Hofheim

Fürs Getreide kommt der Regen zu spät

Endlich Regen. Allerdings täuschen die Niederschlagsmengen. Sie sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Und nicht nur für die meisten Getreidefelder kommen sie zu spät.
Die Hitze der vergangenen Wochen hat dafür gesorgt, dass das Getreide rasant gereift ist. Im Bild ein Weizenfeld beim Hofheimer Stadtteil Goßmannsdorf.
Die Hitze der vergangenen Wochen hat dafür gesorgt, dass das Getreide rasant gereift ist. Im Bild ein Weizenfeld beim Hofheimer Stadtteil Goßmannsdorf. Foto: Alois Wohlfahrt

Nein, viel lieber wäre ihm vermutlich gewesen, wenn seine Vorahnung nicht eingetroffen wäre. Mit Saftgrün auf den Feldern könne es sehr schnell vorbei sein, hatte im Juni Heinz-Dieter Hofmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt befürchtet, wenn denn die große Hitzewelle anrollt. Und sie kam und entsprechend veränderte sich die bestimmende Farbe in der Flur. Mit dem Grün der Getreidefelder ist es längst vorbei, die Mähdrescher fahren seit Tagen. Und hätten nicht die jüngsten Regenfälle zumindest für ein wenig Entspannung gesorgt, würde es auch auf vielen Maisfeldern noch trauriger aussehen. 

"Die Hitze hat dem Getreide geschadet. Es wird weh tun in Sachen Ertrag", sagt Heinz-Dieter Hofmann zur aktuellen Situation. Warum Landwirte besonders beim Weizen Ertragseinbußen verschmerzen werden müssen: Durch die hohen Temperaturen ging alles viel zu schnell. Auf vielen Weizenfeldern sind die Körner nicht so gut ausgebildet, wie in "normalen" Jahren. 

Komponenten, die für eine gute Ernte nötig sind 

Denn drei Komponenten gehören dazu, soll es eine gute Ernte werden: Wie viele Pflanzen sind aufgegangen? Wie viele Körner sind in der Ähre angelegt? Und schließlich: Wie sind diese ausgebildet? Letzteres wird dargestellt im sogenannten Tausendkorngewicht. Und dieses Gewicht steht und fällt mit der Ausbildung der einzelnen Körnchen, erläutert Hofmann. Nachdem in den vergangenen Wochen nicht nur das Wasser fehlte, sondern die Pflanzen auch mit extremer Hitze zu kämpfen hatten und besonders Getreide auf schwächeren Standorten stark gelitten hat, werde sich dies auch im Tausendkorngewicht niederschlagen.      

Die extreme Hitze hat zudem dazu geführt, dass es zu einer verfrühten Reife beim Winterweizen kommt, auf manchen Beständen ist dies nichts anderes als eine Notreife, weil eben alles viel zu schnell ging, so Hofmann. Es werde sich wohl zeigen, dass die Erträge, auch in diesem Jahr wieder, je nach Güte des Bodens, weit auseinander liegen. Zwischen 40 und 80 Dezitonnen pro Hektar.

Das Schlimmste für das Getreide waren "die heißen Tage mit fast 40 Grad", sagt auch Alexander Krauser. Aber der Grundstock dafür, dass es wieder einmal ein Jahr wurde, das alles andere als ein normales ist, wurde bereits im vergangenen Jahr, dem Trockenjahr 2018,  gelegt: Rund 200 Millimeter Niederschlag weniger als der Durchschnitt seit Beginn des Jahrtausends in Höhe von knapp 700 Millimetern verzeichnet der Landwirt aus dem Königsberger Stadtteil Holzhausen in seiner Statistik fürs vergangene Jahr. Er führt als Niederschlags-Messer akribisch Buch über die Regenmengen.

Im Herbst und im Winter hatte es viel zu wenig geregnet

Und was sich besonders bemerkbar machte in diesem Jahr: Auch im Herbst und im Winter hat es viel zu wenig geregnet. Und der Regen, der dann etwa im Mai kam, "den haben die Pflanzen gleich weggesaugt". Wasservorrat stand so für die Pflanzen nicht zur Verfügung, als es in Sachen Temperaturen erst richtig zur Sache ging. 

Gezeichnet von der Trockenheit: Nicht die Hitze der vergangenen Wochen, sondern die Trockenheit im Frühjahr sorgte dafür, dass an manchen Ähren weniger Körner ausgebildet wurden, als in normalen Jahren. 
Gezeichnet von der Trockenheit: Nicht die Hitze der vergangenen Wochen, sondern die Trockenheit im Frühjahr sorgte dafür, dass an manchen Ähren weniger Körner ausgebildet wurden, als in normalen Jahren.  Foto: Alois Wohlfahrt

Glück hatten Bereiche des Landkreises, wenn sie zwischendurch einmal von einem Gewitter Regen abbekamen. Und dies war recht unterschiedlich, berichtet Krauser weiter. Am 22. Juni etwa, freuten sich die Pflanzen bei Holzhausen bei zwei Gewittern über 45 Liter. Aus der Gegend um Aidhausen war ihm berichtet worden, dass da gerade nur zehn Liter angekommen waren.  

