HAßFURT

Freies Internet für alle

Über Bäume und den Main: Gasthausbetreiber Max Wohlfahrt zeigt, dass das Freifunk-Netz von seinem Anschluss aus bis ins Stadtzentrum von Haßfurt reicht.
Über Bäume und den Main: Gasthausbetreiber Max Wohlfahrt zeigt, dass das Freifunk-Netz von seinem Anschluss aus bis ins Stadtzentrum von Haßfurt reicht. Foto: Anna Baum

Ihr Ziel lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: ein freies Netz für alle. Die Mitglieder von „Freifunk Franken“ arbeiten daran – inzwischen seit mehr als einem Jahrzehnt. Ihre Arbeit ist ehrenamtlich und beinhaltet weit mehr, als Menschen einen freien Zugriff auf das Internet zu ermöglichen, sagen die Mitglieder der Initiative. Sie sind von der Idee eines Selbstmach-Netzes begeistert.

Würzburg steht noch in den Startlöchern mit den freien WLAN-Zugängen im Stadtteil Sanderau und in der Gemeinde Randersacker. Da sind die Freifunker im Landkreis Hassberge schon weiter. Nachdem es in der Stadt Haßfurt bereits eine breite Abdeckung auf der Hauptstraße gibt, zieht die Stadt Hofheim jetzt nach. Der Hofheimer Werbering will mit Hilfe der Geschäftsleute vor Ort flächendeckend freies Internet in die Stadt bringen – und das nicht nur für Touristen.

Bei einem Treffen in Haßfurt erzählt Alexander Gutzeit aus Ostheim (Lkr. Rhön-Grabfeld), was hinter der Idee des „Freifunks“ steht: „Wir bauen ein eigenes, selbstverwaltendes Netzwerk. Das ist wie bei einem kleinen Netzwerk zu Hause, nur wir machen das im Großen.“

Ein Service liegt dabei besonders im Fokus der Öffentlichkeit: freies Internet. Theoretisch würde das Freifunker Netz laut Gutzeit ohne Internet intern funktionieren: „Sobald dann einer oder zwei ihren Internetrouter anstöpseln, ist eben ein zusätzlicher Service, dass alle in diesem Netz surfen können.“

Das Ganz bleibt nicht ganz kostenfrei: Die anfallenden Gebühren für die Server, Infrastruktur und Technik im Hintergrund werden von Freiwilligen übernommen. Wenn man freifunken möchte, muss die Hardware, nämlich ein Router, angeschafft werden. Die passende Software wird von Freifunk Franken darauf installiert. Das Gerät kostet knapp 20 Euro und die Stromkosten belaufen sich auf fünf bis sechs Euro im Jahr. Für eine bessere Reichweite müssen außerdem Antennen angeschafft werden. Einsteigergeräte haben eine Reichweite von 50 Meter, andere Antennen kommen bis zu sechs Kilometer weit.

Alexander Gutzeit hat beispielsweise drei solcher stärkeren Antennen auf seinem Dach, die das Netz in verschiedenen Richtungen aussendet. Auf dieses Netz zugreifen kann jeder mit einem WLAN-fähigen Gerät wie Laptop oder Smartphone.

Doch welche Motivation steckt hinter der Initiative? „Es macht wirklich Spaß, Netze aufzubauen. Man kann Menschen dabei helfen. Zum Beispiel bei einem Asylbewerberheim“, sagt Alexander Gutzeit. Der Bedarf ist groß, denn es kann sich nicht jeder einen Internetanschluss leisten. Außerdem steigert so ein frei verfügbares Netz die Attraktivität einer Stadt oder eines Dorfs – auch für die Jugend.

Aber auch aus gastronomischer Sicht ist das freie Netzt interessant. Gasthausbetreiber wie Max Wohlfahrt vom „Meehäusle“ in Haßfurt haben dadurch einen rechtlichen Vorteil. Weil in diesem Netz kaum etwas zurückzuverfolgen ist, greift die sogenannte „Störerhaftung“ nicht. „Wenn also jemand etwas illegal über meinen Anschluss runterlädt, bin ich als Anschlussinhaber dafür nicht haftbar“, so der Jungwirt. Um die „Störerhaftung“ zu umgehen, leitet „Freifunk“ die Daten durch ein VPN über das Ausland oder zum Förderverein freie Netzwerke e.V. nach Berlin. Erst dort gehen die Daten ins offene Internet. So kann der Standort nicht ausgemacht werden. Sollten allerdings Ermittlungsbehörden wegen schweren Straftaten an „Freifunk Franken“ herantreten, wird die Initiative diese trotzdem dabei unterstützen, den Schuldigen ausfindig zu machen. So heißt es in einer Stellungnahme auf freifunk-franken.de.

Datensicherheit ist auch immer wieder Thema bei den Freifunkern. Es gibt keine 100-prozentige Sicherheit, selbst im Freifunk-Netz nicht. „Netze können an sich niemals vollkommen sicher sein“, so die Initiative. Man weiß also nie, ob jemand Daten mitliest oder verändert, das muss den Nutzern klar sein.

Bis wirklich ein flächendeckendes Netz von der Initiative geschaffen werden kann, wird es noch einige Zeit brauchen. Die Idee des Freifunks gibt es schon seit 2003. In Franken ist die Bewegung schon vier Jahre alt. „Es geht bergauf, auch wenn es ein paar Durststrecken gab“, erzählt Alexander Gutzeit. Aber dank Edward Snowden und allen, die die Menschen in dieser Richtung aufgerüttelt haben, entwickelt sich Freifunk immer weiter. Denn die Idee stößt auf großes Interesse.

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