HAßFURT

Facebook: Eiskalt serviert

Warum wir das Feuerwerk abschaffen sollten       -  _

Ich möchte nur ungern jemandem zu nahe treten. Aber ich kann durchaus noch selbst entscheiden, wann ich meinen sanitären Pflichten nachzukommen gedenke und ob der günstigste Zeitpunkt zur Nahrungsaufnahme gekommen scheint.

Als ob Facebook derzeit nicht genug Dreck am Stecken hätte. Alleine der Verdacht, dass die von dem sozialen Netzwerk stammenden Daten ermöglicht haben könnten, eine weltweite Bedrohung wie Donald Trump ins Amt des mächtigsten Mannes der Welt zu hieven, ist schon schlimm genug. Die Datensicherheit bei dem Internetgiganten – alleine in Deutschland sind knapp 30 Millionen User bei der Datenkrake angemeldet – bot oft genug Anlass zu öffentlicher Kritik, teils von Verbraucherschützern, teils von der Politik. Wer sich auf dieses Netzwerk einlässt, muss wissen, was er tut. Sämtliche Daten bleiben hier jahrelang gespeichert, selbst wenn sie inzwischen vom Anwender gelöscht wurden.

Aber zurück zu einer anderen Art der Bevormundung, für die Facebook nur als Trägermedium benutzt wird. Vor rund vier Jahren tauchte plötzlich eine „Ice Bucket Challenge“, auf Deutsch gesagt eine „Eiskübelherausforderung“, auf Facebook auf. Mit einem Spendenmäntelchen für die Erforschung und Bekämpfung der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) garniert, fiel es leicht, Otto Normalverbraucher dazu zu bringen, sich für den guten Zweck einen Eimer mit Eiswasser über die Platte zu gießen. Wie man eigentlich auch hätte erwarten können, fiel diesem Unsinn damals ein Familienvater im Münsterland zum Opfer, der bei so einer Aktion sein Leben einbüßte.

Inzwischen grassiert ein neuer Hype im Netz: „Cold Water Grill Challenge“. Kaltes Wasser, ein Grill und ein paar Leute, die für jeden Spaß zu haben sind, mehr braucht es nicht für die „Kaltwasser-Grill-Challenge“, heißt es in der Beschreibung. Vereine oder Organisationen werden dazu aufgefordert, zu grillen, mit mindestens den Füßen in kaltem Wasser – und das noch möglichst während der kalten Jahreszeit. Und natürlich soll der Unfug auch noch gefilmt und – ebenso selbstverständlich – über Facebook verbreitet werden.

Das Kaltwassergrillen bietet aber nicht nur Spaß, zumindest für jeden Zuschauer, sondern verfolgt auch noch einen guten Zweck: Jeder, der sich der Challenge anschließt, soll einer gemeinnützigen Organisation eine Spende zukommen lassen – kein Muss, aber durchaus erwünscht, so lauten die Regeln.

Ganz davon abgesehen, welchen Sinn es machen soll, sich barfuß in Eiswasser zu stellen und dabei Würstchen zu grillen, es sei denn, es handelt sich um einen Elektrogrill und man hat mit dem Grillmeister vielleicht noch eine Rechnung offen: Reicht nicht schon die auch ohne „Kaltwasser-Challenge“ derzeit heftigst grassierende Grippewelle?

Dass zudem jedes Opfer – vielleicht durch die plötzliche Unterkühlung der Füße einer ausreichenden Blutzirkulation in höheren Gefilden beraubt – gleich noch öffentlich drei neue Delinquenten benennt, die den gleichen Mumpitz nachmachen sollen, grenzt schon an eine Art Nötigung. Schließlich würde ein etwaiger Verweigerer ja die Phalanx der Spendenwilligen durchbrechen. Das sollte sich nur mal einer trauen, ein „Shitstorm“ auf Facebook wäre garantiert . . .

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