Haßfurt

Die Heilige Nacht in Bethlehem ist nicht still

George Awad lebt im Heiligen Land, wo er auch geboren wurde. Haßfurt ist seit 50 Jahren seine „zweite Heimat“. Er erzählt von Weihnachten in Bethlehem.
Ein kultureller Treffpunkt in Bethlehem ist der Manger Square gegenüber der Geburtskirche, der Theateraufführungen, Diskussionsrunden und ein kleines Stadtmuseum vereint. Das Bild entstand Anfang Dezember dieses Jahres. Foto: George Awad

Stille Nacht, Heilige Nacht' – Trifft dies zu für die Stadt Bethlehem, die Geburtsstadt Jesu Christi, zur Weihnachtszeit? Ja, die Nacht ist besonders heilig, aber von Stille kann gar nicht die Rede sein.“ George Awad, weiß, wovon er spricht. Er lebt in Bethlehem, wurde dort vor 67 Jahren geboren. Im Schuljahr 1969/70 besuchte er das Regiomontanus-Gymnasium in Haßfurt als Gastschüler. Anschließend machte er das Fachabitur an der Fachoberschule Schweinfurt. Später studierte er Betriebswirtschaft in Hagen, aber die engen Verbindungen zu Haßfurt sind nie abgerissen. Immer wieder einmal besucht er seine „zweite Heimat“, wie er die Kreisstadt nennt, und trifft Schulkameraden von früher. Er hat sich auf Anfrage dieser Redaktion Gedanken zu Weihnachten gemacht, speziell zu Weihnachten in Bethlehem.

Dreimal Weihnachten

 „In Bethlehem wird das Weihnachtsfest dreimal gefeiert“, sagt George Awad. Die katholischen und evangelisch-lutherischen Kirchen feiern Weihnachten nach dem gregorianischen Kalender am 25. Dezember. Die orthodox-orientalischen Kirchen nach dem julianischen Kalender am 7. Januar. Und die armenisch-orthodoxe Kirche feiert Weihnachten und Epiphania zusammen am 19. Januar (ein Christ ist geboren, wann er getauft ist).

13 anerkannte Kirchen

Im Heiligen Land gibt es dreizehn anerkannte Kirchen, erklärt George Awad:

Die Katholiken: Römisch-katholisch, Melkitisch-katholisch, Maroniten, Assyrisch-katholisch, Armenisch-katholisch (25. Dezember).

Evangelisch: die evangelisch-lutherische Kirche. Es gibt andere evangelische Kirchen, aber die sind keine anerkannte Kirchen (25. Dezember).

Die orthodox-orientalischen Kirchen: Griechisch-orthodoxe Kirche, Assyrisch-orthodox, Koptisch-orthodox, Ethiopisch-orthodox (7. Januar).

Die Armenisch-orthodoxe Kirche (19. Januar).

Die größte und wichtigste Feier findet am 25. Dezember statt. Am 24. Dezember zieht der katholische Erzbischof – hier Patriarch genannt – mit einem offiziellen Konvoi von Jerusalem nach Bethlehem ein. „Am Eingang von Bethlehem wird der Patriarch mit seinem Konvoi feierlich mit Scouts und Musikkapellen empfangen. Die ganze Stadt ist selbstverständlich sehr schön weihnachtlich dekoriert. Am Geburtskirchenplatz Manger Square wird der Patriarch vom Gouverneur von Bethlehem, dem Bürgermeister und von Vertretern des Tourismus-Ministeriums und anderen offiziellen palästinensischen Persönlichkeiten, religiös und zivil, empfangen.“

Die Mitternachtsmesse, so George Awad, beginnt in Bethlehem um zwölf Uhr in der Basilika Santa Katarina. Daran nehmen der palästinensische Präsident und andere Offizielle teil. Der Messe wohnen auch die katholischen europäischen Generalkonsule von Frankreich, Italien, Spanien, Belgien und Portugal bei. Die Messe wird nach draußen auf einen großen Schirm übertragen. Das palästinensische Fernsehen überträgt die Messe und die Feierlichkeiten direkt in die ganze Welt, erzählt George Awad.

George Awad Weihnachten in Bethlehem Foto: George Awad

Am 6. und 18. Januar werden der orthodoxe Patriarch sowie die Assyrischen und Koptischen Erzbischöfe, jeweils allein, in verschiedenen Zeitabständen in Bethlehem empfangen – aber mit niedrigerer Feierlichkeit. Die jeweiligen Mitternachtsmessen werden auch vom palästinensischen Präsidenten besucht.

