HAßFURT

Die falsche Taste gedrückt

Warum wir das Feuerwerk abschaffen sollten       -  _

Da will die Stadt Haßfurt ihren Bürgern, ihren Besuchern und freilich auch der Geschäftswelt etwas Gutes tun. Aber die Entscheidung stößt keinesfalls nur auf Begeisterung, auch innerhalb des Bauausschusses nicht, der sich diese Woche mit dem Thema befasste. Es geht um die „Brötchentaste“. Jenen Knopf also an Parkscheinautomaten, der einem Autofahrer ein kostenloses Parkticket beschert, damit dieser eine kurze Besorgung erledigen kann. Beim Bäcker etwa, beim Metzger (Bratwursttaste klänge auch nicht schlecht), bei der Post oder der Bank. Nur länger als 30 Minuten sollte besagte Erledigung in Haßfurt nicht dauern, weil aus dem gebührenfreien Parken dann unverzüglich ein teurer Strafzettel wird, wenn es die Parküberwachung merkt (und der Stadtrat entsprechenden Beschluss fasst).

In der Ausschusssitzung am Dienstag hat die Bauverwaltung für die Brötchentaste mit dem Argument plädiert, die Kunden seien von der Parküberwachung genervt und hätten gedroht, nicht mehr in die Innenstadt zu fahren. Mit dem Verweis auf die vielen leer stehenden Geschäftshäuser im Herzen Haßfurts fiel der Satz: „Wir müssen jetzt mal was für die Innenstadt tun“ – die ja bekanntlich nicht nur unter dem Online-Handel, sondern auch unter der Konkurrenz der Gewerbegebiete vor den Toren der Kreisstadt leidet. Auch, weil es dort kostenlosen Parkraum im Überfluss gibt.

Man muss aber kein Prophet sein um zu erkennen, dass die Brötchen- oder Bratwursttaste kein Allheilmittel für die Innenstadtprobleme von parkplatzsuchenden Kunden und absatzsuchenden Geschäftsleuten sein wird. Mit der Zufriedenheit über das kostenlose Kurzzeitparken könnte es bald dahin sein, wenn das neue Angebot – wie jeder neue Komfort auf den Straßen – noch mehr Individualverkehr nach sich zieht: Wenn sich das mit der Umsonsttaste herumspricht, werden sich noch mehr Zeitgenossen mit ihrem fahrbaren Untersatz auf den Weg in die City machen, wo es aber nicht mehr Parkflächen als zuvor geben wird. Wer dann die Promenade-Bahnhofstraße-Hauptstraßen-Runde dreht und keinen Platz für sein Auto findet, wird genauso frustriert die Märkte auf der grünen Wiese ansteuern schon jetzt.

Leider hat die Stadt Haßfurt aber auch noch nie begriffen, dass der Reiz einer Innenstadt darin liegen kann, sie möglichst autofrei zu halten. Und stattdessen ein attraktives Flair für Fußgänger und Radfahrer zu gestalten, mit all dem, was dazu gehört: Großzügige Straßencafés, Sitzbänke, mehr Grün im öffentlichen Raum und so weiter. Clevere Lösungen, die es Menschen mit eingeschränkter Mobilität ermöglichen, per Pkw zu ihrem innerstädtischen Ziel zu kommen, ließen sich integrieren. Dass man im Herzen der Kreisstadt, zwischen Oberem und Unterem Turm, angesichts der beständigen Blechlawine in der Hauptstraße von Einkaufsvergnügen sprechen kann, wird wohl niemand behaupten wollen.

Und schließlich müssen all jene, die mit dem Auto in die Innenstadt fahren, endlich begreifen, dass Mobilität einen Preis hat – und dass es als logische Konsequenz auch einen Preis haben muss, einen mehrere Kubikmeter großen Blechklotz in der Altstadt abzustellen, und sei es nur für eine halbe Stunde. Wer das nicht einsehen will, muss eben laufen. Kostenlosen Parkraum gibt es nahe der Haßfurter Innenstadt genug.

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