Gädheim

Gädheim: Warum Wahlhelfer die Stimmen scannen statt zählen

Die Arbeit der Wahlhelfer ist mühselig und zeitaufwendig. Damit das Wahlergebnis schneller feststeht, kommt auch in Gädheim ein elektronisches System zum Einsatz.
Mit Musterstimmzetteln üben die Wahlhelfer in Gädheim die Kreuze der Wähler mit dem Barcode-Lesestift zu erfassen.
Mit Musterstimmzetteln üben die Wahlhelfer in Gädheim die Kreuze der Wähler mit dem Barcode-Lesestift zu erfassen. Foto: Anna-Lena Behnke

Immer wieder ertönt in der Alten Schule in Gädheim ein Geräusch, das jeder von der Supermarktkasse kennt: ein hoher, kurzer Piepton. Nur geht es hier nicht um Lebensmittel, sondern um Wählerstimmen. Bei einer Schulung üben etwa 20 Wahlhelfer aus Gädheim, Ottendorf und Greßhausen, was sie am 15. März zu tun haben. Zählen müssen sie meistens nicht mehr. Stattdessen erfassen die Ehrenamtlichen mit einem Barcode-Lesestift, welche Kreuze der Wähler auf seinem Stimmzettel gemacht hat. Jede registrierte Stimme bestätigt der Computer mit einem Piepen.

Insgesamt werden in den drei Gädheimer Ortsteilen am Wahltag etwa 60 Freiwillige im Einsatz sein, zwölf bis 14 pro Wahllokal. Die Wahlumschläge aus der Briefwahl können die Wahlhelfer schon ab 15 Uhr öffnen. Richtig los geht es aber erst, wenn um 18 Uhr die Wahllokale schließen und die Auszählung beginnt.

Die Bürgermeisterwahl zuerst

Dann gelte überall dieselbe Reihenfolge, sagt Elmar Freund, Wahlsachbearbeiter der VG Theres. Erst kümmern sich die Wahlhelfer um die Bürgermeister- und die Landratswahl. Diese Stimmen zähle jedes Team weiter ganz klassisch per Hand aus, sagt Freund. Schließlich gehe es hier jeweils nur um ein einziges Kreuz. Die elektronische Erfassung mit Lesestift und Computer komme dann im Anschluss bei der Gemeinderats- und der Kreistagswahl zum Einsatz. Auch andere Kommunen setzen bei aufwendigen Auszählungen zunehmende auf den Barcode-Lesestift.

Matthias Asbach, IT-Fachmann der VG, zeigt Schritt für Schritt, wie die Wahlhelfer mit dem speziellen Wahlprogramm auf den Computern umgehen müssen. Jeden der Stimmzettel müssen sie zuerst mit einem Aufkleber versehen, der mit einem individuellen Barcode bedruckt ist. „Dann haltet ihr den Stift wie einen Kuli und fahrt in einer Bewegung über den Code“, erklärt Asbach den Zuhörern. Dadurch öffnet sich auf dem Computerbildschirm die digitale Version des Stimmzettels. Jede Liste und jeder Kandidat haben ebenfalls einen kleinen Barcode. Mit dem Lesestift können die Wahlhelfer diese Codes einlesen und damit die Kreuze vom Papierbogen auf den Computer übertragen. Einmal scannen entspricht einem Kreuz. Sind alle Stimmzettel eines Wahllokals eingelesen, gelangen die Daten schließlich per USB-Stick in das VG-Verwaltungsgebäude nach Dampfach, wo die Ergebnisse zusammengetragen und schließlich veröffentlicht werden.

Auf dem Stimmzettel hat jeder Kandidat und jede Liste einen eigenen Barcode.
Auf dem Stimmzettel hat jeder Kandidat und jede Liste einen eigenen Barcode. Foto: Anna-Lena Behnke

Was passiert, falls der Computer abstürzen sollte, will einer der Wahlhelfer von Asbach wissen. Für diesen Fall gebe es einen temporären Speicher, der die Ergebnisse jeweils nach zehn erfassten Stimmzetteln sichere, beruhigt der IT-Spezialist. Allerdings sei so etwas bisher noch nicht vorgekommen.

Programm erkennt ungültige Stimmzettel

"Das wichtigste ist, den Stimmzettel eins zu eins einzugeben", betont Freund. Hat der Wähler einem Kandidaten zu viele Stimmen gegeben oder ein zweites Listenkreuz gesetzt, erkenne das Programm diese Fehler ganz von alleine. Außerdem müsse jeder Wahlhelfer konzentriert bleiben und sorgfältig arbeiten – egal, wie lange die Auswertung auch dauert, sagt der Sachbearbeiter. Das gelte sowohl bei der elektronischen als auch bei der manuellen Erfassung. Um Fehler zu vermeiden, empfiehlt er den Wahlhelfern, jeden Stimmzettel zu dritt zu bearbeiten.

Den Umgang mit dem Barcode-Lesestift kennen einige der Wahlhelfer schon. In den Wahllokalen in Gädheim sei die elektronische Auszählmethode schon bei der vergangenen Kommunalwahl zum Einsatz gekommen, sagt Freund. Diesmal käme Ottendorf dazu. Nur in Greßhausen, dem kleinsten Ortsteil Gädheims, bleibe vorerst alles beim Alten. Dort müssen die Wahlhelfer weiter auf eine Strichliste zurückgreifen.

Neue Technik ist schnell und sicher

In der VG Theres gibt es Freund zufolge insgesamt mehr als 4500 Wahlberechtigte, in Gädheim sind es über 1000. Dementsprechend viele Stimmzettel müssen die Wahlhelfer bearbeiten. Früher seien die Ehrenamtlichen oft auch noch am Montag damit beschäftigt gewesen, Stimmzettel auszuzählen, sagt Freund. Mit dem neuen elektronischen System seien einige kleine Wahllokale bei der vergangenen Wahl schon um 21 Uhr fertig gewesen. "Es ist aber nicht nur schneller, sondern auch sicherer", sagt Freund. Denn bei der neuen Methode müsse das Helferteam weder selbst zählen noch bewerten, ob ein Wahlzettel gültig ist oder nicht.

Auch bei den meisten der anwesenden Wahlhelfern kommt das elektronische System gut an. "Es ist eine Erleichterung", bestätigt etwa Marion Kamm, die am 15. März im Wahllokal in Gädheim im Einsatz sein wird. "Ob es sich für die Gemeinderatswahl mit nur vier Listen rentiert, weiß ich nicht", meint Andrea Schunk, die seit 24 Jahren als Wahlhelferin dabei ist. Aber bei der Kreistagswahl mit ihren vielen Listen und Kandidaten werde es mit dem Lesestift auf jeden Fall schneller und leichter gehen, ist sie sich sicher.

Für ihren Dienst bekommen die ehrenamtlichen Helfer eine Aufwandsentschädigung von 30 Euro. Die Frage, ob er Probleme habe genügend Wahlhelfer zu finden, verneint Freund: "Zum Glück haben wir hier jedes Jahr genug Freiwillige. Das ist nicht selbstverständlich." Viele der Ehrenamtlichen sind schon seit vielen Jahren dabei. Er gehe aber auch vor jeder Wahl auf Personen zu, die sich ohnehin schon in der Lokalpolitik engagieren, sagt er. Das habe bisher immer ganz gut funktioniert.

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