BUNDORF

Dorf stirbt. Dorf lebt.

Semesterarbeit: Für seine Dokumentation der ländlichen Entwicklung am Beispiel Bundorfs hat der Student Johannes Kiefer eine Eins erhalten. Jetzt gibt es die Arbeit als Buch.
Dörfer sterben. Dörfer leben
Offensichtlich: Viele Fotos zeugen vom Verfall. Doch Johannes Kiefer fand auch Motive, die für Zukunft stehen. Foto: Johannes Kiefer

Grauer Himmel, kahle Bäume und Brauntöne: Der Herbst lässt die Bilder von menschenleeren Straßen, verlassenen Häusern und vor sich hin rostenden Maschinen noch trister erscheinen. Auch sonst sind es keine Postkartenmotive, die Johannes Kiefer vor gut einem Jahr mit der Kamera in und um die sechs Ortschaften der Gemeinde Bundorf eingefangen hat. Manche seiner Aufnahmen erschließen sich erst bei näherem Hinsehen, mit dem Wissen um die Absicht des Fotografen.

Für eine Semesterarbeit im Studiengang Kommunikationsdesign an der Fachhochschule (FH) für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt hatte der junge Mann nach einem Thema gesucht. Bei der Recherche stieß er im Internet auf ein Zeitungsinterview mit Bürgermeister Hubert Endres über dessen Bemühungen, etwas gegen den Rückgang der Einwohnerzahl in seiner Gemeinde zu unternehmen.

Das fand der Würzburger, Jahrgang 1989, sehr spannend. Er entschied sich, anhand von Bundorf beide Aspekte der Situation im ländlichen Raum darzustellen: den Einwohnerschwund einerseits, und dass Menschen auch in Zukunft hier leben wollen andererseits. „Dörfer sterben. Dörfer leben“ überschrieb er schließlich seine Arbeit, die mit einer Eins bewertet wurde und jetzt in einer Kleinstauflage als Buch erschienen ist.

Menschenleere Ortschaften

Vier-, fünfmal war Johannes Kiefer mit der Kamera im Gemeindegebiet unterwegs. Jeweils einen ganzen Tag lang durchstreifte er zu Fuß die Dörfer und ihre Umgebung. Gestartet ist er immer „komplett ohne Plan“, wie er selbst sagt, „ich habe einfach geschaut, was mich erwartet“. Auch die Jahreszeit war nicht bewusst gewählt, der zeitliche Rahmen hatte sich einfach durch das Semester ergeben. Allerdings räumt der junge Fotograf ein, dass die triste Stimmung besser zum ersten Teil des Themas gepasst hat, „als wenn alles blüht und fröhlich ist“.

Das Leben, das Neue darzustellen, sei schwierig gewesen. Kiefer versuchte das nach eigenem Bekunden hauptsächlich durch Aufnahmen von Menschen. Wobei er die Dörfer als „sehr menschenleer“ erlebt hat, auch nachmittags, und nicht nur wegen der Jahreszeit. Er habe nur wenige Leute getroffen, vor allem ältere, aber die meisten von ihnen seien freundlich und offen gewesen – und hatten nichts dagegen, sich fotografieren zu lassen.

Und trotz so mancher Stellen in den Dörfern, an denen der Verfall offensichtlich war, fand der junge Mann Motive, die für Zukunft stehen. Neue Häuser, Spielplätze, Gemeinschaftshäuser zum Beispiel. Eine reizvolle Verbindung von alt und neu war für ihn die Photovoltaikanlage auf einer Scheune. Diese Aufnahme unterstreicht zudem seine Vorliebe für eine plakativ-zentrale Perspektive. Auch Fachwerkhäuser haben es ihm angetan, zumal wenn sie stilgerecht saniert worden sind.

Schöne Kirchen

„Besonders gut gefallen haben mir die Kirchen“, erzählt Johannes Kiefer, „wie sie innen neu gemacht sind“. Zudem hat der Fotograf „viele schöne Angebote“ entdeckt, allen voran den Zeltplatz bei Schweinshaupten mit dem See zum Baden. „Natur komplett“, schwärmt er. Nicht zu vergessen die Aufnahmen von gut gepflegten Sportplätzen, die ebenfalls für das Leben stehen.

Durch seine Touren durch die Gemeinde Bundorf hat Johannes Kiefer die Vorzüge der Gegend schätzen gelernt. Fast schon so etwas wie Verbundenheit spricht aus seinem Vorwort im Buch. Sogar die Abgeschiedenheit hat was: „Hier ist es auf jeden Fall sehr ruhig“, sagt er, „eine Abwechslung zur Stadt“. Kiefer, der sein Studium inzwischen abgeschlossen hat und freiberuflich als Fotograf arbeitet, kann sich sogar einen Zweitwohnsitz hier vorstellen, „vielleicht, wenn ich mal älter bin und es mir leisten kann“.

Erhältlich sind die Bücher in begrenzter Zahl in der Bäckerei Schilling in Bundorf und im Blumenhaus Heurung in Stöckach. Einen Einblick gibt's auf der Internetseite des Fotografen: johannes-kiefer.de/books/

Dörfer sterben. Dörfer leben
. Foto: Johannes Kiefer
Von außen betrachtet: Student Johannes Kiefer hat mit der Kamera Eindrücke gesammelt in Bundorf und den anderen fünf Gem...

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