KÖNIGSBERG

Ein Leben für die Vierbeiner

In Königsberg kennt jeder das Tillyhaus: Einst wohnte hier Johann Tserclaes Tilly, ein bedeutender militärischer Führer des 30-jährigen Krieges. Vor 15 Jahren wurde das denkmalgeschützte Gebäude dann von Vierbeinern erobert: Tierschützerin Hertha Stumpf kaufte das Haus mit ihrem Mann Gert und richtete es als Asyl für entlaufene und ausgesetzte Katzen ein.
Eine Katzendame wirft vom ersten Stock des Tillyhauses aus einen Blick auf den Salzmarkt in Königsberg.
Eine Katzendame wirft vom ersten Stock des Tillyhauses aus einen Blick auf den Salzmarkt in Königsberg. Foto: FOTOs (2) stefan burkard

„Ich habe schon immer ein Herz für Tiere und kümmere mich seit 40 Jahren um Katzen“, sagt Hertha Stumpf. „Mein Engagement erklärt sich aus Mitleid für die Vierbeiner, die sich nicht selbst vertreten können.“ Sie ist die 2. Vorsitzende des Vereins Tiere in Not. „Die 1. Vorsitzende und ich haben uns die Arbeit geteilt: Sie kümmert sich um die Hunde, ich um die Katzen.“

Und das mit Leib und Seele: Alleine die Tierarztkosten belaufen sich monatlich auf rund 1000 Euro, sodass die Tierschützerin und ihr Mann „den größten Teil der Rente für die Tiere ausgeben“. Und weil auch die Sponsorengelder und Mitgliedsbeiträge des Vereins „vorne und hinten nicht reichen“, steht Hertha Stumpf jedes Wochenende am Flohmarkt in Würzburg und verkauft Kleider, Porzellan und Geschirr – gespendet von Tierliebhabern.

Pendeln für die Katzen

Zusammen mit ihrem Mann pendelt Hertha Stumpf zwischen Schweinfurt, Burgpreppach und Königsberg: In Schweinfurt wohnt sie, in Burgpreppach steht das Elternhaus – wo elf Katzen leben – und in Königsberg das Tillyhaus, das eigentlich Katzenhaus heißen müsste. „Wir kannten die Besitzerin, die selbst zehn Katzen besaß“, erklärt Stumpf, „und nach deren Tod kamen wir auf die Idee, das Haus zu kaufen und vorübergehend als Katzenasyl herzurichten.“

Aus der Übergangs- wurde allerdings eine Dauerlösung, weil immer mehr Katzen das Haus belagerten. Um die Versorgung und Pflege der Tiere in Königsberg kümmert sich Christa Judis. Sie ist eine Bekannte von Hertha Stumpf und nahm schon in Schweinfurt einige Katzen privat bei sich. „Nach der Trennung von meinem Mann kamen wir auf die Idee, dass ich im Tillyhaus einziehe und mich dort um die Katzen kümmere“, sagt Judis. Seit nunmehr zehn Jahren arbeitet sie „bis tief in die Nacht“ für die Tiere. „Auch bei mir ist es das Mitleid: Sie werden irgendwo ausgesetzt oder verletzt, als ob sie überhaupt nichts zählen würden.“

Große Not in der Kasse

In Königsberg haben die Vierbeiner viel Freiheit und können jederzeit über den Garten raus und das Dorf erkunden. „Wir wollen die Katzen nicht einsperren, sondern ihnen ein angenehmes Leben bereiten“, erklärt Stumpf. Manchmal bekommt sie jedoch Zweifel. „Wenn wir eine schwere Zeit durchleben und selbst wenig zum Leben haben, erscheint es fast ein wenig albern, dass wir uns für die Tiere aufopfern“, gesteht sie.

Sie kann jedoch nicht anders – seit der Aufgabe ihres Geschäftes ist der Tierschutz zum neuen Lebensinhalt geworden. Neben den Aufgaben rund um die Katzenhäuser kümmert sie sich mit ihrem Mann um verwilderte Katzen: Das Ehepaar fährt regelmäßig Stationen in Hohnhausen, Fitzendorf und Burgpreppach an, um Futter für die Tiere bereitzustellen. In Krisenzeiten erhält das Ehepaar Unterstützung vom Tierschutzverein Würzburg – „die helfen immer in Notsituationen“, lobt Hertha Stumpf. Daneben kann sie sich auch auf ihre Kinder verlassen. „Die Beiden spenden oft etwas und bringen Katzenfutter mit, wenn sie uns besuchen kommen.“

Minz und Maunz auf der Suche

Richtig helfen würde den Stumpfs eine hohe Quote bei Katzenvermittlungen: Zu oft bleiben die Erstbesucher des Tillyhauses immer da. „Nur die kleinen Katzen sind begehrt, die Älteren will niemand haben“, beklagt Stumpf. Besonders nicht, wenn ein Bein fehlt oder der Schwanz verletzt ist. Zwei Pflegekatzen liegen ihr besonders am Herzen: Die im Dezember im Wald ausgesetzten Katzen Minz und Maunz (wir berichteten) suchen dringend ein Zuhause. „Die beiden sind geimpft und entwurmt und wollen zusammen bleiben“, sagt Stumpf.

Den Täter hat das Ehepaar mittlerweile überführt. „Er ist angeklagt und muss mit einer hohen Geldstrafe rechnen.“ Leider sei diese Verantwortungslosigkeit keine Seltenheit. „Besonders nach Weihnachten bekommen wir viele Notrufe – dann nämlich, wenn Leute Katzen geschenkt bekommen, die sie nicht wollen.“ Den Kampf gegen solch ein Verbrechen will Hertha Stumpf aber auch in Zukunft nicht aufgeben.

Falls Sie eine Katze aufnehmen oder eine Patenschaft übernehmen wollen, melden Sie sich bei Hertha Stumpf unter der Tel. (0 97 21) 88 92 5 oder Tel. (0 95 34) 238; Geldspenden bitte auf das Konto von Hertha Stumpf, Tiere in Not, Sparkasse Schweinfurt, Nummer 80 06 28 88.

Hertha Stumpf sitzt mit Katze Maunz im Tillyhaus in Königsberg. Maunz wurde im Dezember im Wald ausgesetzt und von der Tierschützerin aufgepäppelt – jetzt könnte sie vermittelt werden.
Hertha Stumpf sitzt mit Katze Maunz im Tillyhaus in Königsberg. Maunz wurde im Dezember im Wald ausgesetzt und von der Tierschützerin aufgepäppelt – jetzt könnte sie vermittelt werden.

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