HASSFURT

Finanztipp zu Ostern: „Nicht alle Eier in einen Korb“

Fondsmanagerin Dr. Ilga Haubelt bei ihrem sehr unterhaltsamen Vortrag über die trockene Materie des Geldes und der Aktien. Foto: Günther Geiling

„Dividenden-Anlagen können Anlegern den Einstieg in den Aktienmarkt erleichtern. Aber die Mischung machts und nicht alle Eier in einen Korb!“ Mit diesen fast schon etwas vorösterlichen Hinweisen wartete die Portfoliomanagerin Dr. Ilga Haubelt bei ihrem Vortrag „Anlegen in einer Welt ohne Zinsen“ der Sparkasse Ostunterfranken in der Stadthalle von Haßfurt vor rund 200 Zuhörern auf, die sich bei der gegenwärtigen Niedrigzinsphase für dieses Thema interessierten.

Vorstandsmitglied Andreas Linder gab zu Beginn seiner Freude Ausdruck, dass man mit Dr. Ilga Haubelt von der DekaBank aus Frankfurt eine absolute Expertin auf dem Gebiet der Aktien und im Bereich Fondsmanagement zu Gast habe, die viele Bürger an ihrem Expertenwissen teilhaben lassen wolle. „Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen“, zitierte er auch Benjamin Franklin, einen der Gründerväter der Vereinigten Staaten.

Er bezog gleich das Publikum mit ein und fragte, ob es sich schon einmal Gedanken gemacht habe, wie lange es Zinsen gebe? Nachdem sich niemand regte, hielt er ein Glas mit Getreidekörnern hoch und meinte: „Ja richtig, es sind ganz einfache Getreidekörner. Es spricht einiges dafür, dass in der Jungsteinzeit durch Ackerbau und Viehzucht die Grundlagen für ein Kreditwesen gelegt wurden. Ein Bauer, der einem Nachbarn Saatgut lieh, gewährte einen Kredit. Bekam er nach der Ernte eine größere Menge zurück, waren das Zinsen.“ Damit wären Zinsen älter als Banken, Münzprägung und sogar das Geld selbst. Zwei bemerkenswerte Zinssätze griff er noch aus der sumerischen Epoche (3000 bis 2000 v. Chr.) heraus, als für Mesopotamien zwei gewohnheitsrechtliche Zinssätze bekannt wurden: 33,3 Prozent auf Gerste und 20 Prozent auf Kredite in Silber.

Doch eine Eigenheit des Zinses sei nur in unserer Gegenwart zu finden. „Seit Bestehen der Kreditwirtschaft – und das sind immerhin 5000 Jahre – hat es noch nie einen Null- bzw. Negativzins gegeben.“ Umso besser wäre es für das eigene Vermögen, sich zu informieren, wie man auf diese Zinsdurststrecke reagieren könne.

Dr. Ilga Haubelt gab eingangs einen Einblick in ihre Arbeit und das Portfoliomanagement. Da gehe es beispielsweise darum, Vermietungsperspektiven eines Büroturms in Paris oder London einzuschätzen oder um die Zukunftsfähigkeit eines Maschinenbauers. Aus solchen Fundamentaldaten und Gesprächen mit Unternehmern bilde man sich dann eine Meinung zu zukünftigen Wachstumsraten oder Margen-Erwartungen. Sie sei nun seit zehn Jahren im Aktienbereich tätig und seitdem habe sich der von ihr verantwortete Aktien-Fonds von 260 Mio auf 4 Mrd Euro entwickelt.

Die Referentin ging auch auf politische und wirtschaftliche Vorgänge im Zusammenhang mit dem „Brexit“ und der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA ein. In diesen Nächten habe auch sie wenig geschlafen und in den eigenen Großraumbüros sei am Morgen sehr viel los gewesen. Ebenso denke man darüber nach, was sich ereigne, wenn Trump Importe mit Strafzöllen belege oder wenn er Produkte zurück ins Inland bringen und dort produzieren will. „Der Amerikaner wird dann schlechtere Produkte für sich bekommen oder der dortige Bürger wird sie sehr viel teurer einkaufen müssen.“ Das sei aber nur der erste Akt des Spiels. Wenn sich Amerika auf diese Weise abkapsele, stünden auf der anderen Seite Milliarden von Menschen in Politik und Wirtschaft zusammen. Es mache auch keinen Sinn, Produkte zurückzuholen, weil in Amerika dafür nicht einmal die Arbeitsplätze vorhanden seien.

Bei ihrem Ausblick auf 2017 mit „Brexit“, der Türkei oder dem Superwahljahr in Europa werde es sicher ein Jahr mit vielen Überraschungen bleiben. Das bedeute auch Schwankungen für die Börse. Positiv setze sie aber dagegen, dass sich die Gesamtwirtschaft derzeit sehr positiv entwickle.

In einer Niedrigzinsphase könnten Aktienanlagen langfristig attraktive Renditen erzielen. Dies zeigte sie mit jährlichen Renditen seit dem Jahr 1926 auf und belegte dies konkret mit einigen Unternehmen wie Coca-Cola – einem Wort, das jeder zweite Mensch auf der Welt verstehe. Solche Unternehmen seien wichtig in einem Portfolio und es sei auch interessant, dass Coca-Cola seit 100 Jahren Dividenden auszahle. Natürlich sei man nie ganz gefeit vor Überraschungen. Schwieriger wäre es, wenn man in eine Rezession falle oder man mit Betrug konfrontiert werde. Deswegen sprach sie sich für die Mischung von Anlagen aus und gerade Dividendenanlagen könnten den Einstieg in den Aktienmarkt erleichtern. Langfristig erzielten Aktienanlagen attraktive Renditen und Dividendenrenditen hätten eine hohe Attraktivität im Vergleich zu Unternehmensanleihen und geringere Schwankungen.

Dabei machte sie auch Ausführungen zu Dividenden, wo Unternehmen einen Teil der Gewinne an ihre Anleger ausschütten. In Deutschland erfolge dies einmal im Jahr, in Kanada monatlich. Das hänge damit zusammen, dass bei den Kanadiern diese Art der Geldanlage Teil der Altersvorsorge sei. In Deutschland besitze nur jeder zehnte Bürger Aktien. Bei vielen herrsche die Angst vor Verlusten. Dies widerlegte die Expertin aber mit „Returns“ und der Deka-Dividenden-Strategie der letzten Jahre.

Als besondere Chancen sah Ilga Haubelt attraktive Gewinnchancen bei Kurssteigerungen an den Aktienmärkten und der Partizipation an einer guten Entwicklung bestimmter Branchen. Durch die breite Streuung bestehe auch ein geringeres Risiko im Vergleich zu einer Direktanlage. Es gebe auch Risiken und sie wägte dies mit einem Zitat ab: „Die Börse ist wie ein Paternoster. Es ist ungefährlich, durch den Keller zu fahren. Man muss nur die Nerven behalten.“

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