Bescherung gibt es selten

Und wie feiert Familie Awad in Bethlehem Weihnachten? „Wir sind eine katholische Familie“, so George. „Am 24. Dezember abends wird Santa Klaus Geschenke für unseren Enkelsohn (zweieinhalb Jahre alt) bringen. Das ist eine besondere Feier, die dem Kind viel Freude bringt. Anschließend sitzen wir beisammen, essen zusammen zu Abend, dann gehen wir in die nebenan liegende Pfarrkirche.“ Eine Bescherung wie man es in Deutschland kennt, gebe es selten. „Das bedeutet aber nicht“, so George, „dass Geschenke nicht ausgetauscht werden.“ Er persönlich gibt seinen Kindern „eine gute Summe Geld“, damit können sie dann machen, was ihnen gefällt. Die Kinder ihrerseits „tun das ganze Jahr über alles, um meine Frau und mich glücklich zu machen“.

Ein Fest der Großfamilie

Am 25. Dezember versammelt sich morgens gegen 9.30 Uhr Familie Awad – alle Brüder und Schwestern, plus Kinder – „bei unserer älteren Schwester im Elternhaus und tauschen gegenseitig die Glückwünsche aus. Dann gehen wir zusammen zu einem Restaurant, wo wir uns mit der großen erweiterten Awad-Familie – Onkeln, Tanten, Vettern und Cousinen plus Kinder und Enkelkinder, also rund 50 bis 60 Leute – treffen, um gegenseitig die Glückwünsche auszutauschen.“ Danach begibt sich jeder nach Hause und „tut weiter, was er will“.

Bei George Awad kocht seine Frau „normalerweise ein spezielles Essen. Mein Sohn, seine Frau und unser Enkelsohn essen bei uns. Ich lade auch meine ältere verwitwete Schwester zu uns ein“. In früheren Jahren waren sogar noch alle Geschwister von George samt Kindern zu Gast zum Mittagessen. Das ist aber inzwischen nicht mehr so. Es ist jetzt etwas ruhiger geworden.

George Awad ganz persönlich
Persönlich: George Awad, geboren 1951 in Bethlehem. Pensionierter Verwaltungsleiter. Meine Frau Nidal Awad geb. Qumsiyeh, geboren 1959 in Jerusalem. Sie ist eine inzwischen pensionierte Lehrerin. Die Kinder: Meine Tochter Hiltrud lebt in Barcelona, wo sie ihre Doktorarbeit macht. Sie wurde im Jahre 1984 in Bethlehem geboren. Ich habe einen verheirateten Sohn Humam, geboren 1986 in Jerusalem, der in Schweden lebt. Dort hat er studiert, ist verheiratet mit einer Schwedin. Er ist ein Lehrer an der Musikakademie in Lund. Seine Frau Lotta Forsen ist auch eine Lehrerin. Sie haben ein drei Monate altes süßes Töchterchen. Der jüngste Sohn Bashir lebt bei uns im selben Haus. Bashir wurde 1990 in Jerusalem geboren. Er ist verheiratet mit Diala Bannoura und hat einen zweieinhalb Jahre alten süßen Sohn. Er arbeitet als Eliten-Manager in der Arab Bank in Bethlehem. Seine Frau arbeitet als Finanz-Controller in der Bethlehem University.
Meine Laufbahn: Im Schuljahr 1969/1970 besuchte ich das Regiomontanus Gymnasium in Haßfurt als Gastschüler. Anschließend machte ich das Fachabitur an der Fachoberschule Schweinfurt. Das Studium der Betriebswirtschaft absolvierte ich in Hagen/Westfalen. Nach der Rückkehr aus Deutschland arbeitete ich in Jordanien und Spanien (Kanarische Inseln). Von 1982 bis 2014 war ich bis zu meiner Pensionierung als Verwaltungsleiter bei der evangelisch-lutherischen Kirche in Jerusalem tätig. Die Stadt Haßfurt ist für mich eine zweite Heimat. Ich habe dort viele Freunde und Bekannte, die ich durch diesen Artikel begrüßen möchte. Ich kam nach Haßfurt durch eine deutsche katholische Schwester aus Wülflingen, die in Bethlehem tätig war. Zuerst wohnte ich im Salesianum, dann bei der Familie Killer/Müller in der Promenade 35, bis ich nach Hagen umgezogen bin. Haßfurt blieb aber bis jetzt für mich ein Zuhause in Deutschland. Im vergangenen Juni weilte ich wieder einmal mit meiner Frau in Haßfurt. Wir wohnten in der Promenade. Es war für mich eine große Freude, so viele Freunde und Bekannte treffen zu können.
George Awad lebt mit seiner Familie in Bethlehem. Das Bild zeigt bei der Hochzeit des ältesten Sohnes Humam (von links): Hiltrud (Tochter), Dalia (Schwiegertochter), Lotta (Braut und Schwiegertochter), Humam (Bräutigam und ältester Sohn), George Awad und seine Ehefrau Nidal sowie den jüngster Sohn Bashir mit Sohn Laith. Foto: George Awad

