HAßFURT

Ein seltener Beruf sorgt für Geborgenheit und Würde

Einschlagtücher sollen eine würdevolle Verabschiedung eines verstorbenen Kindes ermöglichen. Foto: Günther Geiling

Seit einigen Jahren gibt es neue Wege der Geburtsbegleitung mit einer Doula, die zusätzlich zur Hebamme für eine Geburt in Geborgenheit und Würde sorgt. Das Wort „Doula“ kommt aus dem Altgriechischen und wird mit „Dienerin einer Frau“ übersetzt. Sie dient einer Frau vor, während und nach der Geburt. Die 40-jährige Steffi Wohlleben aus Haßfurt ist bisher die einzige Doula im weiten Umkreis von Haßfurt.

Wie sind Sie zu diesem Dienst gekommen und wie beschreiben Sie ihre Aufgabe?

Steffi Wohlleben: Ich bin ausgebildete Kinderkrankenschwester und habe selbst drei Kinder, die ich durch selbstbestimmte Geburten zur Welt gebracht habe, gut aufgeklärt durch Hebammen, was ich darf und was ich kann. Das ist sicherlich ein Vorteil. Meine Aufgabe ist es, die Familie achtsam und liebevoll auf ihrem Weg durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu begleiten und für ihr Wohlbefinden zu sorgen.

Wer wendet sich an Sie und wie kann man eine Doula engagieren?

An mich wenden sich Erstgebärende, die nicht wissen, was auf sie zukommt. Oder Frauen, die bei der ersten Geburt vielleicht traumatisiert waren. Aber auch Alleinerziehende oder Papas rufen mich um Hilfe, weil sie hier nicht Bescheid wissen. Oder junge Frauen, die möchten, dass ihre zweite Geburt anders werden soll.

Wie funktioniert dabei die Zusammenarbeit einer Hebamme mit einer Doula?

Ich begleite Frauen oder Paare im Kreißsaal, Geburtshaus oder zu Hause in Haßfurt, Schweinfurt, Bamberg und auch weiter weg. Das gemeinsame Ziel von Hebammen und Doulas ist es, ein achtsames und schönes Geburtserlebnis zu ermöglichen.

Doulas begleiten auch besondere Geburten wie Früh- und Fehlgeburten, Geburten von Kindern mit Behinderung, Frauen in besonderen Lebenssituationen oder auch Geburten von Sternenkindern. Wie muss man sich das vorstellen?

Ich habe eine extra Fortbildung für Sternenkinderbegleitung absolviert, denn man muss in einem solchen Falle viel Aufklärungsarbeit betreiben. Die werdende Mutter hat immer einen Anspruch auf Hebammenbegleitung, egal in welcher Schwangerschaftswoche die stille Geburt stattfindet.

Meine Aufgabe ist mehr emotionaler Art, die Eltern in dieser schweren Zeit zu begleiten und individuell zu schauen, was sie brauchen und möchten.

Das geht von einfach nur da sein und zuzuhören bis zur Aufgabe, den Sternenkinderfotografen anzurufen, Einschlagdecken oder Kleidung zu besorgen oder mit dem Bestatter Kontakt aufzunehmen. Außerdem gibt es für die Familien auch ein „Sternenkinder-Andenken“: eine Kerze, einen Anhänger oder ein kleines Kuscheltier.

Gedenktag für verstorbene Kinder: 8. Dezember

Die Zahl der Totgeburten ist in Deutschland vergleichsweise gering. Laut Statistischem Bundesamt gibt es hier pro Jahr etwa 3000 Totgeburten, circa 4000 Schwangerschaftsabbrüche aus medizinischen Gründen, rund 100 000 Fehlgeburten, wobei die Dunkelziffer vermutlich doppelt so hoch ist, und rund 100 000 Schwangerschaftsabbrüche aus sozialen Gründen. Den 800 000 lebend geborenen Babys stehen also über 200 000 Sternenkindern gegenüber. Ihre Mütter werden verwaiste Mütter genannt.

Alljährlich am zweiten Sonntag im Dezember findet das „weltweite Kerzenleuchten“ als eine Art „Weltgebetstag für verstorbene Kinder“ statt. Erstmals laden aus diesem Anlass die Malteser im Landkreis Haßberge Angehörige und Betroffene für den 8. Dezember (2. Adventssonntag) um 16 Uhr in die Dorfkirche von Limbach ein. Sie wollen damit einen Beitrag leisten, ein überaus schwieriges Thema anzusprechen, über das Betroffene, Angehörige und Freunde nicht leicht ins Gespräch kommen. Anschließend ist auch ein Gedankenaustausch im Pfarrheim geplant. Für Geschwisterkinder wird dabei eine Betreuung angeboten.

Lesen Sie dazu auch das Interview mit einer Hebamme

Doula Steffi Wohlleben sprach über den Umgang mit Eltern von Sternenkindern. Foto: Günther Geiling

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