BUNDORF

Erneuerbare Energien: Vieles geht, wenn man nur will

Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann (Bündnis 90/Die Grünen) stellte beim ersten Energie- und Klimakongress der Grünen Jugend Main-Saale in der Sporthalle Bundorf eine Idee vor, etwas für den Klimaschutz zu tun und gleichzeitig dem demografischen Wandel zu begegnen. Foto: Beate Dahinten

Fest in grüner Hand ist die Sporthalle an diesem Samstag. Nicht, dass der FC die Vereinsfarben gewechselt hätte, nein, es handelt sich um eine politische Veranstaltung. Genauer gesagt, um den ersten größeren öffentlichen Event der Grünen Jugend Main-Saale. Ein ganzer Tag mit Vorträgen und Gesprächsrunden rund um Fragen der Energie und des Klimas.

Mehrere Dutzend Menschen fast aller Altersstufen sind gekommen. Wobei die Organisatoren es von vornherein so gedacht haben, dass sie nicht den ganzen Tag bleiben müssen, andere später kommen können. Nur der Fußball setzt eine Grenze: Wegen des WM-Spiels der Deutschen gegen Schweden ist das Ende des Kongresses auf 19 Uhr angesetzt, die Konkurrenz wäre wohl doch zu stark.

Heimspiel auf dem Land

Joschua Wolf, der Umweltsicherung studiert und Vorstandsmitglied der Anfang Februar gegründeten Gruppe ist, zeigt sich schon am Vormittag zufrieden mit der Resonanz. Er hat heute ein Heimspiel, um noch einmal die Sprache des Sports zu bemühen. Ein Beweggrund für die Veranstaltung: So was wie den Klimaschutzkongress Mitte März dieses Jahres in Würzburg „auch mal auf dem Land machen“, erzählt Joschua Wolf, „99 Prozent der Veranstaltungen sind in der Stadt, grade von den Grünen.“

An die 100 Prozent Selbstversorgung ist möglich

Tatsächlich stellt sich die Frage, mit der dieser Kongress überschrieben ist, auf dem Land noch mal ganz anders: „Wie schaffen wir eine Zukunft für die nächsten Generationen?“ Wobei die ersten beiden Referenten für durchaus ermutigende Beispiele stehen: Norbert Zösch berichtet als Leiter der Stadtwerke Haßfurt vom Vormarsch der regenerativen Energien in der Kreisstadt – nicht nur im öffentlichen Bereich: Auch in privaten Haushalten kann man laut Zösch an die 100 Prozent Selbstversorgung kommen, dank Errungenschaften wie Brennstoffzellen, Fotovoltaik und Batteriespeicher. „Wenn man‘s machen will, dann geht‘s“, lautet sein Fazit zu den Möglichkeiten, energieautark zu werden, „man kann einiges erreichen.“

Mobilität ist eine „schwierige Baustelle“

Einiges erreicht haben auch schon die Mitgliedskommunen der Gemeindeallianz Hofheimer Land, wie Aidhausens Bürgermeister Dieter Möhring deutlich macht. Allerdings gebe es derzeit eine Stagnation bei den Bemühungen, die Ortskerne neu zu beleben, weil viele Besitzer von leer stehenden Anwesen nicht verkaufsbereit seien.

Die Mobilität und konkret die Fahrdienste sind für die Gemeindeallianz derzeit ebenfalls eine „schwierige Baustelle“, so Möhring: Der Rücklauf der Fragebogenaktion zum Bedarf sei enttäuschend gewesen, die Bürgerbusse würden nur sehr schleppend angenommen. Was er andererseits auch wieder nachvollziehen kann: „Über Jahrzehnte wurden die Leute davon wegerzogen, gemeinsam zu fahren, jetzt sollen sie über Nacht wieder zusammen fahren.“

Die Mobilität nimmt denn auch in der anschließenden Diskussion breiten Raum ein. Vorschläge, wie das autonome Fahren auf dem Land auszuprobieren oder Rikschafahrer anzustellen, wie es sie in vielen Städten auch in Deutschland schon gibt, stuft Möhring als unrealistisch ein, ebenso den Wunsch, die Bahnanbindung zu verbessern.

