AIDHAUSEN

Der Wald steht still und leidet

Eine große Runde fand sich zur Waldbegehung der Gemeinde Aidhausen mit Förster Bernhard Streck (Bildmitte) und Forstoberrat Jürgen Hahn ein. Foto: Gudrun Klopf

„Eine so große Runde hatten wir noch nie“, zeigte sich Forstoberrat Jürgen Hahn vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) aus Schweinfurt vom regen Interesse an der Waldbegehung der Gemeinde Aidhausen erfreut.

Neben einigen Gemeinderäten waren viele Jagdpächter der Einladung von Bürgermeister Dieter Möhring gefolgt. „Wir hatten im Wald ein katastrophales Jahr mit großen Schäden“, stellte er zur Begrüßung fest. Dies ziehe negative wirtschaftliche Folgen für die Gemeinde nach sich. „Wir brauchen eure Unterstützung“, bat Möhring die Jäger. Ohne ihre Hilfe würde eine Naturverjüngung im Wald mit möglichst wenig Zaunbau nicht funktionieren.

Hauptthemen seien derzeit die Trockenheit und der Schwammspinner, erläuterte Hahn. Wie weitermachen, wenn die heimischen Baumarten massive Probleme haben? „Die Buche hält alles aus“, habe man früher gesagt. Dass dem nicht so sei, führten die letzten beiden Jahre laut Hahn schmerzlich vor Augen. „Riesige Schäden, gewaltige Ausfälle“, schilderte er die nach seinen Worten „dramatische und extrem bittere“ Situation. Mit Esche und Ahorn könne man nicht mehr rechnen. Die leiden beide unter Pilzbefall. „Uns gehen die klassischen heimischen Baumarten aus.“ Bei ständig neuen unkalkulierbaren Faktoren wie Borkenkäfer, Schwammspinner, Trockenheit und Hitze helfe kein Lehrbuchwissen mehr. Ideologien könne man sich in der Waldwirtschaft heute nicht mehr erlauben. Es gelte dringend, auch mit fremden Baumarten, die Funktion des Waldes zu erhalten.

Von den heimischen Bäumen käme dabei der Eiche ein hoher Stellenwert zu, da diese über ihr Wurzelwerk der Trockenheit eher trotzen könne als die Buche. Doch dass auch die Eichen kränkeln, war im Gebiet Obergeheeg der Gemarkung Happertshausen deutlich anzusehen. Während der Nachwuchs unter Mehltau, Lichtmangel und Verbiss leitet, setzt den älteren Bäumen der Schwammspinner zu. „Wir brauchen die Naturverjüngung bei den Hauptbaumarten“, sagte Hahn, „und zwar weitestgehend ohne Schutz.“ Wenn dieser zwingend gebraucht werde, stimme etwas nicht. Man müsse miteinander reden, damit jede Seite wisse, was die andere brauche und wo welche Hilfe nötig sei, forderte Hahn den Austausch mit den Jägern.

„Die Rahmenbedingungen können wir auch nicht beeinflussen.“
Jürgen Hahn, Forstoberrat

Es werde intensiver gejagt als früher und trotzdem habe man Mühe, die Quoten zu erfüllen, hielten die Jäger dagegen. Permanente Störungen zu jeder Tageszeit durch Jogger, Reiter, Spaziergänger und Radfahrer würden das Wild in den Wald treiben. 80 Prozent des Verbisses erfolge aufgrund von Stress, lediglich 20 Prozent diene der Nahrungsaufnahme. Die Landwirte könnten mit alternativen Äsungsflächen, wie bezuschusste Blühwiesen, helfen, wurde von Seiten der Jäger anregt. Er sei selbst Jäger und wisse um die Schwierigkeiten. „Aber die Rahmenbedingungen können wir auch nicht beeinflussen.“ Die Gemeinde habe sich in den vergangenen Jahren bei den Jagdpachten stets fair gezeigt, appellierte auch Möhring an den Einsatz der Jäger.

Förster Bernhard Streck wies auf die Markierungen an mehreren Eichen hin. Um über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu entscheiden, wurden an ausgewählten Punkten die Gelege der Schwammspinner erfasst. Hinter diesem sehr zeitintensiven Waldschutz müsse derzeit der Waldbau zurückstehen. „Wir kommen nicht drumherum im äußersten Notfall, möglichst einmalig und mit minimaler Konzentration, einzugreifen und das hochwertige Gut Wald zu schützen“. Die Bekämpfung habe in allen Bereichen ihren Zweck erfüllt. Es seien relativ wenig neue Gelege gefunden worden.

Abgestorbene Buchen, leidende Eichen – trotz des traurigen Anblicks ist Bernhard Streck zuversichtlich. „Die Hoffnung stirbt beim Förster zuletzt.“ In Zukunft breit aufgestellt sein, sei wichtig. Es gelte, den Wald zukunftsfähig zu machen, auch wenn mit einer geringeren wirtschaftlichen Ausbeute zu rechnen sei. Wo Lücken entstehen, müsse der nächste Bestand mit einer Mischung aus Naturverjüngung und Arten mit Einzelschutz aufgebaut werden.

In den Gebieten Jungholz und Oberholz der Gemarkung Kerbfeld zeigte der Förster Flächen, auf denen man gut beobachten könne, wie sich Douglasien, Libanonzedern, Esskastanien und Zerreichen entwickeln. Wie wachsen diese Baumarten nebeneinander und im Verband mit den heimischen Arten? Halten sie neben der Trockenheit auch den Frost aus?

An die Jäger gerichtet sagte Streck, „Hardliner, egal auf welcher Seite, bringen nichts.“ Mehr Kommunikation und gemeinsam Rausgehen und nach Lösungen suchen seien dagegen angesagt. „Macht euch bitte alle Gedanken, wie wir uns gegenseitig helfen können“, kündigte Bürgermeister Möhring weitere Treffen an.

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