Der Juni ist ein wichtiger Monat für die Vegetation. Dass die Situation auf den Feldern nicht von ungefähr kommt, zeigt auch der Blick auf Daten der agrar-meteorologischen Wetterstation in Köslau. Gerade einmal 26 Liter pro Quadratmeter sind da für den Monat Juni verzeichnet. Die Dramatik des Wassermangels wird deutlich beim Blick auf die Wasserbilanz: Da steht ein Wert von beinahe minus 120 Litern. Und erschwerend kommt hinzu, so Hofmann: Die Durchschnittstemperatur betrug am Messpunkt Köslau im Juni 20,3 Grad. Normalerweise liegt dieser Wert rund vier Grad darunter.          

Ein wenig aufgebessert hat der Niederschlag am Donnerstag die Juli-Wasserbilanz: Sechs Liter waren es. Wie wenig dies ist, verdeutlicht eine andere Zahl: An normalen Tagen gehen allein fünf Liter durch Verdunstung verloren. Bis Freitagnachmittag stand der Juli immer noch in seiner Wasserbilanz mit 46 Litern im Minus. 

Nur Getreide auf den "Schokoladenböden" hat der Juli-Regen noch ein wenig helfen können

Dieser erste richtige Juli-Regen konnte allerdings höchstens noch Weizenfeldern auf "Schokoladen-Böden" ein wenig helfen, sagt Hofmann. Anders sieht es bei der Wintergerste aus, die wohl zum größten Teil bereits abgedroschen ist. Weil die Reife bereits soweit fortgeschritten war, als die extreme Hitze kam, dürften viele Landwirte mit dem Ergebnis bei dieser Frucht noch zufrieden sein.  

Von Beginn an mit Kummer behaftet: der Raps. Mancher Landwirt verzichtete im vergangenen Herbst angesichts der Trockenheit gleich ganz darauf, Raps anzubauen. Manche hatten gesät, mussten ihn dann wieder umbrechen, nachdem er schlecht aufgegangen war. Das hat sich auch in Anbauzahlen niedergeschlagen: Standen im Jahr 2018 noch 4230 Hektar Raps auf den Feldern im Haßbergkreis, sind es heuer nicht einmal mehr die Hälfte: rund 2060 Hektar. Und auch hier wird die Ernte eine große Spannbreite beim Ertrag zeigen, so Hofmann: Weniger Ertrag auf Feldern, auf denen die Pflanzen dünner standen. Beim Raps hatten zumindest die Niederschläge im Mai ein wenig "repariert".   

Dringend auf Wasser gewartet haben auch Zuckerrüben und Mais, berichtet Hofmann weiter. Auf schlechteren Standorten hatten die Rüben bereits begonnen zu "schlafen", am Nachmittag lagen bei Hitze die Blätter auf dem Boden. Aber sie können sich erholen, denn "sie machen ihren Hauptertrag im August", sagt Hofmann. 

Auch der Mais braucht dringend Wasser

Anders sieht es beim Mais aus. Der braucht dringend Wasser. Derzeit beginnen die Pflanzen, die "Fahnen" zu schieben. Falls diese durch Trockenheit stecken blieben, käme es auch nicht zur Körnerbildung in den Kolben. Denn die Pollen der "Fahnen" fallen auf die Fäden an den Kolben und befruchten den Kolben. Auch jetzt sei schon zu sehen, dass auf schwächeren Böden der Mais Schaden genommen hat, so Hofmann. Und auch Alexander Krauser hat diese Erfahrung gemacht: "Man sieht jeden Quadratmeter guten und schlechten Boden", berichtet der Holzhäuser Landwirt.   

Erneut ein Trockenjahr - überlegen da Landwirte, auch auf andere Pflanzen umzusteigen, die mit Trockenheit besser zurecht kommen? Die Züchtungen beim Getreide laufen in diese Richtung, berichtet Alexander Krauser, hin zu "trockentoleranten Sorten".

Auch hat in diesem Jahr eine Frucht auf den Feldern zugenommen, die vor Jahren nur sehr wenig in der Region angebaut wurde: Soja. 160 Hektar stehen im Landkreis, im vergangenen Jahr waren es 137. Gar mehr als verdoppelt hat sich im Landkreis Schweinfurt die Fläche: von 111 Hektar auf rund 300 Hektar. Ein Grund: Die Sorten werden früher reif - nicht mehr erst im Oktober - und bieten Betrieben die Möglichkeit, eigenes Eiweißfutter zu erzeugen. Aber: Auch diese Pflanzen wachsen dort gut, wo auch der Körnermais gut wächst. Soll heißen: Auch sie brauchen Wasser.

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