HAßFURT

Es wird wüst werden

Es wird wüst werden       -  Guten Morgen! Gar mancher Ort in der Region verwandelte sich im Spätmittelalter in ein Geisterdorf. Zum Teil wird die „Kleine Eiszeit“ dafür verantwortlich gemacht, die zu Missernten und Hungersnöten führte und eine „Wüstungswelle“ auslöste. Das hören schon Kinder im Heimatunterricht. Es ist einige Jahre her, da warnte die Heimatzeitung vor einer neuerlichen Wüstungsperiode. Das war, als der sich längst vollziehende demografische Wandel ins öffentliche Bewusstsein drang und Franz Schirrmacher mit seinem Bestseller „Das Methusalem-Komplott“ erstmals einem breiten Publikum vor Augen führte, was es für eine Gesellschaft bedeutet, wenn sie dramatisch überaltert. Obwohl der Landkreis und seine politische Führung der Problematik dieses Wandels frühzeitig und ernsthaft ins Auge blickte, sorgte die Prognose für Empörung: Es war tabu auszusprechen, dass dieser oder jener Ort in einigen Jahrzehnten von der Landkarte verschwunden sein dürfte. „Das können wir politisch einfach nicht verkaufen“ war die ehrliche, aber hinter vorgehaltener Hand gegebene Antwort. Heute wiederholen wir: Viele kleine Ortschaften im Haßbergkreis werden in zwei oder drei Generationen ausgestorben sein. Dies hat Mitte der Woche der Geograf Prof. Marc Redepenning bei der Tagung zur Innenentwicklung des Landkreises gegenüber dieser Redaktion bestätigt. Zwar nicht bezogen auf unseren Landstrich, doch mit Blick auf die allgemeine Situation in der Republik. Es sei sehr wahrscheinlich, dass mancher Ort im peripheren Raum keine Zukunft mehr habe, sagte der Wissenschaftler sinngemäß. Zu den vielen Gründen, die er hierfür aufzählen kann, gehört, „dass unsere Städte der Zukunft viel grüner, viel ökologischer werden“, blickte der Hochschullehrer voraus. Das angeblich so schöne Leben auf dem Land werden viele Menschen – und vor allem die wohlhabenden – künftig in den Städten finden. Der Landkreis Haßberge wirbt für sich als attraktiver Wohnort zwischen den Oberzentren Bamberg, Schweinfurt oder Coburg. Trümpfe seien die schöne und gesunde Natur, die günstigen Baupreise und die niedrigen Lebenshaltungskosten. Das mag stimmen, aber Anziehungskraft haben vor allem die verkehrstechnisch gut erschlossenen Gebiete – die sich auf das Maintal beschränken. Die Städte und Gemeinden in der Mainachse werden künftig wachsen, aber sie werden das auf Kosten ihres eigenen Hinterlandes tun. Das ist der reine Wein, den die Bürgermeister ihren Bürgern endlich einschenken müssen: Wenn Haßfurt immer neue Bauplätze im Osterfeld aus dem Boden stampft, wächst die Kreisstadt auf Kosten der eigenen Ortsteile und der Nachbargemeinden. Wenn Zeil im Westen der Kernstadt die Erweiterung des Baugebietes Mittelsetz verwirklicht, ist das nicht anders: es kannibalisiert die umliegenden Dörfer. Es scheint so oft das Gleiche zu sein: Die Hauptorte wachsen, und damit die Ortsteile nicht rebellieren, bekommen sie, trotz beträchtlicher Leerstände und unbebauter Grundstücke in den Innenbereichen und gegen jede wirtschaftliche Vernunft, ebenfalls neue Baugebiete. Es mag ein unausweichlicher Prozess sein, dass sich die schrumpfende Bevölkerung dort konzentriert, wo die beste Infrastruktur lockt, vom Autobahnanschluss bis zum Supermarkt, von der Schule bis zum Theater. Wer mag es den Menschen verdenken, dass sie mit den Füßen bzw. dem (Gas-)pedal abstimmen? Zu einer ehrlichen, transparenten und in die Zukunft gerichteten Raumplanung gehört aber, dass man heute schon plant, wo man in den abgelegeneren Landstrichen die Bevölkerung von morgen zusammenfassen kann und welche Dörfer man dafür aussterben lässt.
