HAßFURT

Diese Taten sprechen nicht für alle

Bestürzung und Anteilnahme zu den Ereignissen in Köln: Durch die Initiative von Mohammed (Mitte) haben syrische Flüchtlinge aus dem gesamten Landkreis am Freitagmittag in Haßfurt öffentlich Stellung bezogen.
Bestürzung und Anteilnahme zu den Ereignissen in Köln: Durch die Initiative von Mohammed (Mitte) haben syrische Flüchtlinge aus dem gesamten Landkreis am Freitagmittag in Haßfurt öffentlich Stellung bezogen. Foto: Anna Baum

„Wir sind gegen Sexismus“ – das konnte man am Freitagmittag auf den Schildern vieler junger syrischer Flüchtlinge lesen. Der 25-jährige Mohammed aus Damaskus, derzeit untergebracht in Eichelsdorf, hat als Reaktion auf die Geschehnisse in Köln mit Freunden und Bekannten eine Kundgebung organisiert. „Wir waren geschockt, als wir von den Ereignissen in Köln gehört haben“, sagte Mohammed, der mit dieser Aktion auf dem Haßfurter Marktplatz einerseits sein Mitgefühl ausdrücken wollte, andererseits vor Ort aufklären möchte: „Die Taten Einiger sprechen nicht für alle.“

Um ihren Respekt gegenüber Frauen deutlich zu machen, verteilten junge Männer Blumen unter den Passanten. Besonders wichtig war dem Organisator eines: „Wir sind nicht so – Wir respektieren Frauen.“

Kein Verständnis für die Täter von Köln haben die Flüchtlinge, die in der Umgebung von Haßfurt untergebracht sind. Es bezogen auch einige junge Frauen Stellung dazu: „Wir fordern, dass die Täter sofort Deutschland verlassen müssen. Sie haben sich wie Tiere benommen.“

Schwarze Schafe gebe es leider überall. Der syrische Betriebswirt Abdullah sieht das Problem jedoch an anderer Stelle: Unglücklicherweise könne aktuell jeder gegen ein bisschen Geld an einen syrischen Pass kommen. Das heißt, dass nicht alle von der Polizei festgenommene Täter mit syrischem Pass im Rückschluss wirklich Syrer seien.

„Das ist ein großes Problem“, findet auch Katharina Schmidt vom Freundeskreis Asyl Hofheim. „Mit den Taten in Köln hat sich auch die Sichtweise auf Flüchtlinge in der Öffentlichkeit gewendet und Schaden genommen“, so Schmidt. Junge Männer wie Mohammed und Abdullah möchten nicht, dass das erst rege Interesse der Menschen an ihnen in Angst umschlägt.

Die ist nämlich bisher unbegründet: Laut Aussage der Polizei gab es noch keinen einzigen mit Köln vergleichbaren Fall im Haßbergkreis. Stattdessen konnte man am Freitagmittag auf dankbare Menschen treffen. Selbst durch das unbequeme Wetter mit Schneetreiben ließ sich die große Gruppe von gut und gerne 50 Flüchtlingen nicht davon abhalten, dem Landkreis Haßberge und ganz Deutschland gegenüber ihre Dankbarkeit für die erbrachte Hilfe auszudrücken.

Viele von ihnen empfinden große Scham, finanzielle Unterstützung vom Staat, also von den Deutschen, anzunehmen, erzählten die jungen Flüchtlinge. Sie sind es gewohnt, für ihren Unterhalt zu arbeiten – und das ist auch hier in Deutschland ihr Ziel.

Durch Aktionen wie diese Kundgebung wird deutlich: Es handelt sich hier um schutzbedürftige Menschen, die vor Terroristen geflohen sind. In ihrer Heimat regiert die Angst, ihre Häuser und Städte sind zerstört. Selbst vor Moscheen macht der „IS“ nicht halt. Das zeige für den ehemaligen Jura-Studenten Mohammed deutlich, dass der „IS“ nichts mit seiner Religion zu tun hat. „Ich verstehe, dass es für euch schwer ist, den Islam von der IS-Ideologie zu trennen, aber wir sehen den Unterschied“, sagt er. Es gibt klare Passagen im Koran, die gegen das grausame Handeln und die Ideologie des „IS“ sprechen. Es gehe den Führern dort nur um Geld und Macht.

Auch das Frauenbild ist ein anderes, als es der „IS“ propagiert. Das haben die vielen anwesenden Syrer am Freitagmittag versucht, deutlich zu machen. „Es freut mich, dass es für sie selbstverständlich ist, unsere Gesellschaftsstandards als ihre anzunehmen“, sagte Haßfurts Bürgermeister Günther Werner, der neben einigen Mitgliedern der lokalpolitischen Prominenz ebenfalls zur Kundgebung auf den verschneiten Marktplatz gekommen war. Auch für Landrat Wilhelm Schneider ist es wichtig, dass nicht alle über einen Kamm geschoren werden.

Im Namen aller syrischen Flüchtlinge im Landkreis Haßberge dankten Mohammed und Abdullah abschließend allen für die ihnen entgegengebrachte Akzeptanz, ihre Hilfe und ihre Unterstützung dabei, Arbeit zu finden: „Wir können allen Menschen hier nicht genug danken“.

Klare Ansagen der Flüchtlinge gegen die frauenfeindlichen Übergriffe der Kölner Silvesternacht: Sexismus? Nicht mit uns.
Klare Ansagen der Flüchtlinge gegen die frauenfeindlichen Übergriffe der Kölner Silvesternacht: Sexismus? Nicht mit uns. Foto: Anna Baum
Eine klare Botschaft an die Politik hatten diese weiblichen Flüchtlinge mitgebracht.
Eine klare Botschaft an die Politik hatten diese weiblichen Flüchtlinge mitgebracht. Foto: Anna Baum

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