KREIS HASSBERGE

Eine halbe Million Euro Schaden

Fotoserie

Unwetter in Zell a.E.

zur Fotoansicht
Hier waren Urgewalten am Werk: Das Dach der roten Halle (links) am Weiki-Hof wurde von der Windhose komplett abgehoben und umgedreht im Hof abgelegt.
Hier waren Urgewalten am Werk: Das Dach der roten Halle (links) am Weiki-Hof wurde von der Windhose komplett abgehoben und umgedreht im Hof abgelegt. Foto: Sabine Weinbeer

Schwere Unwetter waren in diesem Sommer für die Region schon mehrfach angekündigt worden. Während andere Gebiete durch Überflutungen und Sturm schwer gebeutelt wurden, waren der Steigerwald und die Haßberge Region immer glimpflich davongekommen. Doch am vermutlich letzten richtig warmen Sommerwochenende dieses Jahres hat es den Landkreis Haßberge dann doch noch voll erwischt. Am Sonntagabend zwischen 20 und 21 Uhr wütete ein schweres Unwetter im Maintal. Besonders getroffen wurde der so genannte Weiki-Hof in Zell am Ebersberg, wo ein Tornado durchzog.

Mit Rundfunkdurchsagen, im Internet und auf Videotext hatte der Deutsche Wetterdienst am Sonntag etwa eine Stunde vor dem Eintreffen der Kaltfront eine Unwetterwarnung der zweithöchsten Warnstufe herausgegeben. Auch der private Wetterdienst Meteomedia hatte auf Unwetter in der Region hingewiesen. Wie eine schwarze Wand kam das Unwetter schließlich aus Richtung Südwest. Zuerst war das Gebiet Gerolzhofen/Donnersdorf betroffen, wo mehrere Feuerwehren ausrücken mussten, um die Straßen von umgestürzten Bäumen zu befreien oder abgedeckte Dächer notdürftig abzudichten. Dann zog der Sturm zwischen Zabelstein und Main hindurch weiter in Richtung Osten – über die Gemarkungen Wonfurt, Knetzgau bis nach Sand.

„Der Main wirkte wie eine Grenze“, stellte Kreisbrandrat Ralf Dressel am Montag fest. Denn nördlich des Flusses, etwa im Raum Hofheim oder Ebern, habe die heranziehende Kaltfront keine nennenswerte Schäden verursacht. Südlich des Mains jedoch, so der oberste Feuerwehrmann des Landkreises, hätten die Feuerwehren teilweise bis tief in die Nacht hinein zu tun gehabt.

Der relativ wenige Regen und die vereinzelten Hagelschauer fielen kaum ins Gewicht. Das Problem waren heftige Windböen, die laut Wetterdienst in der Spitze Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometer erreichten. Der Sturm richtete schwere Schäden an.

Zahlreiche Feuerwehren wurden in der Folgezeit von der Polizeiinspektion Haßfurt und der Nachalarmierungsstelle der Feuerwehr zum Einsatz gerufen. Am Montagvormittag hat der Haßfurter Feuerwehrkommandant Martin Volpert in der Einsatzzentrale im Gespräch mit dieser Zeitung die lange Einsatznacht Revue passieren lassen: Um 20 Uhr, so Volpert, gingen die ersten Alarme raus. Über Stunden hatten die Floriansjünger zu tun. Die Haßfurter Wehr zum Beispiel, die zur Hilfeleistung in den besonders betroffenen Gebieten ausgerückt war, kehrte erst gegen 1.15 Uhr in der Früh zum Stützpunkt zurück. Eine kurze Bilanz der Einsätze (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): • Feuerwehren Dampfach und Obertheres: Beseitigung von Bäumen und großen Ästen von der Autobahnabfahrt zur A 70 bei Horhausen und vom Autobahnzubringer. Außerdem Beseitigung von umgestürzten Verkehrsschildern. • Feuerwehr Knetzgau: mehrere teilweise abgedeckte Dächer. • Feuerwehr Sand am Main: umgestürzter Baum und abgedeckte Dächer. • Feuerwehr Steinbach: Beseitigung großer Äste im Bereich des Golfplatzes. • Feuerwehren Ebelsbach und Rudendorf: Beseitigung von Sturmschäden. • Feuerwehr Ottendorf: Beseitigung von Sturmschäden.

