ERMERSHAUSEN

Ermershausen: Wo der Eiserne Vorhang an Weihnachten fiel

Ermershausens Bürgermeister Günter Pfeiffer begrüßte die Besucher bei der Waldweihnacht an der ehemaligen Grenze zwischen Ermershausen und Schweickershausen. Foto: Beate Dahinten

Der Ort des Geschehens ist am Freitagabend schon von weither zu erkennen. Viele kleine und große Lichter trotzen der Dunkelheit. Mit mehreren Fahrzeugen und viel Equipment sind die Feuerwehren aus Ermershausen und Schweickershausen gekommen. Am Grill der Motorradfreunde Schweickershausen hat sich bereits eine lange Schlange gebildet. Die Evangelische Landjugend hat eingeladen zur Waldweihnacht.

Die historische Dimension des Abends kommt zunächst in den Begegnungen untereinander zur Sprache. Die Waldweihnacht im Dezember 1989 an der gerade erst geöffneten innerdeutschen Grenze war das erste Zusammentreffen von Bürgern aus Ermershausen aus Unterfranken im Westen und Schweickershausen aus Thüringen im Osten.

Erinnerungen an steckengebliebene Stiefel und eisige Straßen machen die Runde. „Ich weiß noch genau, was du damals gesagt hast“, sagt eine Schweickershäuserin zu ihrer Bekannten aus Ermershausen. „Du hast gesagt: Ihr plaudert ja wie mir!“ „Und ich hab‘ gedacht: Was habt ihr denn gedacht, wie mir reden, russisch vielleicht?“ Es war der Beginn eines guten Kontakts zwischen den beiden Frauen und ihren Familien.

Alle Altersgruppen feiern mit

Die Evangelische Landjugend Ermershausen feiert ihre jährliche Waldweihnacht seither alle zehn Jahre an der ehemaligen Grenze zur DDR. So viele Besucher wie vor 30 Jahren sind es diesmal nicht. Dennoch hat sich eine stattliche Anzahl an Menschen aller Altersgruppen eingefunden.

Ein älterer Mann trägt eine Fellmütze der DDR-Grenztruppen. Es ist Ulrich Klette, der sich einen kleinen Spaß erlaubt, die Sache ansonsten aber sehr ernst nimmt. Als damaliger Bürgermeister von Schweickershausen hat er 1989 die Grenzöffnung mit vorangetrieben. „Ich fahre heute viel nach Bayern zum Einkaufen“, erzählt er, „und jedes Mal überkommt mich hier an der ehemaligen Grenze ein innerer Schauer.“ Ein Schauer der Erinnerung, der Freude. Und heute auch, oder? „Sowieso! Wenn man mit der Grenze aufgewachsen ist…“

Klettes Gedanken gehen zurück zum großen Fest in Schweickershausen anlässlich der offiziellen Eröffnung des Fußgängerübergangs am 26. Dezember 1989. „Damals mussten die Besucher durch den Zoll. Bei 5000 haben die Zöllner aufgehört zu stempeln.“ Das Fazit von Klette: „Ich bin jetzt 64 Jahre. Für unsere Generation ist die Grenzöffnung das Ereignis in unserem Leben.“

Posaunenchor musiziert

Der nach wie vor starke Andrang am Grill verzögert den Beginn der eigentlichen Waldweihnacht, die dann etwas unter Problemen mit dem Funkmikrofon leidet. Dass das Ganze dennoch einen feierlichen Rahmen bekommt, ist nicht zuletzt dem Posaunenchor Ermershausen zu verdanken. Die Bläser brauchen keinen Verstärker und übertönen das Dieselaggregat, das den Strom für die Beleuchtung liefert.

Von einem „geschichtsträchtigen Ort“ spricht Ermershausens Bürgermeister Günter Pfeiffer in seiner Begrüßung. „Die Verbindung zwischen den Gemeinden Schweickershausen und Ermershausen war lange Jahre jäh unterbrochen. Aber die Veränderungen im Jahr 1989 haben Grenzen überwunden.“

Diese Veränderungen sind für Pfarrerin Christina Lungfiel ein Beispiel: Was schon der Prophet Jesaja vorhergesagt und sich in Jesus erfüllt habe, sei heute noch erfahrbar. „Immer wieder blitzt etwas auf von dem neuen Reich, von dem Reich Gottes, in dem Dinge möglich sind, die vorher unmöglich erschienen.“ Der Tag des Mauerfalls sei einem biblischen Wunder gleichgekommen, da sei etwas zu spüren gewesen von dem „Frieden auf Erden“, den die Engel bei der Geburt Jesu verkündigt hätten. Der Seelsorgerin, die zusammen mit ihrem Schweickershäuser Amtsbruder Johannes Heinze die Andacht leitet, ist wichtig, was die Menschen beiderseits der Grenze im Advent heute verbindet: „Die eine Botschaft vom Kommen des Herrn, das Warten und die Vorfreude auf Weihnachten.“

Die Bewahrung der Schöpfung

Ein weiteres gemeinsames Anliegen gerade auch der jungen Menschen, die im vereinten Deutschland aufgewachsen sind: die Bewahrung der Schöpfung. Dass dazu der Beitrag jedes Einzelnen wichtig ist, führen Dorothea Hau, Antonia Städler und Marlene Oppel aus Schweickershausen mit einer Geschichte und einem Gedicht vor Augen.

Ihr Bürgermeister Torsten Fischer hat quasi das Schlusswort und führt sie noch einmal vor Augen, die historische Dimension des Abends: „Vor 31 Jahren stand hier noch ein Zaun, der uns getrennt hat.“ (bat)

Heiß begehrt waren die Bratwürste bei der Waldweihnacht der Evangelischen Landjugend an der ehemaligen Grenze. Foto: Beate Dahinten

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