Rückblick

  1. Anzeige: Händler verbrennt rund 100 Christbäume
  2. Lohrer Weihnachtsmarkt auf dem Prüfstand: Künftig am Schlossplatz?
  3. Das Wipfelder Weihnachtshaus der Familie Schneider leuchtet hell in dunkler Nacht
  4. Facebook & Instagram: Wettlauf der Netzwerke um die heilste Weihnachtswelt?
  5. Schöne Bescherung! Was ein ADAC-Helfer an Heiligabend alles erlebte
  6. Würzburger Adventskalender: Überraschung im Ausland
  7. Video: Tierische Weihnachtsgrüße aus Pflochsbach in die Welt
  8. Geburtstag an Weihnachten: Raclette fürs Kitzinger Christkind
  9. MSP-Wunschzettel: Nikolaus wünscht sich glückliche Menschen
  10. Würzburger Adventskalender: Salziger Schock  beim Plätzchenessen
  11. Stimmen Sie ab: Welches Essen darf an Heiligabend nicht fehlen?
  12. MSP-Wunschzettel: Ein Job, ein Bett und inneren Frieden
  13. MSP-Wunschzettel: Gegen den Welthunger und für genussvolles Essen
  14. Wie Holzschnitzer Metz die Rhön in die Weihnachtskrippe holt
  15. Guter Baum, böser Baum? Was los ist, wenn man sorglos dekoriert
  16. Statt Festtagsbraten: Unser Weihnachtsmenü zum Nachkochen
  17. Segnitz: Das weihnachtliche Miniatur-Wunderland in der Scheune
  18. Würzburger Adventskalender: Statt Christkind kommen die Trolle
  19. 7 Tipps für stressfreie Weihnachten
  20. Wie einsame Menschen in Würzburg gemeinsam Weihnachten feiern
  21. Würzburger Adventskalender: Was unbedingt  in die Krippe gehört
  22. Würzburger Adventskalender: Getrübte Stimmung bei der Bescherung
  23. Würzburger Adventskalender: Als das Christkind vom Himmel kam
  24. Würzburger Adventskalender: Letzte Rettung im Dönerladen
  25. Würzburger Adventskalender: Bei Weihnachten ist weniger mehr
  26. Würzburger Adventskalender: Was Weihnachten eigentlich bedeutet
  27. Plätzchen backen mit Amanda: Lieblingsrezepte der Nilpferddame
  28. Wenn der Adventskranz von Haus zu Haus wandert
  29. Würzburger Adventskalender: Turbulentes Fest im neuen Haus
  30. Würzburger Adventskalender: Aufregung im Weihnachtsflieger
  31. Winterdorf im Dornheim: Eisstockschießen im Biergarten
  32. Würzburger Adventskalender: An Heiligabend ins Schwimmbad
  33. Würzburger Adventskalender: Weihnachten vor über 70 Jahren
  34. Würzburger Adventskalender: Heiligabend auf der Intensivstation
  35. Quiz: Kennen Sie die Weihnachtstraditionen der Welt?
  36. Die Tücken des Geschenk-Gutscheins
  37. Weihnachten: Warum wir Stille brauchen
  38. Würzburger Adventskalender: Als Benno sich den Braten schnappte
  39. Würzburger Adventskalender: Warum es nicht lohnt, brav zu sein
  40. Marktheidenfelder Weihnachtsmarkt: Ein Lichterfest zum Start
  41. Würzburger Adventskalender: Als Nikolaus mit der Eisenbahn kam
  42. Würzburger Adventskalender: Der Nikolaus kommt in Opas Schuhen
  43. Würzburg Adventskalender: Wer in Wahrheit der Nikolaus war
  44. MSP-Wunschzettel: Nichts, was man kaufen und einpacken könnte
  45. Die blinde Verena Bentele weiß, wie das Christkind riecht
  46. Die schönsten Weihnachtsfilme: Wählen Sie Ihren Favoriten!
  47. Alles, was Sie zum Röttinger Winterzauber wissen müssen
  48. Autoverlosung Bad Neustadt: 3500 Lose sind bereits verkauft
  49. Wann läuft Sissi an Weihnachten 2019 im TV?
  50. 50 500 Lampen: So entstand das Weihnachtshaus in Veitshöchheim

Schlagworte

  • Haßfurt
  • Wolfgang Sandler
  • Bethlehem
  • Betriebswirtschaft
  • Erzbischöfe
  • Evangelische Kirche
  • Fachoberschulen
  • Heilige
  • Katholizismus
  • Messen
  • Palästinenser
  • Regiomontanus
  • Regiomontanus-Gymnasium
  • Religiöse und spirituelle Oberhäupter
  • Verwaltungsleiter
  • Weihnachten
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!