Möhring stellt Idee vor

Er selbst brütet grade mit seinem Bundorfer Bürgermeisterkollegen über einer anderen Idee: dass die Kommunen auf die großen Firmen in der Region zugehen und Unterstützung für Mitarbeiter bei den Wegen von und zum Arbeitsplatz anbieten. Damit sollen junge Familien, die sich in der Stadt kein Haus leisten können, in die Region gelockt werden.

Dann ist Mittagspause. Irina Hönig, Sprecherin der Grünen Jugend Main-Saale, lädt ein, miteinander ins Gespräch zu kommen. An einem der Bistrotische lassen sich Gregor Münch, der über die Bezirksliste der Grünen für den Landtag kandidiert, und drei Vertreter der Jusos im Unterbezirk Rhön-Haßberge das vegane Chili schmecken.

Jannis Seufert findet es „super, dass es außer uns noch eine so politisch motivierte Jugend gibt.“ Er spricht von neuen Anreizen und vom Ziel, so was wie den Klimakongress „in Zukunft in Zusammenarbeit zu machen“. Für Gregor Münch hat sich das Kommen ebenfalls gelohnt: Die angesprochenen Themen sind auch in seinem Heimatort Arnstein aktuell. In Sachen erneuerbare Energien sind sich auch diese vier jungen Leute einig: Vieles ist machbar, wenn man nur will.

Zu den Teilnehmern des Kongresses, die (noch) nicht politisch engagiert sind, gehören einige Schulkameraden von Joschua Wolf aus Bad Königshofen. „Mich hat das Thema interessiert“, sagt eine von ihnen. Die drei sind „positiv überrascht, wie viel hier los ist“ und finden es „cool, dass Ältere und Jüngere da sind“. Einen jungen Mann aus dem Trio hat der Vortrag von Dieter Möhring besonders angesprochen. „Wir haben in der Familie auch schon über das Thema Leerstände diskutiert“, erzählt er.

Die erste Rednerin des Nachmittags ist mit ihrem legeren Outfit – Kapuzensweater, Jeans und Turnschuhe – kaum von den Teilnehmern zu unterscheiden. Und auch sonst gibt sich Manuela Rottmann locker und unkonventionell: Statt sich ans Rednerpult zu stellen, setzt sich die Bundestagsabgeordnete der Bündnisgrünen auf den Tisch neben den Beamer.

„Leuchtturm“ Hofheimer Allianz

Sie lobt die positiven Beispiele, von denen in den ersten beiden Referaten berichtet wurde, betont aber auch: Das sind Ausnahmen. „Die Hofheimer Allianz ist für mich ein Leuchtturm“, sagt sie, „aber angesichts des Zeitdrucks brauchen wir flächendeckende Beleuchtung.“ Dazu stellt Manuela Rottmann ihre Idee vor, Siedlungen mit großen Häusern aus den 60er bis 80er Jahren, die häufig nur noch von den Eigentümern zu zweit oder alleine bewohnt werden, klimaschutzgerecht zu modernisieren und gleichzeitig neu zu beleben.

Die Reihen der Teilnehmer lichten sich zum Abend hin, wobei Rottmanns Fraktionskollegin Lisa Badum und der frühere Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell einiges zu sagen hatten, wie Joschua Wolf am Sonntag auf Nachfrage betonte. Beide Redner widmeten sich schwerpunktmäßig dem Klimaschutz.

Während Lisa Badum Möglichkeiten vorstellte, was jeder selbst tun kann – etwa in den Bereichen Mobilität und Konsumverhalten – ging Fell auf die weltweite Lage ein und hob die Dringlichkeit der kompletten Umstellung auf erneuerbare Energien hervor, die Studien zufolge bis 2035 erfolgt sein müsse und nach Ansicht von Fell ist das auch möglich, wenn man nur wollte. Für Joschua Wolf war es der beste Vortrag des Tages, zumal der Experte die neuesten wissenschaftlichen Daten miteinbezogen habe.

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