KREIS HASSBERGE

Friedrich Rückert: Übersetzer des Korans

Vor 150 Jahren ist Johann Michael Friedrich Rückert in Coburg gestorben. Sein Leben lässt sich auf einem 100 Kilometer langem Wanderweg von Schweinfurt nach Coburg nachempfinden.
Gedenken an Friedrich Rückert in Ebern:  Die Rückert-Anlage soll bis Pfingsten restauriert werden.
Gedenken an Friedrich Rückert in Ebern: Die Rückert-Anlage soll bis Pfingsten restauriert werden. Foto: Sabine Meißner

Vor 150 Jahren ist Friedrich Rückert gestorben. Anlässlich seines 150. Todestages am 31. Januar ist das Jahr 2016 zum „Rückert-Jahr“ erklärt worden. Zahlreiche Veranstaltungen sind in den Orten seines Wirkens, beispielsweise in den „Rückert-Gemeinden“ Schweinfurt, Erlangen, Coburg, Stadtlauringen, Hofheim, Ebern, Rentweinsdorf, Seßlach und Bad Rodach, im Laufe des Jahres geplant.

Am 16. Mai wurde in Schweinfurt das Kind Johann Michael Friedrich geboren. Seine Eltern waren der Hofadvokat Johann Adam Rückert und die Advokatentochter Maria Barbara Schoppach. Das Paar hatte weitere fünf Kinder und lebte eine Zeit lang in Oberlauringen. Von 1803 bis 1806 wirkte der Vater Rückerts als „Territorialcommissair“ in Rügheim im heutigen Haßbergkreis.

Sohn Friedrich Rückert besuchte bis zum Herbst 1805 das Schweinfurter Gymnasium Gustavianum, heute Celtis-Gymnsasium. Ab 1805 studierte er Jura und Philologie in Würzburg und Heidelberg. Im Februar 1811 absolvierte Rückert in Jena sein Promotionsexamen, und im Winter 1811/12 lehrte er dort als Privatdozent.

Es entstand der Zyklus „Aprilreiseblätter“, der sich mit ersten dramatischen Versuchen, wie dem Trauerspiel „Schloß Raueneck“, befasste. Nach seiner Habilitation hielt er Vorlesungen über griechische und orientalische Mythologie, wurde später Gymnasiallehrer und Privatgelehrter.

Seine Eltern hatten mit einigen Kindern ihren Wohnsitz ab 1809 in Ebern. Rückert verließ Jena und kehrte bis 1821 immer wieder zu den Eltern nach Ebern zurück. Hier entstand nach dem Tod der von ihm verehrten Agnes Müller der Sonett-Zyklus „Agnes? Todtenfeier“.

Im Wirtshaus „Auf der Specke“ in Eyrichshof bei Ebern lernte er die 1796 geborene Wirtstochter Maria Elisabeth Geuss, genannt Marielies, kennen und widmete ihr den Gedichtkranz „Amaryllis, ein Sommer auf dem Lande“. Rückert zog 1821 in Coburg in das Haus der Familie von Luise Wiethhaus-Fischer.

Im Dezember 1821 heiratete er Luise, nachdem er ihr die umfangreiche Gedichtsammlung „Liebesfrühling“ gewidmet hatte. Das Paar bekam zehn Kinder, die nicht alle das Erwachsenenalter erreichten. Intensive orientalische Sprachstudien begann Rückert bereits in Ebern. In Stuttgart und Coburg arbeitete er außerdem als Redakteur. 1826 wurde er Professor der orientalischen Sprachen in Erlangen und erhielt nach 1840 auch eine Professur in Berlin. Nach vielen Stationen und Unternehmungen zog es Rückert 1848 wieder auf das Gut seiner Frau. Am 31. Januar 1866 ist er in Neuses bei Coburg gestorben.

Fränkischer Orientalist und Dichter

Der Franke Friedrich Rückert war Professor der orientalischen Sprachen, und er war ein deutscher Dichter. Er schrieb unter anderem „Geharnischte Sonette“ (1814), „Die Weisheit des Brahmanen“ (1836-1839), „Liebesfrühling“ (1844) und schließlich die durch Gustav Mahlers Vertonung berühmt gewordenen „Kindertotenlieder“ (1872). Letztere entstanden nach dem Tod seiner Kinder Luise und Ernst, die einer Scharlach-Epidemie zum Opfer gefallen waren.

