BAMBERG

Eine Schule, in der junge Menschen freiwillig lernen

Lernen in einer entspannten Atmosphäre: Schulleiter Roland Baunach (links) trifft in den Pausen gern mit den Schülern zusammen.
Lernen in einer entspannten Atmosphäre: Schulleiter Roland Baunach (links) trifft in den Pausen gern mit den Schülern zusammen. Foto: Marion Krüger-Hundrup

In welcher Schule gibt es das noch? Gut gelaunte Schüler, die keine Probleme mit Disziplin und Lerneifer haben. Lehrer, die mit ihrer Arbeit hoch zufrieden sind. Vielfältige Angebote gegen den Tunnelblick aus den Bereichen Literatur, Theater, Musik, Sport oder Erlebnispädagogik. Über 300 Abiturienten pro Schuljahr. Und einen Direktor, der sagen kann: „Bei uns geschieht alles freiwillig.“

Diese wundersame Lehranstalt befindet sich in der Ohmstraße 17 und nennt sich „Berufliche Oberschule Bamberg“, die einzige ihrer Art in der Region mit rund 750 Schülern zwischen 16 und 26 Jahren. „Sie haben sich bewusst für unsere Schule entschieden, bewusster, als dies in einer 5. Klasse möglich ist“, erklärt Direktor Roland Baunach. Wie sein Stellvertreter Uwe Bauder ist er von dieser Schulart fasziniert, weil sie jungen Menschen einen „organischen Weg zum Studium und Beruf ermöglicht“.

Zwei Schulen unter einem Dach

Dabei sind es eigentlich zwei Wege, die beschritten werden können. Denn es befinden sich gleich zwei Schulen unter einem Dach: die Fachoberschule (FOS) für Schüler mit einem mittleren Schulabschluss und die Berufsoberschule (BOS) für Schüler mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Die vier Fachrichtungen Internationale Wirtschaft, Wirtschaft und Verwaltung, Sozialwesen und Technik bilden die Schwerpunkte. Natürlich kommen für alle auch Fächer wie Deutsch, Englisch, Mathematik, Biologie oder Geschichte dazu. Als Abschlüsse können die Allgemeine Fachhochschulreife, die Fachgebundene Hochschulreife oder die Allgemeine Hochschulreife erworben werden (letztere nur mit einer zweiten Fremdsprache).

Lena (19), Ralf (19) und David (18) etwa kommen von der Realschule und brüten derweil im Unterricht der Klasse „Internationale Wirtschaft 13“ über „International business service“. Sie tun dies weder unwillig noch genervt, sondern wirken völlig entspannt. „Die Lehrer achten auf Stärken und Fähigkeiten“, sagt David zum Beispiel. Und Ralf empfindet die „unabhängigere Erziehung und Vorbereitung auf das Studium“ als sehr wohltuend.

Auch Lena findet, dass „man hier mehr auf?s Leben vorbereitet wird“. Aussagen, die Lehrerin Kerstin Maier unkommentiert, aber lächelnd zur Kenntnis nimmt. Sie hat auch einen freundlichen Blick für Jonas (24), der „hohe Anforderungen in der 12 und 13“ anführt und sich „noch nicht so richtig vorbereitet“ sieht. Er hat schon eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert, will jetzt das Abitur machen und studieren. So wie Siegfried (26), dem sein bisheriger Status als gelernter IT-Assistent nicht genug ist und sich für ein Studium umorientiert hat: „Ich habe es nicht bereut!“ strahlt der junge Mann.

Maßgeschneidertes Angebot

„Unser größtes Anliegen ist, den Schülern ein maßgeschneidertes, biografiebezogenes Angebot zu machen“, führt Direktor Baunach eine Besonderheit der Schule an. Zumal diese seit 1970 existierende Schulart keine Pflicht, sondern ein Angebot sei: „Wir sind eine Schule für Erwachsene, die älteren Schüler sind autonom und nehmen ihre Dinge selbst in die Hand.“

Um dieses Angebot bekannt zu machen – „auch bei den Eltern“ – werde eng mit allen Realschulen zusammengearbeitet: „Kerstin Mayer ist dabei unsere Frontfrau“, lacht Baunach. Stellvertreter Bauder ergänzt, dass „Schüler zu uns kommen sollen, die für unsere Schule geeignet sind“.

Und wenn jemand das für sich herausfinden wolle, könne er sowohl in der FOS wie in der BOS samstags einen Vorkurs besuchen: „Darin können unsere Anforderungen kennengelernt werden, während man noch in der anderen Schule ist.“ Zugleich verschaffe der Vorkurs ein gutes Fundament für die 11. Klasse.

Kein Schulgeld

In der 11. Klasse sind die jungen Damen und Herren das halbe Schuljahr im Fachpraktikum, um Praxiserfahrungen zu sammeln. Bei allem stehen Beratung und Betreuung im Vordergrund, wie die Schulleiter hervorheben. Ein eigener Beratungslehrer und eine Schulpsychologin stehen bereit, um auch Belastungen durch Lebenssituationen aufzufangen – etwa wenn ein Schüler Familie und Abiturwunsch vereinbaren muss.

Die Berufliche Oberschule Bamberg mit ihren beiden Zweigen ist eine staatliche Einrichtung und erhebt kein Schulgeld.

Noch besteht die Möglichkeit, sich für das kommende Schuljahr anzumelden. Anmeldeunterlagen finden sich online unter www.bos-bamberg.de. Die Website wird derzeit erneuert und bietet noch keine weiteren Informationen. Bis Schuljahresende ist das Sekretariat erreichbar unter Tel. (09 51) 9 12 60, E-Mail: mail@bos-bamberg.de.

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