Hofheim

Der Wald schreit nach Hilfe

Große Waldstücke in der Region, wie hier bei Bundorf, sind bereits geschädigt. Foto: Christian Licha

Hofheims Bürgermeister Wolfgang Borst wird deutlich, wenn er über den Wald spricht: "Es ist nicht zehn vor 12, sondern bereits zehn nach 12!", sagt er. Borst ist auch Vorsitzender der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Unterfranken e. V. (FVU), die zu einer Exkursion durch die heimischen Wälder eingeladen hatte. Birgit Ullrich, die Geschäftsführerin der FVU und gleichzeitig auch der Forstbetriebsgemeinschaft Haßberge, zeigte den Teilnehmern einige Stellen, die besonders vom Baumsterben betroffen sind.

Bundestagsabgeordnete Anja Weißgerber, Landtagsabgeordneter Steffen Vogel und Landrat Wilhelm Schneider machten sich zusammen mit Stephan Thierfelder, Abteilungsleiter beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt (AELF) und dem Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Klaus Merkl, ein Bild der Lage. Denn der Wald in Unterfranken leidet: Stürme, Dürre, Borkenkäfer. Das Extremjahr 2018 hat Bäume vertrocknen und Wälder sterben lassen.Der Klimawandel bedroht die heimischen Wälder in ihrer Existenz. Vertraute Waldlandschaften gehen verloren.

Alle Nadelholzbestände sind betroffen

In diesem Jahr setzen sich die extremen Auswirkungen des vorangegangenen Trockenjahres fort. Vor allem Nadelholzbestände sind betroffen, so Birgit Ullrich. Es wird erwartet, dass im laufenden Jahr die Einschlagsmenge an Fichtenholz auf das Fünffache ansteigt. Dies führt zu erheblichen Problemen in der Aufbereitung und Abfuhr, da die Unternehmerkapazitäten seit Jahren rückläufig sind und den Bedarf nicht mehr decken können. Gleichzeitig wird durch den erhöhten Einschlag europaweit der Holzmarkt überlastet. Die Aufnahmekapazitäten der Sägewerke stoßen an ihre Grenzen. Massiver Rückgang der Nadelholzpreise über alle Sortimente seien eine Folge dieser Entwicklung.

So sieht es aus, wenn der Borkenkäfer seine Gänge unter der Baumrinde anlegt. Foto: Christian Licha

Im Waldgebiet "Weinstraße" nahe dem Bundorfer Ortsteil Neusess, wurde anschaulich demonstriert, dass der Borkenkäfer schon wieder lauert. Kleine Sägemehlhaufen auf gelagertem Stammholz zeugen davon, dass der Baumschädling sein Winterquartier bereits verlassen und sich auf die Suche nach frischem Holz gemacht hat. Thomas Schmitt, ein Privatwaldbesitzer aus Neusess, zeigte im Beisein von Bundorfs Bürgermeister Hubert Endres die Reste seines Waldes, der sehr geschädigt ist. "Vor drei Wochen war es hier noch grün, jetzt ist alles verdörrt", erklärte Schmitt und warnte: "Wenn nichts passiert, haben wir bald keinen Fichtenbestand mehr."

Alle Waldbesitzer sind zum Anpacken aufgefordert

Noch schlimmer betroffen ist ein rund 15 000 Quadratmeter großer Privatwald nahe dem Örtchen Serrfeld, das bereits zum Landkreis Rhön-Grabfeld gehört. Der Wald, der jenseits der kommunalen Grenze im Landkreis Haßberge steht, sieht schrecklich aus. Dürre Fichten, bei denen wahrscheinlich nur ein kleiner Sturm genügt, damit diese von alleine umfallen, prägen das Bild.

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Waldsterben

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Nach dem Motto "Eigentum verpflichtet" mahnte Wolfgang Borst, dass zwar viele Waldbesitzer bemüht sind, die Bäume zu fällen und aus dem Wald zu bringen, jedoch würden schon zwei, drei Besitzer reichen, die nichts tun, damit es zu einem Komplettausfall kommt.

Bei trockenem Wetter und um die 16 Grad, setzt der Käfer nämlich zu seinem Schwarmflug an und weitere Schädigungen drohen. Nur durch die Entfernung von bereits geschädigtem Holz, könne dies verhindert werden. Deshalb müsse es in den Köpfen der Menschen ankommen, dass ein Zusammenhalt notwendig ist, so Borst. Jeder müsse seinen Beitrag leisten.

CSU-Klimabeauftragte Weisgerber plädiert für Soforthilfen

Die Forderungen der FVU an die Politik sind klar formuliert. Es müsse ein Soforthilfepaket für betroffene Waldbesitzer geben, die eine Aufbereitungshilfe von 20 Euro je Festmeter für alle Sortimente beinhalte. Für die insektizidfreie Borkenkäferbekämpfung sollen neun Euro je Festmeter zur Verfügung gestellt werden, damit das Schadholz auf anerkannte Lagerplätze gebracht werden könne. Ebenso sei das waldschutzwirksame Entrinden von Schadholz und das Häckseln von nicht verwertbaren Rest- und Gipfelholz notwendig.

Gemeinsam muss für den Wald gekämpft werden (von links): Birgit Ullrich, Wilhelm Schneider, Steffen Vogel, Anja Weißgerb... Foto: Christian Licha

Ein sofortiger Stopp des Nadelfrischholzeinschlags für alle Besitzarten werde gefordert, genauso wie eine Verstärkung des Waldumbauprogrammes. Förderrichtlinien für das Katastrophenmanagement und Studien zur klimatoleranten Baumartenwahl sollen helfen, dem Wald eine Zukunft zu geben.  Die CSU-Bundestagsabgeordnete Anja Weißgerber, Klimabeauftragte ihrer Partei, versprach die Fakten in ihre Diskussionen mitzunehmen und für Soforthilfen zu plädieren. Der Deutsche Forstwirtschaftsrat schrieb dieser Tage in seiner "Warnemünder Erklärung", dass für die dringendsten Maßnahmen zum Walderhalt in Deutschland für die nächsten fünf Jahre jährlich mindestens 100 Millionen Euro Bundesmittel zusätzlich benötigt würden.

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