HAßFURT

Ein Arzt für die Ärmsten der Armen

Doris Fery, stellvertretende Vorsitzende von „Haßfurt hilft“, traf bei ihrem Besuch in Albanien unter anderem auf Jessica (2. von links) und deren Geschwister. Das Mädchen hat sich als Kleinkind schwere Verbrennungen an einem gefährlichen Heizofen zugezogen. Foto: Doris Fery

Das Wetter ist angenehm mild, als Doris Fery, stellvertretende Vorsitzende von „Haßfurt hilft“, Ende Oktober den Flughafen von Pristina/Kosovo verlässt. Von dort geht ihr zweistündiger Weg nach Dushaj im Landkreis Tropoje. An der Grenzstation wird ihr Reisepass von den Beamten besonders gründlich gecheckt, denn es kommt nicht oft vor, dass eine Deutsche ohne männliche Begleitung von Serbien nach Albanien einreist. Ihr Ziel ist die Missionsstation der Franziskanerinnen weit im Norden des Landes. Hier unterstützt der Haßfurter Verein Schwester Evangerline, die Leiterin der Station, und deren Mitschwestern Lia und Lirie.

Fortschritte und alte Probleme

Doris Fery konnte sich an den fünf Tagen, die sie dort verbrachte, unter anderem ein Bild davon machen, wie sich die Infrastruktur seit ihrem Besuche im vergangenen Jahr gewandelt hat. Auffällig sind das neue Wasserwerk und die geteerten Hauptverkehrsstraßen. Dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass eine Autofahrt nach wie vor gefährlich ist. Plötzlich auftauchende, ungesicherte, tiefe Löcher mitten in der Straße und fehlende Leitplanken an steilen Abhängen lassen die Fahrt zum Abenteuer werden. Überhaupt keine Verbesserung feststellen kann Fery bei der Versorgung der Bevölkerung mit Strom und fließend Wasser. Die ist katastrophal. Kabel hängen in den armseligen Hütten mit offenen Drähten von der Wand. Wird Strom gebraucht, werden die Drähte miteinander verknotet. Das ist lebensgefährlich. Das Wasser wird aus einer nahen Quelle geschöpft und Holz ist in dieser Region so teuer, dass es sich die wenigsten leisten können, um damit zu heizen oder zu kochen. Deshalb kommen kleine, auf dem Boden stehende Öfen mit Heizspirale zum Einsatz. Das ist besonders für Kinder sehr gefährlich, denn wenn sie damit in Berührung kommen, erleiden sie schlimme Verbrennungen. Das Problem kennen die Nonnen nur zu gut. Mit der Verteilung von Medizin kommen sie kaum nach.

Teures Gesundheitssystem

Deshalb sind Antibiotika und Medizin gegen Brandverletzungen der größte Posten, den „Haßfurt hilft“ an Medikamenten nach Dushaj sendet. Das Gesundheitssystem in Albanien ist laut Fery die reinste Katastrophe. Ein angemeldeter Arbeiter verdient am Tag 1000 Lek – das sind 8 Euro. Der Renten- und Krankenversicherungsbeitrag hingegen kostet umgerechnet 50 Euro im Monat.

Arbeit gibt es in der Region kaum. Wenn jemand einen Job ergattert, dann oft ohne Registrierung, das heißt auch ohne Krankenversorgung für sich und die Familie. Ärztliche Versorgung könne sich diese Familien somit kaum leisten.

„Haßfurt hilft“ setzt sich für die medizinische Versorgung der Bevölkerung ein. Dies betrifft 29 Dörfer im Umkreis, die von den Nonnen in Dushaj betreut werden. Die Missionsstation verfügt seit Ende Oktober offiziell über die Lizenz für eine Ambulanz innerhalb der Station.

Gynäkologin gesucht

Hier arbeitet ein Arzt zusammen mit einer Krankenschwester dienstags und donnerstags jeweils für vier Stunden. Die Behandlungen sind kostenlos und werden mit Spendengeldern von „Haßfurt hilft“ finanziert. Darauf ist der Vorstand des Vereins stolz. Doch neben der allgemeinärztlichen Versorgung werden auch Spezialisten benötigt. So arbeitete während des Aufenthalts von Doris Fery auch ein italienischer Zahnarzt unentgeltlich für eine Woche. Der Ansturm an Patienten war enorm. Ganz dringend benötigt werde eine Gynäkologin, berichtet Schwester Evangeline, die sich für die vielen Spenden aus dem Haßbergkreis bedankt. Sie hofft, dass sich eine Ärztin findet. Das wäre der Hauptgewinn für die albanischen Frauen im Norden.

Wer die Arbeit von „Haßfurt hilft“ finanziell unterstützen möchte, kann dies tun unter IBAN DE16 7935 0101 0190 4109 10, BIC BYLADEM1KSW, Kennwort Dushaj.

Selbst ist die Nonne: Sr. Lia und Sr. Lirie reparieren ihr Auto notfalls ohne weitere Hilfe. Foto: Doris Fery

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