ERMERSHAUSEN

Für die Sache Ermershausen

Das Amt: Ehrenamtlicher Bürgermeister zu zu sein, das heißt für Günter Pfeiffer, zwei Herren zu dienen: seinem Arbeitgeber und eben der Gemeinde Ermershausen. „Momentan werde ich beiden Herren gerecht“, sagt er. Foto: Beate Dahinten

„Ich will und muss zwei Herren dienen“, sagt Günter Pfeiffer: der Gemeinde Ermershausen als ehrenamtlicher Bürgermeister und seinem Arbeitgeber, einer genossenschaftlichen Bank in Ebern. Zeitlich flexibel sein und die gemeindlichen Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen, so lässt sich seine Strategie auf den Punkt bringen. „Momentan werde ich den beiden Herren gerecht.“

Im Mai allerdings war er „selber etwas überrumpelt“, gibt Pfeiffer zu. „Ich hab‘ gedacht, es geht langsam und gemütlich los.“ Deswegen hatte er noch nicht, wie beabsichtigt, seine Arbeitszeit in der Bank reduziert – und wurde „auf dem falschen Fuß erwischt“, was den Zeitaufwand für das Bürgermeisteramt in den ersten Wochen betraf. Da musste die Familie auch mal zurückstehen.

Seit Juni jedoch läuft es „in geordneten Bahnen, so wie ich es mir vorstelle.“ Dass er weniger Freizeit haben würde, sei ihm klar gewesen. „Aber es ist nicht so, dass mich meine Familie nicht mehr sieht.“ So wie der Juni und der Juli gelaufen seien und der August sich abzeichne, „kommt man damit klar“.

Die Arbeitsteilung in der Gemeinde funktioniert nach Pfeiffers Worten ganz gut. Auf einen Aufruf im VG-Mitteilungsblatt hin haben sich einige Bürger gemeldet, die bei den anfallenden praktischen Arbeiten mithelfen wollen, als da sind zum Beispiel: Rasen mähen, den Spielplatz in Schuss halten, Arbeiten am Leitungsnetz der Wasserversorgung oder Straßen ausbessern. „Wir sind nur eine kleine Gemeinde, aber es ist immer irgendwas.“ Zweiter Bürgermeister Klaus Welz koordiniert diese Arbeiten und legt selbst mit Hand an. „Ich kann mich hundertprozentig drauf verlassen“, sagt Pfeiffer, „sie arbeiten gut und sauber.“ Sein zweiter Stellvertreter, Matthias Keßler, bringt sich verstärkt beim Thema Breitbandversorgung ein. Dass ein dritter Bürgermeister gewählt wurde, hatte Pfeiffer für notwendig erachtet, da er berufsbedingt tagsüber die meiste Zeit nicht da ist. Die Rechnung scheint aufzugehen: „Ich bin gut informiert und muss nicht immer überall dabei sein.“

Der Aufgabe Gemeindewald will sich der 50-Jährige selbst annehmen, zusammen mit seinem Bruder Volker, der für ihn in den Gemeinderat nachgerückt ist. Der Wald als Steckenpferd des Bürgermeisters – das ist ein verbindendes Element zwischen dem jetzigen Amtsinhaber von den Freien Wählern und seinem Vorgänger Werner Döhler von der Ermershäuser Bürgerliste. Wobei Ersterer sich bescheiden gibt: „Werner ist der absolute Fachmann, ich will erst reinwachsen, er ist der Meister und ich bin der Lehrling.“ Er habe einen guten Kontakt mit Döhler, sagt Günter Pfeiffer, und könne sich nicht nur bei Fragen zur Forstwirtschaft an ihn wenden.

Überhaupt setzt Pfeiffer auf Kontinuität und Sachlichkeit. Natürlich sei die Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren aus Sicht der Freien Wähler erfreulich gewesen – von zwei Gemeinderäten damals bis zur Mehrheit im Gremium heute. Und diese Mehrheit „ist zwar angenehm, aber man braucht sie nicht. Die Leute sind da, um für Ermershausen was Gutes zu bewirken und nicht für die Freien Wähler“.

Der Bürgermeister spricht auch von einem guten Verhältnis zu seinem Gegenkandidaten Theo Vey von der Bürgerliste. Und er bildet sich nach eigenem Bekunden nichts darauf ein, dass er selbst jetzt der Amtsinhaber sei. „Theo Vey hätte es genauso gut gemacht“, ist sich Pfeiffer sicher. Und dass mit Klaus Welz ein Vertreter der Bürgerliste zweiter Bürgermeister ist, spricht seiner Ansicht nach ebenfalls für den Willen beider Fraktionen zu einem guten Miteinander. „Es geht nicht um Personen, sondern es geht um Ermershausen“, bringt Pfeiffer seine Sicht auf den Punkt und bezeichnet den Übergang im Rathaus als „problemlos“.

In den ersten Wochen war es dem neuen Bürgermeister wichtig, sich zu informieren. Zusammen mit seinen Stellvertretern führte er mehrere Gespräche mit Fachleuten – zum Thema B 279 zum Beispiel oder in Sachen Gemeindewald. Die Zusammenarbeit mit dem Markt Maroldsweisach soll ebenfalls weitergeführt werden. Eines der wichtigen Projekte im Schulterschluss mit der Nachbargemeinde ist der Breitbandausbau, der vorangetrieben werden soll. Und der Mangel an Mietwohnungen in der Gemeinde Ermershausen ist ein Problem, „das mir selber auf den Nägeln brennt“, lässt der neue Bürgermeister wissen.

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