MARIABURGHAUSEN/BREITBRUNN

Die letzten Schwestern gehen

Eine Ära geht zu Ende: Im Sommer 1900 kamen die ersten 14 Ordensfrauen hierher ins Kloster. Ende Juni wird die einst blühende Filiale von Ursberg endgültig aufgelöst.
Der Abschied aus dem Kloster Maria Bildhausen fällt ihnen nicht leicht: Schwester Silvia (links) und Schwester Talida (rechts) mit Oberin Schwester Werenfried. Foto: Isolde Krapf

Seit Kurzem ist es unumstößlich: Die Klosterfiliale der Franziskanerinnen in Maria Bildhausen wird Ende Juni aufgelöst. Dann heißt es nicht nur für Oberin Schwester Werenfried (79) Abschied nehmen. Auch ihre Mitschwestern Talida (76) und Silvia (84) werden in die Zentrale nach Ursberg zurückkehren.

Die grüne Oase rund um Maria Bildhausen zu verlassen, nicht mehr die Ruhe und Beschaulichkeit der Klosteranlage genießen zu können und sich von den Heimbewohnern trennen zu müssen, fällt den drei Ordensfrauen nicht leicht. Schließlich waren sie Jahrzehnte lang hier verwurzelt, spürten, dass sie in ihren Aufgabenbereichen gebraucht werden, hatten hier ihre Klosterfamilie, ihre Heimat.

Bereits im August 2016 waren Schwester Donella und Schwester Armella von Maria Bildhausen nach Ursberg umgesiedelt. „Es war absehbar, dass unsere Filiale hier ganz aufgelöst wird“, sagt Schwester M. Werenfried Söffge im Gespräch mit der Redaktion. Im vergangenen halben Jahr sei das Thema immer wieder in Gesprächen mit der Generaloberin in Ursberg angeklungen.

Im April 2017 fiel die Entscheidung, sagt die Oberin, die selbst „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ von hier weggeht. Für sie sei Maria Bildhausen ein „sehr schöner Ort“, sie habe vor allem die Spaziergänge im Wald geliebt. „Aber ich habe auch die Hoffnung, dass alles etwas leichter wird, denn man muss sich hier um so vieles kümmern.“

„Ich habe auch die Hoffnung, dass alles etwas leichter wird.“
Schwester Katharina Wildenauer, Generaloberin

Die Räumlichkeiten des Konventgebäudes St. Maria sind sehr groß, das Leben dort kostet die drei Schwestern Kraft, das habe sie bei ihren Besuchen gespürt, sagt die neue Generaloberin Schwester M. Katharina Wildenauer (Ursberg) im Gespräch mit der Redaktion. Ihrer Ansicht nach braucht aber auch die Seele immer wieder neue Energie. „In der Gemeinschaft des Mutterhauses lässt sich das spirituelle Leben besser erfahren.“

Mit dem Abschied der drei noch verbliebenen Schwestern geht nun Ende des Monats in Maria Bildhausen eine Ära zu Ende, die am 27. August 1900 mit dem Einzug der ersten 14 Ordensfrauen in Maria Bildhausen begann. Damals war es erst drei Jahre her, dass Pfarrer Dominikus Ringeisen die Abtei Bildhausen gekauft hatte. Im selben Jahr 1897 hatte er auch, nach 13 Jahren des zähen Ringens, die staatliche Genehmigung zur Gründung eines Frauenordens in der früheren Prämonstratenserabtei Ursberg (Schwaben) erhalten. Das Kloster Maria Bildhausen wurde jedoch erst im Juli 1900 als Ordensfiliale anerkannt.

Die Stankt-Josefskongregation wuchs und gedieh in den folgenden Jahrzehnten. 1938 zählte man in Ursberg und seinen Filialen knapp 1100 Schwestern. In Maria Bildhausen lebten und arbeiteten damals 120 Ordensfrauen. Das sind mehr Franziskanerinnen als heute noch in Ursberg (aktuell 82 Schwestern) und den Filialen Pfaffenhausen (4), Breitbrunn (6), Kloster Holzen (4) und Krumbad (4) beheimatet sind, zieht Generaloberin Schwester Katharina Bilanz.

