufergras und kräftigen Büschen hindurchschlängelt, bevor es unter der Erde weiterfließt. Während draußen das Plätschern des Baches kaum zu vernehmen ist, schwillt das Tosen mit jedem Schritt an, den man in den unterirdischen Teil der Mühle macht.

Einst hat es an der Fahresmühle ein unter- und ein oberschächtiges Wasserrad gegeben. Doch die wurden inzwischen durch Turbinen ersetzt. Mithilfe des Wassers werden heute rund 30 Prozent der in der Mühle genutzten Energie erzeugt. Früher, als man pro Jahr etwa 30 Tonnen Getreide verarbeitete, reichte die Wasserkraft, um den Energiebedarf zu decken. „Heute verarbeite ich rund 500 Tonnen pro Jahr“, sagt Müller Armin Wunderlich.

Der 42-Jährige, der die Mühle in sechster Generation betreibt, ist ein eher ruhiger Typ, redet aber ohne Punkt und Komma, wenn es um seinen Beruf geht und er die Vorgänge in der Mühle beschreibt. Liefert ein Landwirt Getreide an, wird es über die Gosse angenommen, grob gereinigt und in einem Silo zwischengelagert, bevor es in den Walzenstuhl kommt.

Die Vermahlung erfolgt in mehreren Passagen, dabei wird das Getreide jeweils zerkleinert und ausgesiebt. Im Gegensatz zu früher entsteht so ein durchgehendes System. In alten Rückschüttmühlen konnte das Korn immer nur eine Stufe separat durchlaufen. Hatte das Endprodukt dann noch nicht die gewünschte Konsistenz, musste der Müller die Walze enger stellen, das Getreide zurückschütten und einen neuen Durchlauf starten. Heute ist das nicht mehr nötig. „Die Maschine kann auch nachts laufen“, sagt Wunderlich. Je nachdem, wie oft das Korn gemahlen wird, entsteht unterschiedlich feines Mehl. Zudem fallen verschieden große Mengen Kleie, Schrot, Grieß und Dunst an.

„Um ein guter Müller zu sein, muss man Spaß an seinem Beruf haben“, sagt der 42-Jährige. Für ihn waren die Liebe zu seiner Arbeit, die Achtung der Tradition, aber auch ein bisschen Pflichtgefühl ausschlaggebende Gründe, um die Mühle vom Vater zu übernehmen. Die Fahresmühle wurde um 1700 gebaut und legt mit ihren alten Maschinen und zerfurchten Balken historisches Zeugnis ab. Zum Besitz der Familie gehört außerdem ein altes Sägewerk, in dem Raritäten wie das „Franzosengatter“, eine Gattersäge aus dem Jahr 1805 stehen, und das heute nur noch für den Eigenbedarf genutzt wird. Interessierte können es allerdings besichtigen, seit Wunderlich vor zwei Jahren den „Tag der offenen Mühle“ eingeführt hat.

Sonnenlicht bricht sich in der Fensterscheibe und wirft zaghaft ein paar Strahlen auf die Abfüllanlage im Nebenraum. An der großen Maschine werden Säcke mit Mengen von zehn bis 15 Kilogramm befüllt. Daneben gibt es einen kleineren, unscheinbar wirkenden Apparat, mit dem ein bis fünf Kilogramm für den Direktverkauf im Hofladen abgepackt werden können. Trotz der ständig arbeitenden Maschinen liegt – im Vergleich zu früher – kaum Mehlstaub in der Luft. Das ist den Rohren zu verdanken, in denen das Mehl durch Unterdruck transportiert wird: „So ist die Mühle schön sauber.“

Diese Art des Transports ist nur eine von vielen Neuerungen. Nach seiner Lehrzeit in Schonungen hatte Wunderlich die elterliche Mühle in den 90er-Jahren komplett überholt. Mehr denn je ist nun handwerkliches Geschick gefragt, denn nicht für jede kleine Reparatur kann und will sich der Müller einen Handwerker leisten.

Neben der Betreuung der Kunden, der Buchhaltung und der Organisation der Produktion kümmert er sich also auch um die Maschinen. Gerade diese Vielseitigkeit ist es, die Wunderlich so große Freude macht – auch wenn er des Öfteren einmal einen Sonntag für die Erledigung von Aufgaben opfern muss. Wenig erfreulich sei, dass es immer mehr Richtlinien und Vorschriften und dementsprechend immer mehr Papierkram gebe. Auch die wirtschaftliche Lage sei nicht einfacher geworden: „Im Moment steht der Getreidepreis bei 26 Euro pro 100 Kilogramm. 2008 waren es noch etwa acht Euro.“ Problematisch sei, dass er die hohen Kosten für das Getreide nicht über das Mehl weitergeben könne. Um dazuzuverdienen bietet er deshalb auch Futtermittel für Heim- und Nutztiere, Naturkost sowie einen Lieferservice an.

„Wie es mit der Mühle in 15 oder 20 Jahren weitergeht, weiß ich nicht“, sagt der Müller. Er hat zwei Töchter, 14 und 16 Jahre alt, „die haben bisher noch nicht den Wunsch geäußert, den Betrieb zu übernehmen und zwingen will ich niemanden.“

Aus alt mach neu: Armin Wunderlich hat die elterliche Mühle komplett überholt.
Vom Korn zum Mehl: Der Walzenstuhl ist das Herzstück einer modernen Mühle.
Staubfrei: Durch Unterdruck wird das Mehl in Rohren von A nach B transportiert.

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