Fünf kleine Märchen hat Rückert bereits 1813 in Versform für seine kleine Schwester Marie gedichtet. Sie wurden als erste seiner Werke in Coburg gedruckt. Die „aber-witzigen“ Geschichten handeln zum Beispiel vom „Männlein in der Gans“ oder dem „Bäumlein, das andere Blätter hat gewollt“.

Fünf Lieder Rückerts sind außer den „Kindertotenliedern“ von Mahler mit Melodien versehen worden. Zuvor hatte Robert Radecke im Jahr 1859 das bekannte Gedicht Rückerts „Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit“ vertont. Weitere Komponisten, darunter Franz Schubert, Robert und Clara Schumann, Johannes Brahms, Carl Loewe und Richard Strauss vertonten Texte von Rückert und erhielten den Dichter auch damit der Nachwelt.

Neben seinen dichterischen Ambitionen besaß Rückert wohl ein Sprach-, Reim- und Übersetzertalent. Das machte ihm möglich, bedeutende Werke der persisch-arabischen Dichtung in deutscher Sprache zu erschließen. Er muss ein außergewöhnliches Genie gewesen sein, denn mindestens 44 Sprachen soll er beherrscht haben. Rückert schuf Übertragungen persischer Literatur, beherrschte unter anderem das biblische Aramäisch, Hindustani, Koptisch, Sanskrit und Syrisch und gilt als Mitbegründer der deutschen Orientalistik.

Seine „Weisheit des Brahmanen“ fasst östliche und westliche Lebensweisheit zusammen. Er hat den Koran sowie alte arabische Volkslieder ins Deutsche übersetzt.

Rückerts Spuren in den Haßbergen

Das Leben und Wirken Rückerts lässt sich bei einer Wanderung auf dem „Friedrich-Rückert-Wanderweg“, der vom Geburtsort Schweinfurt durch die Haßberge bis nach Coburg und Neuses führt, nachempfinden. Die Wanderstrecke von gut 100 Kilometern führt vorbei am Ellertshäuser See, Oberlauringen und an der Bettenburg nahe Hofheim, führt durch Rentweinsdorf, Ebern und nach Norden bis Seßlach, Coburg und schließlich zum Sterbeort Rückerts, nach Neuses.

Die ehemalige Bettenburg auf dem Kamm der Haßberge, heute als Seminar- und Tagungszentrum genutzt, liegt etwa drei Kilometer südwestlich von Hofheim. Sie ist aufgrund ihrer Lage weithin sichtbar und wird zuweilen als Wahrzeichen der Haßberge bezeichnet.

Der „Landschaftspark Bettenburg“, im Jahr 1789 vom Freiherrn Christian Dietrich Truchseß von Wetzhausen in Auftrag gegeben, erinnert an die „Bettenburger Tafelrunde“ und stellt damit eine Verbindung zum Dichter Rückert her, der Teilnehmer dieser Versammlung intellektueller Romantiker war. Die Poeten Jean Paul, Friedrich de la Motte Fouqué und Gustav Schwab, Vertreter der so genannten Schwäbischen Dichterschule, der mit „Sagen des klassischen Altertums“ einen Klassiker der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur schuf, gehörten neben anderen ebenfalls zu der 1814 ins Leben gerufenen Literaten-Runde auf der Bettenburg. Wegen der Teilnehmer dieser Runde, wird die Bettenburg mit ihrer Umgebung hin und wieder als das „fränkische Weimar“ bezeichnet.

Es ist belegt, dass Rückert sogar eine Wanderung von Schweinfurt zur Bettenburg unternommen hat. Im Park befinden sich Denkmale und Skulpturen sowie ein „Dichterhäuschen“, in dem Rückert geträumt und gedichtet haben soll.

Rückert und der Kupferstecher

Rückert war nicht nur ein Träumer. Ab 1832 war er korrespondierendes und ab 1859 auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Eine eigenartige sprichwörtliche Anrede, die teils heute noch gebräuchlich ist, geht auf Rückert zurück. „Mein lieber Freund und Kupferstecher“, etwa in einer Skatrunde hin und wieder zu hören, entstammt einem seiner Zitate. Er habe eine entsprechende Anrede in Briefen an seinen Freund, den Kupferstecher Carl Barth, benutzt. Ob es sich dabei um eine Frotzelei unter Freunden gehandelt hat oder eher ein Kupferstecher gemeint war, der ein Gemälde ohne Angabe des Autors in eine Druckgrafik umwandelte, ist dabei nicht erwähnt.

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