OSTHEIM

Entdeckt: Die Drachen vom Himmelsweiher

Geduldsprobe: Diplom-Biologe Jürgen Thein mit dem Kescher auf der Suche nach Kammmolchen am Himmelsweiher beim Hofheimer Stadtteil Ostheim. Foto: Alois Wohlfahrt

Wie oft er diesen Gang schon gemacht hat, weiß Jürgen Thein nun wirklich nicht mehr. Wathose an und dann Schritt für Schritt hinein ins Geschenk des Himmels. Denn ein Solches ist der Himmelsweiher oberhalb von Ostheim für den Diplom-Biologen. Libellen war er in den vergangenen Jahren in dem Tümpel immer wieder auf der Spur. Umso größer jetzt die Überraschung: Der winzige See beherbergt eine Spezies, die in Bayern als stark gefährdet eingestuft ist. Und nicht nur ein paar Exemplare, sondern die wohl größte Population außerhalb des Steigerwalds: Für wohl Hunderte Kammmolche ist der Himmelsweiher zur Heimat geworden.

FFH-Gebiet

Zur Grundlagen-Erhebung für einem Management-Plan ist der Biologe im FFH-Gebiet entlang der Haßberge unterwegs. Der Auftrag: Gewässer untersuchen, ob dort der Kammmolch vorkommt. Was sich nicht einfach gestaltet, denn der Molch, der seinen Namen davon trägt, dass die Männchen zur Paarungszeit einen hohen, gezackten Hautkamm auf Rücken und Schwanz entwickeln, weiß sich gut zu tarnen.

Die warzige, dunkelbraune Haut ist im sumpfigen Wasser kaum auszumachen. Und so ist es kein Wunder, dass Thein die wie kleine Drachen wirkenden Tiere bei den vielen Besuchen am Himmelsweiher noch nicht entdeckte.

Dabei ist das Gewässer geradezu ideal für den Kammmolch, ärgert sich Thein beinahe, dass er nicht eher zielgerichtet nach der Spezies gesucht hatte. Etliche Gewässer hat er im Rahmen seines Auftrags zwischen Königsberg und Stadtlauringen unter die Lupe genommen. An drei Stellen ist er fündig geworden, bei Happertshausen, im Leinachtal bei Oberlauringen und eben am Himmelsweiher bei Ostheim.

Wasserpflanzen und Sumpfzone

Denn der Himmelsweiher ist nun mal „eine gute Adresse für seltene Arten“. Es ist ein stehendes Gewässer. Es gibt keine Zuflüsse. Und von daher rührt ja auch der Name des Weihers: Gespeist wird er nur von dem, was an Niederschlag vom Himmel kommt. Der Weiher hat Wasserpflanzen, er hat eine Sumpfzone, in seiner Art ist er einzigartig im Landkreis, so der Diplom-Biologe weiter.

Und gerade deshalb bietet er einen ganz komplexen Lebensraum und damit Heimat für viele Spezies. Natürlich die Frösche, sie sind weithin mit ihrem Konzert zu hören. Unter anderem Grünfrösche und der seltenere kleine Wasserfrosch stimmen da mit ein.

Viele Spezies leben dort

Ein weiterer Bewohner und gar von beachtlicher Größe: die Ringelnatter. Und als ob sie bei der Aufzählung von Thein nicht vergessen werden wollte, zeigte sich ein Exemplar von rund einem Meter Länge, schätzte der Biologe.

Und dann sind da natürlich auch die kleinen bunten Flugkünstler, wegen deren Vielfalt Thein den Himmelsweiher alle paar Monate einen Besuch abstattet: die Libellen. Und Insekten und die Wasserfläche ziehen auch andere Besucher an: Zwergtaucher etwa, oder durchziehende Vogelarten. Für Thein ist dieses Fleckchen Erde eine „Hotspot“ der Artenvielfalt.

Tümpel sind verschwunden

Solche hatte es nach dem Krieg noch etliche gegeben, aber die meisten Tümpel sind verschwunden, rund 90 Prozent in Bayern, so der Biologe. Umso mehr ist es verwunderlich, wie die Kammmolche den Weg nach Ostheim gefunden haben. Auf jeden Fall zu Fuß, denn im Herbst verlassen sie das Gewässer, überwintern in der Umgebung. Wird die Population an einem Ort zu groß, dann machen sie sich auf den Weg zu einem nahegelegenen Gewässer.

Dort werden sie allerdings nur dann sesshaft, wenn sie das feuchte Zuhause nicht mit Fischen teilen müssen. Da geht es den Kammmolchen wie den Libellen, denn die Fische fressen die Larven beider Spezies. Im Himmelsweiher gibt es keine Fische.

Unangenehme Eigenschaft

Weil der Himmelsweiher eine für sie unangenehme Eigenschaft aufweist: immer wieder einmal trocknet der Weiher aus. Zuletzt vor rund einem Jahrzehnt, so Thein. Fische überleben dies nicht. Anders allerdings Kammmolche oder die Libellen.

Was der Kammmolch jedoch nicht mag: wenn es radikale Veränderungen seines Lebensraums gibt. Das allerdings ist am Himmelsweiher ausgeblieben und dass dies so bleibt, dafür sorgt auch europäisches, bundesdeutsches und bayerisches Recht. Der Kammmolch gilt, ähnlich wie die bekannte Gelbbauchunke, als „streng geschützt“. Auf der sogenannten „Roten Liste“ gilt er in Deutschland als „gefährdet“, in Bayern gar als „stark gefährdet“.

Genaue Zahl unbekannt

Wie viele Kammmolche sich tatsächlich im Himmelsweiher tummeln, „das lässt sich seriös nicht sagen“, so Thein. Er hatte im Frühsommer Reußen aufgestellt. Darin fand er so viele Exemplare, dass davon ausgegangen werden kann, dass ihre Zahl zwischen 100 und 500 liegen könnte. Wichtig wird es nun sein, dass die Population sich ungestört weiterentwickeln kann. Und das gilt nicht nur für den Kammmolch, so Thein, denn: „Wenn wir dafür sorgen, dass es ihm gut geht, dann geht es auch vielen weiteren Arten gut“.

Der Nachweis: Kammmolche fand Jürgen Thein im Frühsommer dieses Jahres im Himmelsweiher. Foto: Jürgen Thein
Kammmolche sind im Herbst kaum noch im Wasser zu finden, sie haben sich in der Umgebung niedergelassen. Dennoch ist die ... Foto: Alois Wohlfahrt
Auf der Hinweistafel zum Himmelsweiher oberhalb von Ostheim darf nun das Bild einer weiteren Spezies hinzugefügt werden.... Foto: Alois Wohlfahrt

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