Seit den 1960er-Jahren gab es dann jedoch immer weniger junge Frauen, die sich zu einem Leben im Orden entschlossen. Die Gründe dafür sind, nach Ansicht der Generaloberin, vielschichtig. „Die Menschen sind nicht mehr so religiös verankert wie früher“, registriert sie immer wieder. Dass man sonntags zur Kirche geht und mittags ein Tischgebet spricht, war früher selbstverständlich. Heute sei dies alles den Menschen nicht mehr vertraut. „Und wenn man mit etwas nicht vertraut ist, kann man auch das Schöne daran nicht mehr erkennen.“

Im Konvent müsse man eine Beziehung mit Gott leben, sagt Schwester Katharina. „Das ist genauso wie mit einer Freundschaft zwischen Menschen, man muss sie pflegen und auch Spannungen aushalten.“ Das koste Kraft und erfordere Übung, so die Generaloberin weiter. Nicht mehr jeder sei heutzutage bereit dazu. Beziehungen und Bindungen fallen den Menschen immer schwerer, hat Schwester Katharina beobachtet.

Seit nahezu 20 Jahren arbeitet sie als Religionspädagogin in einer Fachschule für Heilerziehung. Im Kontakt mit den jungen Leuten dort sei sie früher immer wieder der Suche nach Gott und nach dem Sinn des Lebens begegnet. Auch heute werden diese Fragen noch gestellt, sagt die Generaloberin. Doch die meisten wüssten nicht, wo sie die Antwort suchen müssen. All dies trage dazu bei, dass junge Frauen nicht mehr in einen Orden eintreten wollen.

Für Sr. M. Silvia Schmidt war die Entscheidung, ins Kloster zu gehen, ein Entschluss des Herzens, wie sie sagt. Eigentlich trat sie sogar zweimal (in den Jahren 1953 und 1978) in den Orden ein, weil sie zwischendurch krank wurde und man sie nach Hause entließ. Der Konvent wurde später zu ihrer Familie. Kein Wunder, denn auch vier ihrer fünf leiblichen Schwestern wurden Franziskanerinnen. Und eine davon, Schwester Sabina, verbrachte mit ihr zusammen viele Jahre in Maria Bildhausen. Als Schwester Silvia 1978 nach Maria Bildhausen kam, begann man gerade mit der groß angelegten Sanierung der Wohnhäuser. Da gab es für sie, die im Büro arbeitete, natürlich viel zu organisieren.

„Die Menschen sind nicht mehr so religiös verankert wie früher.“
Schwester Katharina Wildenauer, Generaloberin

Schwester M. Talida Kobold kam 1955 nach Ursberg und besuchte zwei Jahre die Schule. 1957 begann die Vorbereitungszeit fürs Kloster, 1960 wurde sie eingekleidet. Lange Jahre war sie in Ursberg Gruppenleiterin, wechselte 1984 nach Breitbrunn und kam 2002 nach Maria Bildhausen, wo sie in der Küche Verantwortung trug. Auch sie macht deutlich, dass sie das klösterliche Leben inmitten der Natur vermissen wird. Andererseits kenne sie viele ihrer Mitschwestern in Ursberg von früher, sagt Schwester Talida. „Dort war ich ja 40 Jahre lang.“ Daher freue sie sich nun auch wieder auf das Leben in der Gemeinschaft in Ursberg.

Schwester Werenfried war mit einer Unterbrechung insgesamt 20 Jahre in Maria Bildhausen tätig. Als sie mit 16 Jahren nach Ursberg kam, hatte sie die Mittlere Reife in der Tasche und ließ sich zur Unterrichtshilfe im Werkunterricht von Sonderschulen ausbilden. Danach arbeitete sie heilpädagogisch mit Menschen, die ein geistiges Handicap hatten. Ab 1981, als man in Maria Bildhausen mit dem Bau der Behinderten-Werkstätten begann, war ihr Know-how hier im Kloster gefragt.

1992 bis 2000 brauchte man sie wieder in den Werkstätten in Ursberg. Sieben Jahre lang war sie Oberin in Breitbrunn und betreute dort die Seniorengruppe mit. Im Jahr 2007 kam sie nach Maria Bildhausen zurück.

Die Ordensfrauen im Jahr 1908 bei der Getreideernte in Maria Bildhausen. Foto: Repro: Anton Then
Maria-Bild. Sommerf. 3
Schwester Nikoleta 2004 bei ihrer Rundfahrt mit Chauffeur Bruno im Motorradbeiwagen. Foto: ArchivThen

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