HAßFURT

Einsam im Alter? In Haßfurt muss das nicht sein

Ministerin Franziska Giffey (2. von links) erhielt am Stand des Haßfurter MGH ein Paar gestrickte Strümpfe „made in Haßfurt“. Mit im Bild von links: Ingrid Thieler, Gudrun Greger und Lisa Geyer. Foto: Sabine Meissner

Einsamkeit im Alter muss nicht sein: Einmal mehr hat das Mehrgenerationenhaus (MGH) in Haßfurt eine hohe Auszeichnung erhalten. Das MGH hatte sich mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen für Senioren beim Wettbewerb „Einsam? Zweisam? Gemeinsam!“ des Bundesfamilienministeriums und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) beworben und am Montag in Berlin den Zweiten Preis in der Kategorie der Mehrgenerationenhäuser erhalten.

Solidarisch Geben und Nehmen

Durch generationsübergreifende und professionell begleitete Angebote könne die ältere Generation im MGH ihre Potenziale für das Gemeinwohl einbringen und die jüngere Generation dies in Form von Unterstützung an die Älteren zurückgeben, würdigen BASOG und Ministerium das „solidarische Geben und Nehmen.“ Im Projekt seien viele Unterstützungsangebote von und für Ältere entstanden, die ein Miteinander der Generationen und den Dialog zwischen Jung und Alt ermöglichen. Zu diesen Angeboten gehören etwa der „Offene Singkreis“ oder „Tanz mit, bleib fit – Tanz der Generationen.“ Es gibt den Computer-Mittwoch, bei dem sich Senioren gegenseitig am PC, Tablet oder Smartphone unterstützen, es gibt ein gemeinsamen Handarbeiten in der Lichtstube. Alt und Jung können sich im Musikkaffee treffen oder bei Malerei und Musik. Ältere Damen und Herren übernehmen Lesepatenschaften für Kinder. In der Gruppe „Boys&Girls@Work“ begeistert ein Ingenieur Kinder für Technik. Das MGH organisiert Nachbarschaftshilfen und Besuchsdienste bei Älteren. Hoch im Kurs stehen laut MGH–Leiterin Gudrun Greger auch Kochkurse, die stets in einem gemeinsamen Mittagessen enden. Gerade alleinstehende ältere Herren, die wenig Erfahrung am Herd haben, würden sich sonst sehr einseitig ernähren, weiß Greger.

Gespräch mit Franziska Giffey

Sie war am Montag zusammen mit ihrer Stellvertreterin Lisa Geier und Bildungs- und Familienpatin Ingrid Thieler nach Berlin gereist, wo die Preisübergabe im Rahmen des Fachkongresses „Einsamkeit im Alter vorbeugen – aktive Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen“ stattfand. Die Freude der Haßfurter Delegation über den Gewinn des zweiten Platzes war groß, zumal sich Gelegenheit bot, mit Familienministerin Franziska Giffey persönliche Worte zu wechseln. Im Rahmen des Kongresses stellte das MGH, so wie andere Teilnehmer auch, das Wettbewerbsprojekt an einem Stand vor.

Die Ministerin besuchte ihn und erkundigte sich über die Haßfurter Herangehensweise. Greger gab gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Lisa Geyer und Ingrid Thieler Auskunft. Von Thieler, die seit der Anfangszeit des MGH ehrenamtlich im Team mitarbeitet, bekam sie die Informationen sozusagen aus erster Hand. Und nicht nur das, denn aus der von ihr initiierten Lichtstube, wo sie mit Menschen jeglichen Alters und unterschiedlicher Herkunft strickt, häkelt und näht, hatte sie auch für die Ministerin Strickstrümpfe dabei.

Socken für die Ministerin

Giffey freute sich über die Socken, die die Haßfurter Frauen eigens für den zehnjährigen Sohn der Familie Giffey gestrickt hatten. Mit den Strümpfen „made in Haßfurt“ gab Thieler der Ministerin auch eine Einladung mit auf den Weg. „Bitte besuchen Sie uns in unserem MGH“, sagte sie, „wir möchten Ihnen gern vor Ort zeigen, wie wir gemeinsam gegen Einsamkeit anstricken“. Giffey gefiel das offenbar. Sie gab zwar keine verbindliche Zusage, aber einen Auftrag an ihren Assistenten, den Besuch in Haßfurt auf das Programm der Sommerreise zu setzen.

Während ihrer Eröffnungsrede am Beginn der Tagung hatte sie gesagt:„Einsamkeit ist ein vielschichtiges Phänomen mit unterschiedlichen Ursachen. Vor allem ältere Menschen sind betroffen und brauchen Unterstützung.“

MGH – für jedermann offen

In Haßfurt existiert mit dem MGH die Möglichkeit, der drohenden Einsamkeit zu entfliehen. Viele ältere Haßbergler nutzen die Angebote bereits und einige machen es wie Thieler, die selbst schon im Seniorenalter ist und sich mit Gleichaltrigen, aber auch jungen Menschen gemeinschaftlich betätigt. „Das MGH steht mit allen ehrenamtlich Engagierten auch denen offen, die bisher noch nicht bei uns waren und gern mitmachen oder etwas Neues einbringen möchten“, betonte Greger.

„Jeder und jede Einzelne kann das im eigenen Lebensumfeld tun: in der Nachbarschaft und sogar in der eigenen Familie“, lauteten die Worte der Ministerin. Einsamkeit vorzubeugen, sei aber auch eine Aufgabe der Gesellschaft, denn es sei „nicht gut, wenn es dem Zufall überlassen bleibt, ob sich jemand kümmert.“

Die Kümmerer sind laut Giffey Impulsgeber und Vorbild für andere, ihr Engagement mache unsere Gesellschaft besser, „im Kleinen wie im Großen“, so die Bundesministerin. Die drei Damen aus Haßfurt berichteten ihrerseits von der Situation vor Ort. „In unserem Rathaus wird unsere Tätigkeit wahrgenommen“, sagte Greger, „unser Bürgermeister Günther Werner motivierte uns für die Bewerbung zum Wettbewerb.“

Beim Wettbewerb von Bundesministerium und BAGSO gab es 601 Bewerbungen in fünf Kategorien. Eine sechsköpfige Jury aus Kommunen, Wissenschaft und Politik wählte die Sieger aus. In der Kategorie Mehrgenerationenhäuser hat das MGH Kaiserslautern mit dem Projekt „Auf Rädern zum Miteinander“ den 1. Platz belegt. Haßfurt hat mit seiner Auszeichnung 1500 Euro gewonnen, die in die generationsübergreifenden Projekte fließen sollen.

Die BAGSO

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) vertritt über ihre 119 Mitgliedsorganisationen viele Millionen ältere Menschen in Deutschland.

Mit ihren Publikationen und Veranstaltungen, wie den im Dreijahresrhythmus stattfindenden Deutschen Seniorentagen, wirbt die BAGSO für ein möglichst gesundes, aktives und engagiertes Älterwerden.

Weitere Angaben im Internet unter www.bagso.de

Viele Frauen lieben es, hierher zu kommen: Zu den Handarbeitsstunden in der Lichtstube im Mehrgenerationenhaus. Hier geben Ältere ihr Wissen an Jüngere weiter, lassen sich umgekehrt von der Generation ihrer Töchter und Enkel inspirieren und genießen das Miteinander. Foto: René Ruprecht

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