Guten Morgen! Gar mancher Ort in der Region verwandelte sich im Spätmittelalter in ein Geisterdorf. Zum Teil wird die „Kleine Eiszeit“ dafür verantwortlich gemacht, die zu Missernten und Hungersnöten führte und eine „Wüstungswelle“ auslöste. Das hören schon Kinder im Heimatunterricht. Es ist einige Jahre her, da warnte die Heimatzeitung vor einer neuerlichen Wüstungsperiode. Das war, als der sich längst vollziehende demografische Wandel ins öffentliche Bewusstsein drang und Franz Schirrmacher mit seinem Bestseller „Das Methusalem-Komplott“ erstmals einem breiten Publikum vor Augen führte, was es für eine Gesellschaft bedeutet, wenn sie dramatisch überaltert. Obwohl der Landkreis und seine politische Führung der Problematik dieses Wandels frühzeitig und ernsthaft ins Auge blickte, sorgte die Prognose für Empörung: Es war tabu auszusprechen, dass dieser oder jener Ort in einigen Jahrzehnten von der Landkarte verschwunden sein dürfte. „Das können wir politisch einfach nicht verkaufen“ war die ehrliche, aber hinter vorgehaltener Hand gegebene Antwort. Heute wiederholen wir: Viele kleine Ortschaften im Haßbergkreis werden in zwei oder drei Generationen ausgestorben sein. Dies hat Mitte der Woche der Geograf Prof. Marc Redepenning bei der Tagung zur Innenentwicklung des Landkreises gegenüber dieser Redaktion bestätigt. Zwar nicht bezogen auf unseren Landstrich, doch mit Blick auf die allgemeine Situation in der Republik. Es sei sehr wahrscheinlich, dass mancher Ort im peripheren Raum keine Zukunft mehr habe, sagte der Wissenschaftler sinngemäß. Zu den vielen Gründen, die er hierfür aufzählen kann, gehört, „dass unsere Städte der Zukunft viel grüner, viel ökologischer werden“, blickte der Hochschullehrer voraus. Das angeblich so schöne Leben auf dem Land werden viele Menschen – und vor allem die wohlhabenden – künftig in den Städten finden. Der Landkreis Haßberge wirbt für sich als attraktiver Wohnort zwischen den Oberzentren Bamberg, Schweinfurt oder Coburg. Trümpfe seien die schöne und gesunde Natur, die günstigen Baupreise und die niedrigen Lebenshaltungskosten. Das mag stimmen, aber Anziehungskraft haben vor allem die verkehrstechnisch gut erschlossenen Gebiete – die sich auf das Maintal beschränken. Die Städte und Gemeinden in der Mainachse werden künftig wachsen, aber sie werden das auf Kosten ihres eigenen Hinterlandes tun. Das ist der reine Wein, den die Bürgermeister ihren Bürgern endlich einschenken müssen: Wenn Haßfurt immer neue Bauplätze im Osterfeld aus dem Boden stampft, wächst die Kreisstadt auf Kosten der eigenen Ortsteile und der Nachbargemeinden. Wenn Zeil im Westen der Kernstadt die Erweiterung des Baugebietes Mittelsetz verwirklicht, ist das nicht anders: es kannibalisiert die umliegenden Dörfer. Es scheint so oft das Gleiche zu sein: Die Hauptorte wachsen, und damit die Ortsteile nicht rebellieren, bekommen sie, trotz beträchtlicher Leerstände und unbebauter Grundstücke in den Innenbereichen und gegen jede wirtschaftliche Vernunft, ebenfalls neue Baugebiete. Es mag ein unausweichlicher Prozess sein, dass sich die schrumpfende Bevölkerung dort konzentriert, wo die beste Infrastruktur lockt, vom Autobahnanschluss bis zum Supermarkt, von der Schule bis zum Theater. Wer mag es den Menschen verdenken, dass sie mit den Füßen bzw. dem (Gas-)pedal abstimmen? Zu einer ehrlichen, transparenten und in die Zukunft gerichteten Raumplanung gehört aber, dass man heute schon plant, wo man in den abgelegeneren Landstrichen die Bevölkerung von morgen zusammenfassen kann und welche Dörfer man dafür aussterben lässt.

