UNTERSCHLEICHACH

Fall Janina: Anklage wegen Mordes

Die elfjährige Janina wurde in der Neujahrsnacht in Unterschleichach von einem 53-Jährigen erschossen. Die Staatsanwaltschaft Bamberg wertet das Tötungsdelikt als Mord.
Die elfjährige Janina wurde in der Neujahrsnacht in Unterschleichach von einem 53-Jährigen erschossen. Die Staatsanwaltschaft Bamberg wertet das Tötungsdelikt als Mord. Foto: ArchivHT

Im Fall der in der Neujahrsnacht in Unterschleichach getöteten elfjährigen Janina hat die Staatsanwaltschaft Bamberg nun Anklage wegen Mordes gegen den 53-jährigen Todesschützen erhoben. Das teilte die Pressestelle der Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Die umfangreichen Ermittlungen wegen des Tötungsdelikts, bei denen unter anderem mehrere Sachverständigengutachten eingeholt wurden, habe man Anfang Juli abschließen können, heißt es weiter. Zu diesen Gutachten gehörte eine dreidimensionale Erfassung und Analyse des Tatorts ebenso wie die Einschätzung der Psyche des Täters.

Die Staatsanwaltschaft Bamberg sieht einen dringenden Tatverdacht, dass der Angeschuldigte am 1. Januar dieses Jahres gegen 1.00 Uhr vom Garten seines Anwesens in Unterschleichach mehrere Schüsse in Richtung einer Gruppe von zwei Frauen und vier Kindern abgab. Das hatte der Beschuldigte auch kurz nach seiner Festnahme eingeräumt.

Die sechs Personen hatten in der Nähe des Hauses des Angeschuldigten kleine Feuerwerkskörper abgebrannt. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen traf einer der Schüsse, die der Angeschuldigte aus einem Kleinkaliberrevolver abgab, die elfjährige Schülerin aus Burgebrach am Hinterkopf; das Kind brach bewusstlos zusammen und starb Stunden später trotz intensiver Bemühungen der Ärzte in einem Krankenhaus.

Nach Überzeugung der Strafverfolgungsbehörde nahm der Angeschuldigte die Tötung bei Abgabe des Schusses zumindest billigend in Kauf. Bereits am 13. Januar hatten das Polizeipräsidium Unterfranken und die Staatsanwaltschaft Bamberg in einer gemeinsamen Pressekonferenz in Bamberg erklärt, ihrer Überzeugung nach handele es sich bei der Tat um Mord. An dieser Einstellung haben die weiteren Ermittlungen nichts geändert.

Als Motiv geht die Staatsanwaltschaft von Wut und Verärgerung des Angeschuldigten über seine persönliche Situation aus. Daneben habe sich der Angeschuldigte durch die Personengruppe vor seinem Haus gestört gefühlt. Im Januar hatte Leitender Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager ausgeführt, dass der 53-jährige Justizangestellte im Wohnzimmer auf der Couch geschlafen habe, bis ihn der Lärm von Böllern weckte. Um seine Waffe zu holen, musste der Mann erst in den Keller gehen, ehe er in den Garten trat und mehrfach schoss.

Bei der Schussabgabe habe es der Angeschuldigte nach seinen eigenen Angaben vermieden, dass er von Personen auf der Straße gesehen werden konnte, teilte die Staatsanwaltschaft nun am Freitag mit. „Das Tatopfer konnte nicht mit dem Angriff rechnen.“ Die Staatsanwaltschaft Bamberg hat deshalb Anklage wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen und in heimtückischer Begehungsweise am Landgericht Bamberg erhoben. Der Angeschuldigte befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft.

Der Tod der Schülerin aus Burgebrach hatte bundesweit für Schlagzeilen, in der Region aber vor allem für einen Schock gesorgt: Dass ein Kind aus dem Hinterhalt erschossen wurde, machte die Menschen in Unterschleichach, in Janinas Heimatort Burgebrach und darüber hinaus fassungslos. Auch die Ermittlung des Täters hat dessen und Janinas Umfeld sprachlos zurückgelassen: Niemand kann verstehen, dass jemand aus Wut über Silvesterböller oder persönlichem Frust auf Menschen schießt und allem Anschein nach ihren Tod in Kauf nimmt.

Dem ehemaligen Fahrer der Justizvollzugsanstalt Ebrach war die Polizei wenige Tage nach der Tat durch Überprüfung aller Kleinkaliberwaffen, die in Unterschleichach registriert sind, auf die Spur gekommen. Der Mann hatte den Ermittlern seine Pistole freiwillig ausgehändigt. In Justizkreisen gilt das weitreichende Geständnis des Täters als ungewöhnlich. Es heißt, die umfangreichen Aussagen des Beschuldigten erhöhten die Aussicht der Anklage, eine Verurteilung wegen Mordes und nicht nur wegen Totschlags zu erreichen. Allerdings hätten die Ermittler in den letzten Monaten akribisch daran gearbeitet, ihre Thesen zu untermauern auch für den Fall, dass der Angeklagte sein Geständnis in Teilen widerrufen sollte, erklärte er Justizmitarbeiter gegenüber unserer Zeitung, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Wann Janinas Todesschütze erstmals vor Gericht erscheinen wird, steht noch nicht fest. Beobachter rechnen mit einem Prozessauftakt frühestens im Spätherbst; dies unter anderem, weil sich der so genannte „Chefarztprozess“ am Landgericht gegen einen ehemaligen Gefäßchirurgen, des Klinikums Bamberg, der Patientinnen missbraucht haben soll, mit inzwischen gut 60 Verhandlungstagen viel stärker als erwartet in die Länge gezogen hat. Zudem ist das Landgericht gegenwärtig mit einer weiteren Mordanklage gegen einen 36-Jährigen befasst, der im vergangenen Jahr vor einem Bamberger Schuhaus einem Kontrahenten tödliche Messerstiche beibrachte.

Foto der verstorbenen Janina - Maedchen in der Neujahrsnacht erschossen       -  Getötet aus einem Hinterhalt: Janina aus Burgebrach.
Getötet aus einem Hinterhalt: Janina aus Burgebrach. Foto: ArchivHT

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