Das Technische Hilfswerk Haßfurt und die Feuerwehren aus Haßfurt, Zell, Sand und Zeil waren im Großeinsatz in Zell am Ebersberg – insbesondere im sogenannten Weiki-Hof. Dort war offenbar eine Windhose, ein kleiner Tornado, quer durch das große Anwesen gezogen.

Die Familie Endres und ihre Mitarbeiter stehen am Montagvormittag wie unter Schock vor den Trümmern zwischen den beiden großen Hallen. „Das hat maximal zwei Minuten gedauert, fürchterlich gepfiffen, dann war es schon vorbei“, berichtet Franziska Endres von dem kurzen Moment am Sonntagabend, der für den Betrieb ihrer Familie einen enormen Schaden bedeutet. Mitten in der Apfelernte ist die große Produktionshalle ohne Dach, das Dach der zweiten Halle daneben ist schwer beschädigt, eine Schneise der Verwüstung zieht sich durch die Obstplantage.

Die Dachkonstruktion der Halle, in der die Trockenfrüchte des Weiki-Hofes entstehen, wurde von der Windhose komplett abgehoben – mit der gesamten Balkenkonstruktion. Der größte Teil liegt nun als Schuttberg zwischen den beiden Hallen im Hof. Nur ein großer Kran wird hier Räumarbeiten leisten können. Auch in der Wiese hinter einer der Hallen liegt ein großes Stück Blechdach. Von der Halle hängen Teile des Blechdachs wie Stofffetzen.

In der Obstplantage hinter dem Haus kann man nachvollziehen, welchen Weg der Tornado genommen hat. Wie Streichhölzer wurden ganze Reihen von Apfelbäumen einfach geknickt – und die Metallstangen, an die die Stämme angebunden waren, gleich mit.

Seniorchef Alois Endres hielt sich während des Sturm in der weniger beschädigten Halle auf. Glücklicherweise ging er nicht nach draußen, denn draußen herrschte akute Lebensgefahr. Dort flogen neben Teilen der Dächer auch halbe Bäume durch die Luft. Und das große Trampolin, das aus dem Privatgarten der Familie Endres über die hohe Hecke gehoben wurde. Etwa hundert Meter weiter kam es auf einer Wiese zum Liegen.

Das Dach des Wohnhauses der Familie Endres wurde ebenfalls beschädigt, von der Feuerwehr nachts noch notdürftig geschlossen. Die Familie Endres ist den Feuerwehrleuten und dem Technischen Hilfswerk sehr dankbar für die schnelle Hilfe am Sonntagabend. Die Bilanz der Verwüstung ist allerdings vernichtend: Auf eine halbe Million Euro schätzt die Polizei Haßfurt den entstandenen Schaden.

Vergleichsweise harmlos dagegen die anderen Schäden: In den Gemeinden Knetzgau und Sand wurde mehrere Dächer an Häusern abgedeckt. Der Schaden beläuft sich hier nach Schätzungen der Polizei auf rund 30 000 Euro. Mehrere geparkte Fahrzeuge im Raum Hainert und Theres wurden zudem durch herabfallende Äste und Ziegel beschädigt.

Insgesamt haben die Freiwilligen Feuerwehren am Sonntagabend an die 30 Einsätze gefahren, wie Kreisbrandrat Ralf Dressel am Telefon sagte. Und wenn man dem zerstörerischen Sturm noch etwas Gutes abgewinnen will, dann dies: Es wurde niemand verletzt.

Hochgewirbelt: Dieses Trampolin wurde von der Windhose rund einhundert Meter weit mitgenommen.
Hochgewirbelt: Dieses Trampolin wurde von der Windhose rund einhundert Meter weit mitgenommen.

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!