Guten Morgen!

Guten Morgen!

Gar mancher Ort in der Region verwandelte sich im Spätmittelalter in ein Geisterdorf. Zum Teil wird die „Kleine Eiszeit“ dafür verantwortlich gemacht, die zu Missernten und Hungersnöten führte und eine „Wüstungswelle“ auslöste. Das hören schon Kinder im Heimatunterricht.

„Politisch nicht zu verkaufen“

Es ist einige Jahre her, da warnte die Heimatzeitung vor einer neuerlichen Wüstungsperiode. Das war, als der sich längst vollziehende demografische Wandel ins öffentliche Bewusstsein drang und Franz Schirrmacher mit seinem Bestseller „Das Methusalem-Komplott“ erstmals einem breiten Publikum vor Augen führte, was es für eine Gesellschaft bedeutet, wenn sie dramatisch überaltert. Obwohl der Landkreis und seine politische Führung der Problematik dieses Wandels frühzeitig und ernsthaft ins Auge blickte, sorgte die Prognose für Empörung: Es war tabu auszusprechen, dass dieser oder jener Ort in einigen Jahrzehnten von der Landkarte verschwunden sein dürfte. „Das können wir politisch einfach nicht verkaufen“ war die ehrliche, aber hinter vorgehaltener Hand gegebene Antwort.

Heute wiederholen wir: Viele kleine Ortschaften im Haßbergkreis werden in zwei oder drei Generationen ausgestorben sein. Dies hat Mitte der Woche der Geograf Prof. Marc Redepenning bei der Tagung zur Innenentwicklung des Landkreises gegenüber dieser Redaktion bestätigt. Zwar nicht bezogen auf unseren Landstrich, doch mit Blick auf die allgemeine Situation in der Republik. Es sei sehr wahrscheinlich, dass mancher Ort im peripheren Raum keine Zukunft mehr habe, sagte der Wissenschaftler sinngemäß. Zu den vielen Gründen, die er hierfür aufzählen kann, gehört, „dass unsere Städte der Zukunft viel grüner, viel ökologischer werden“, blickte der Hochschullehrer voraus. Das angeblich so schöne Leben auf dem Land werden viele Menschen – und vor allem die wohlhabenden – künftig in den Städten finden.

Die Großen fressen die Kleinen

Der Landkreis Haßberge wirbt für sich als attraktiver Wohnort zwischen den Oberzentren Bamberg, Schweinfurt oder Coburg. Trümpfe seien die schöne und gesunde Natur, die günstigen Baupreise und die niedrigen Lebenshaltungskosten. Das mag stimmen, aber Anziehungskraft haben vor allem die verkehrstechnisch gut erschlossenen Gebiete – die sich auf das Maintal beschränken. Die Städte und Gemeinden in der Mainachse werden künftig wachsen, aber sie werden das auf Kosten ihres eigenen Hinterlandes tun. Das ist der reine Wein, den die Bürgermeister ihren Bürgern endlich einschenken müssen: Wenn Haßfurt immer neue Bauplätze im Osterfeld aus dem Boden stampft, wächst die Kreisstadt auf Kosten der eigenen Ortsteile und der Nachbargemeinden. Wenn Zeil im Westen der Kernstadt die Erweiterung des Baugebietes Mittelsetz verwirklicht, ist das nicht anders: es kannibalisiert die umliegenden Dörfer. Es scheint so oft das Gleiche zu sein: Die Hauptorte wachsen, und damit die Ortsteile nicht rebellieren, bekommen sie, trotz beträchtlicher Leerstände und unbebauter Grundstücke in den Innenbereichen und gegen jede wirtschaftliche Vernunft, ebenfalls neue Baugebiete.

Es mag ein unausweichlicher Prozess sein, dass sich die schrumpfende Bevölkerung dort konzentriert, wo die beste Infrastruktur lockt, vom Autobahnanschluss bis zum Supermarkt, von der Schule bis zum Theater. Wer mag es den Menschen verdenken, dass sie mit den Füßen bzw. dem (Gas-)pedal abstimmen? Zu einer ehrlichen, transparenten und in die Zukunft gerichteten Raumplanung gehört aber, dass man heute schon plant, wo man in den abgelegeneren Landstrichen die Bevölkerung von morgen zusammenfassen kann und welche Dörfer man dafür aussterben lässt.

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