GOßMANNSDORF

Der Wald ist trotz Krise noch zu retten

Die Nachhaltigkeitsinitiative „heimat“ hatte zum Waldschadensforum am Goßmannsdorfer See geladen. Das Bild zeigt Andreas Kiraly (Zweiter von links), daneben erläuternd Hans Stark, Oliver Kunkel (Vierter von rechts). Foto: Harald Kuhn

Zum Waldschadens-Forum hatte die Nachhaltigkeitsinitiative „heimat“ eingeladen und eine stattliche Runde war dem Gesprächsangebot zum Goßmannsdorfer See gefolgt, teilt Initiator Oliver Kunkel mit. Er hatte mit Forstdirektor Hans Stark und Forstexperten Andreas Kiraly zwei erfahrene Fachleute zum Austausch mit interessierten Bürgern gebeten und diese Experten gaben sogleich eine grundsätzliche Entwarnung: Die Frage „Ist der Wald noch zu retten“ müsse natürlich bejaht werden, der Wald in unseren Breiten sei zwar in der größten Krise seit langem, er habe aber die Kraft zum Wandel, heißt es in der Mitteilung der Nachhaltigkeitsinitiative.

Die Schäden durch Trockenheit und Schädlinge, die eng miteinander zu tun hätten, beträfen radikal die Fichten und Kiefern, eingeschränkt die Buchen und Birken. Dass die „Butter- und Brot-Nadelbäume“ für schnellen Holzertrag aber keine Zukunft unter den Bedingungen des fortschreitenden Klimawandels hätten, müsse jedem klar sein. Hans Stark konnte viele noch nicht heimische Arten aufführen, die eine sinnvolle Ergänzung des aktuellen Bestandes werden könnten, aber auch die Gefahr neuer Krankheiten in sich trügen. Jahrzehntelangen Studien aber könne man keine Zeit geben, jetzt müsse die Artenvielfalt erhöht werden, wo sie zu gering sei. Gerade eine hohe „Diversität“ sei der wichtigste Faktor für einen robusten Wald, der auch kommende Krisen überstehen könnte.

Verzicht auf Wirtschaftlichkeit?

Solche Vielfalt stelle der Wald in hohem Maße selbst her, betonte auch Andreas Kiraly. Wenn man – eine ganz zentrale Aufgabe – das Rotwild stärker begrenze, würde auch ohne massenhafte Pflanzungen eine Verjüngung Einzug halten, die sowohl die Altersstruktur wie die Artenvielfalt steigere, heißt es weiter in der Mitteilung. Teure Pflanzungen dagegen könnten schon nach dem Setzen wieder vertrocknen. So betonten die Experten einhellig:„Lasst dem Wald Zeit.“ Der Wald verändere sich und wir sollten statt überhastet erneut einzugreifen, beobachten und vor allem „Verzicht auf Wirtschaftlichkeit“ wagen, so das Credo der Forst-Fachleute. Schutzgebiete sind Andreas Kiraly, so die Verlautbarung, besonders wichtig, sie böten ein wertvolles „Schaufenster in die Natur“.

Eine gerechte Perspektive für die vielen Privatwaldbesitzer wurde als sehr schwierige, aber ebenso wichtige Aufgabe beschrieben – die immer wieder geschürten „Gräben“ zwischen Waldbesitzern mit wirtschaftlichen Interessen und Naturwald-Befürwortern, zwischen „Hobby-Jägern“ und „ökologischen Jägern“, zwischen Landwirten und Artenschützern dürften auf keinen Fall vergrößert, sie müssten in solidarischer Haltung und Diskussion überwunden werden. So beschrieb Oliver Kunkel die zentrale gesellschaftspolitische Dimension, der sich „heimat“ verschrieben habe.

Intelligente Lösungen

Die Bedeutung für das Klima brachte Kunkel auf die Frage nach den vielen durch Trockenheit oder Schädlingsbefall eingegangenen Bäumen in den Wäldern. Lässt man sie einfach verrotten, seien sie als Totholz zwar Lebensraum und Humusbildner, gleichzeitig gäben sie ihren enormen CO2-Speicher aber in die Atmosphäre ab. Da müsse doch trotz des niedrigen Holzpreises die Verwendung als Bauholz, Leimholz oder ähnliches erwogen werden. Den Marktmechanismus konnte auch Forstdirektor Stark als Ursache festmachen: Derzeit sei kaum mehr als die Kosten für das Rücken der Stämme zu erwirtschaften. So lohne sich das nicht – für Kunkel ein typisches Handlungsfeld der „heimat“-Philosophie: „Wir müssen doch sozusagen gesamtgesellschaftliche, intelligente Lösungen finden, wenn die reine Marktsituation schlechte Lösungen bringt“, betonte er laut Mitteilung und fand Zustimmung, wenn so mancher Gesprächsteilnehmer eine höhere Holznutzung gerade bei Bauvorhaben der öffentlichen Hand einforderte.

Die Kerngedanken von „heimat“, Beteiligung und Regionalisierung, hätten, so die Verlautbarung, vielfältiges Echo und Ideen gefunden: so rückten die Forstexperten den Wert der Streuobstwiesen ins Blickfeld. Gerade Kindergärten oder Schulen sollten hier Anteil an der Ernte und Pflege nehmen, meinte Hans Stark. So könne wie in der Klimawald-Idee für Oberaurach schon die junge Bevölkerung in das Wissen um unsere Natur einbezogen werden.

In diese Stoßrichtung zielten auch die Gedanken Kunkels, Mischformen zwischen land- und forstwirtschaftlicher Nutzung zu vielseitiger Nutzen für Humusbildung, CO2-Speicherung, Insektenschutz, Trockenschutz und Ertragssteigerung zu probieren – etwa in genossenschaftlichen Modellen, die Risiken und Umstellungskosten von Landwirten auf viele Schultern verteilen. Ein Aufbruch in eine optimistische Ideenkultur statt pessimistische Krisenstimmung. (wos)

Schlagworte

  • Haßfurt
  • Artenvielfalt
  • Bevölkerung
  • Bürger
  • Forstexperten
  • Hans Stark
  • Holzpreise
  • Kosten
  • Krisen
  • Landwirte und Bauern
  • Wald und Waldgebiete
  • Öffentlichkeit
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!