HAßFURT

Die besseren Christen?

Kommentar: „Frauen und Technik...“

Immer wieder wird Europa durch Anschläge islamistischer Attentäter erschüttert. Islam wird deshalb gleichgesetzt mit Terrorismus, Gewalt, Menschenverachtung. Klar, dass nicht automatisch jeder Muslim ein Salafist ist und mit Bomben hantiert. Und trotzdem: Man sitzt in der Bahn oder einem anderen öffentlichen Verkehrsmittel und kaum betritt ein recht orientalisch aussehender Zeitgenosse das Abteil, ist er gleich verdächtig. Sollte er zudem noch einen Rucksack tragen...

Umso wohltuender ist es, wenn die Ahmadiyya-Gemeinschaft, die sich selbst als Reformbewegung des Islam – mit 45 Prozent Hochschulreife unter ihren Jugendlichen vielleicht sogar als eine Elite – versteht, sich nicht nur von Gewalt und Terrorismus distanziert, sondern öffentlich und offensiv für einen friedlichen Islam einsetzt.

Gerade in Zeiten, in denen immer noch lauthals, öffentlich und populistisch über Migration, Flüchtlinge und die fehlende Eingliederung in die Gesellschaft diskutiert wird, zeigen die Ahmadis, wie Integration funktionieren kann. „Wir sind Deutschland“ lautet das einprägsame wie schlichte Motto der Kampagne, mit der die Reformmuslime nun auch im Landkreis Haßberge über die friedliche Botschaft des Koran aufklären wollen.

Die unumstößlichen göttlichen Gebote für den Muslim sind eigentlich unmissverständlich. Wer einen Menschen tötet, der tötet die Menschheit, sagt der Kalif der Reformbewegung. Staat und Religion müssen streng getrennt sein, Frau und Mann sind gleichberechtigt, es gibt keinen Zwang zum Glauben, Glauben ist einzig und allein Herzenssache.

Es klingt gut, fast zu gut, um wahr zu sein. Sind diese Muslime vielleicht sogar die besseren Christen? Eines darf man bei all den positiven Eindrücken aber nicht aus den Augen verlieren. Der Islam bleibt auch der Islam, wenn er friedlich ist. Das heißt, die Ahmadis sind durchaus eine sympathische Gemeinschaft, aber sie handeln eben noch konsequenter nach den Lehren des Koran als die Normal-Schiiten und -Sunniten. Abdullah Wagishauser, Vorsitzender der Ahmadiyya-Gemeinschaft in Deutschland, schätzt selbst seine Bewegung zwar als „liberal, aber wertekonservativ“ ein, aber gar nicht liberal, sondern eben streng am Koran orientiert, sind die Positionen der Ahmadis, wenn es um das Thema Frauen geht. Frauen und Männer beten getrennt, das Kopftuch wird als göttliches Gesetz gesehen. Gesetz und nicht diskutierbar ist auch das Verbot von Schweinefleisch, dasselbe gilt für den Genuss von Alkohol.

Misstrauen macht sich deshalb breit, wenn man an die 206 Passagen denkt, die im Koran Gewalt, Krieg und Tötung rechtfertigen. Das hat zwar mit der Entstehungsgeschichte des Islam zu tun, die geprägt war von Gewalt und Krieg. Führt das nicht unausweichlich zu einem Konflikt, wenn die Ahmadis einerseits den Frieden als oberstes muslimisches Gebot ansehen, zum anderen aber den Koran so eng wie nur irgend möglich auslegen, ohne eine liberale Interpretation im Ansatz zuzulassen?

Wir sollten diese Fragen im Hinterkopf behalten, wenn die friedlichen und bestens integrierten Muslime ihre drei Informationsveranstaltungen im Landkreis Haßberge abhalten. Man darf auf die Antworten gespannt sein.

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