Haßfurt

Gas, Strom, Wasser – in Haßfurt wird die Planung digital

Die Energienutzung wird immer komplexer. Viele verschiedene Zahnräder müssen ineinander greifen. Die Lösung des dadurch entstehenden Problems ist digital.
Ein Handwerker montiert Module einer Photovoltaikanlage auf einem Dach (Symbolbild). Bei der Planung, welche Dächer für die Stromgewinnung geeignet sind, soll in Haßfurt der digitale Energienutzungsplan helfen. Foto: Patrick Pleul, dpa

Was ist der richtige Stromtarif für mich? Wie viel Geld kann ich durch die richtige Wärmedämmung sparen? Rentiert es sich, wenn ich mir eine Brennstoffzelle zulege? Viele Fragen stellen sich im Zusammenhang mit Stromverbrauch und Energienutzung. Und je mehr Möglichkeiten es gibt, desto komplizierte wird es, diese Fragen zu beantworten – zu viele Faktoren fließen in eine solche Rechnung ein. Haßfurt gehört nun zu den ersten Kommunen in Bayern, die einen digitalen Energienutzungsplan aufstellen.

Professor Markus Brautsch von der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Amberg-Weiden sprach über die langjährige gute Zusammenarbeit mit der Stadt Haßfurt. Immerhin wurden hier in den letzten Jahren einige neue Technologien erstmals im Realbetrieb getestet, von der Power-to-Gas-Anlage bis hin zum Wasserstoff-Blockheizkraftwerk. "Eingebettet in diese Zusammenarbeit starten wir heute ein wirklich wichtiges Projekt", betonte Diplom-Ingenieur Brautsch am Dienstag bei einem Pressegespräch im Haßfurter Stadtwerk. Gemeint war damit die Umstellung des Energienutzungsplans auf digitale Methoden.

Gefördert durch das Wirtschaftsministerium

Diese wird auch vom Bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert. Minister Hubert Aiwanger habe in einem Schreiben alle Kommunen des Landes dazu animiert, "einen digitalen Energienutzungsplan aufzustellen und die Energiewende vor Ort gemeinsam voranzutreiben", berichteten die Verantwortlichen der Stadt Haßfurt und der Ostbayerischen Technischen Hochschule in dem Pressegespräch. Dafür gibt es aus seinem Ministerium eine Förderung von 70 Prozent für Kommunen, die einen solchen Plan aufstellen – im Fall der Stadt Haßfurt sind das 55 200 Euro.

Bürgermeister Günther Werner (2. von links) hat den Förderbescheid für den digitalen Energienutzungsplan erhalten. Nun übergibt er ihn an Professor Markus Brautsch (2. von rechts), der das Projekt zusammen mit Stadtwerksleiter Norbert Zösch (links) und dessen Team, zu dem unter anderem Frank Wagner (rechts) gehört, umsetzt. Foto: Peter Schmieder

"Wir steigen in ein neues Zeitalter der Energieplanung ein", sagte Professor Brautsch. Stadtwerksleiter Norbert Zösch betont, dass der digitale Energienutzungsplan vor allem genutzt werden soll, um die Bürger in Energiefragen zu beraten. So lassen sich mit wenigen Klicks am Computer alle möglichen Daten zu jedem beliebigen Haus in der Kreisstadt abrufen. Über das Baualter und die Grundfläche  eines Hauses lässt sich schnell herausfinden, wie viel Energie durch fehlende Dämmung verloren geht. Ein dreidimensionales Energiesystemmodell soll dafür jedes Gebäude detailliert abbilden, Wärmebedarf und Sanierungsoptionen ausweisen. Um die Montage von Photovoltaikanlagen planen zu können, lässt sich für jedes einzelne Dach die Sonneneinstrahlung anzeigen.

Thema in den Bürgerversammlungen

Auch für die Frage, ob sich die Anschaffung eines Geräts zur Energiespeicherung oder eines Elektroautos lohnt, lassen sich Berechnungen anstellen. Bürgermeister Günther Werner betont, dass der digitale Energienutzungsplan auch den Bürgern Vorteile biete, die auch Thema der anstehenden Bürgerversammlungen im Herbst sein sollen.

Der Stadt selbst hilft der digitale Energienutzungsplan außerdem bei der Vorbereitung von Bauarbeiten, denn auch wo Strom-, Gas- und Wasserleitungen im Boden verlaufen, lässt sich auf dem Bildschirm schnell anzeigen; und zwar nicht nur die eigenen, sondern auch die von Fremdfirmen wie beispielsweise dem Bayernwerk.

Die Daten stehen nicht nur dem Stadtwerk zur Verfügung. Schon seit einiger Zeit gibt es in Haßfurt die "Smart Meter", also "intelligente Stromzähler", durch die die Kunden am Computer ihre eigenen Verbrauchsdaten ansehen können; nicht nur in Kilowattstunden. Auch was der Strom kostet lässt sich leicht anzeigen, ebenso wie Daten zum CO2-Fingerabdruck.

Pilotprojekt in Berchtesgaden

Die erste bayerische Region, die als Vorläufer und Pilotprojekt einen digitalen Energienutzungsplan erstellte, war das Bertesgadener Land. Der oberbayerische Landkreis an der österreichischen Grenze arbeitete dafür mit dem Institut für Energietechnik (IfE) an der OTH zusammen – dem gleichen Institut, das in Haßfurt mit der Power-to-Gas-Anlage und dem Wasserstoff-Blockheizkraftwerk ein Reallabor für die Energiegewinnung der Zukunft betreibt. Nun, knapp zwei Jahre nach der ersten digitalen Planung im Berchtesgadener Land, ziehen andere bayerische Kommunen nach; darunter auch die Stadt Haßfurt.

Zudem ist die Erstellung des digitalen Energienutzungsplanes in ein weiteres Projekt eingebunden: Das Modellvorhaben "Smart Cities". Am 10. Juli war die Kreisstadt vom Bundesinnenministerium als eine von 13 Kommunen ausgewählt worden, die daran teilnehmen. Bei diesem Projekt geht es darum, dass in diesen "Smart Cities" (die englische Bezeichnung ließe sich etwa mit "kluge Städte" übersetzen) die Digitalisierung strategisch, fachübergreifend und im Sinne einer integrierten Stadtentwicklung angegangen werden soll. Hierzu gibt die Einführung des digitalen Energienutzungsplans in der Kreisstadt den Startschuss.

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