HASSBERGKREIS

Geburtshilfe liegt allen am Herzen

Parteiübergreifend machen sich viele Kreisräte für den Erhalt der Haßfurter Geburtshilfestation stark. Foto: ArchivMarkus Erhard

Einstimmig beschloss der Kreistag in seiner letzten Sitzung vor Weihnachten den Haushaltsplan für das kommende Jahr. Ein Thema, das sich parteiübergreifend durch die Haushaltsreden zog, war der Erhalt der Geburtshilfe am Haßfurter Krankenhaus. Viele Kreisräte appellierten daher an die werdenden Eltern, nicht in die Kliniken in Schweinfurt oder Bamberg zu gehen, sondern ihren Nachwuchs im eigenen Heimatlandkreis zur Welt zu bringen. Denn die Frage, ob sich die Geburtenstation in der Kreisstadt erhalten lässt, hängt maßgeblich davon ab, wie viele Kinder dort zur Welt kommen.

Lange Zeit hatte es schlecht ausgesehen für die Geburtshilfe am Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken – zu hoch waren die Geldbeträge, die der Landkreis in deren Erhalt stecken musste. Nachdem die Schließung der Abteilung damit als beinahe sicher galt, konnte der Landtagsabgeordnete und Kreisrat Steffen Vogel (CSU) kürzlich eine Nachricht verkünden, die möglicherweise die Rettung der Geburtenstation bedeutet: Der Freistaat Bayern stellt eine Förderung in Aussicht, mit der kleine Kliniken unterstützt werden sollen, um auch in ländlicheren Regionen die Geburtsstationen zu erhalten.

Allerdings ist diese Förderung an Bedingungen geknüpft. Die Haßberg-Kliniken erfüllen viele davon, eine Hürde gilt es aber noch zu überwinden: Um Anspruch auf die Unterstützung zu haben, müsste mindestens die Hälfte der Neugeborenen des Landkreises Haßberge auch tatsächlich in Haßfurt zur Welt kommen. „Derzeit liegen wir nur bei 45,8 Prozent“, berichtete Landrat Wilhelm Schneider (CSU) und appellierte an die werdenden Eltern im Heimatkreis: „Jetzt haben wir es zum Teil selbst in der Hand, ob die Geburtshilfe im Landkreis aufrecht erhalten werden kann.“

Dieser Aufforderung schlossen sich auch zahlreiche Kreisräte an. Günther Geiling, der die Haushaltsrede für die CSU-Fraktion hielt, dankte Landrat Schneider und MdL Vogel für ihren Kampf um den Erhalt der Station. Ähnlich wie auch der Landrat betonte Geiling: „Jetzt haben es die Bürger selbst in der Hand.“

Jürgen Hennemann, der für die SPD sprach, ging auch auf die allgemeine Situation der Haßberg-Kliniken ein. So sei es wichtig, nicht nur das Haus in Haßfurt, sondern auch den Standort Ebern zu erhalten. „Mit ,Weiter so' ist das nicht zu schaffen“, meinte der Eberner Bürgermeister und betonte: „Wir müssen auch die Diskussion über Fusionen führen.“ Wilhelm Schneider stimmte Hennemann zu, dass Gespräche über Fusion oder Zusammenarbeit nötig seien, betonte aber: „Eine Kooperation macht nur dann Sinn, wenn es für beide Seiten ein Gewinn ist.“ Die Rettung der Geburtshilfe werde ein „Kraftakt“, sagte Jürgen Hennemann und rief ebenfalls die werdenden Eltern aus dem Landkreis dazu auf, ihre Kinder in Haßfurt zur Welt zu bringen.

Skeptisch äußerte sich Birgit Bayer. „Die Einschätzung des Kreistagskollegen Vogel, dass die Geburtsstation schon gerettet ist, kann ich so auch noch nicht teilen“, sagte die Vertreterin der Freien Wähler in ihrer Haushaltsrede. Vogel machte daraufhin mit einem Zwischenruf deutlich, er habe das auch nicht mit einer solchen Sicherheit behauptet.

Rita Stäblein sagte in der Haushaltsrede für die Grünen: „Die Gründe für ein Defizit liegen oft nicht in unserem Verantwortungsbereich.“ Daher habe ihre Fraktion einen offenen Brief an Gesundheitsministerin Melanie Huml und Heimatminister Markus Söder geschrieben, in dem eine Unterstützung der kleinen Kliniken gefordert wird. Es sei gut, dass nun ein Weg für eine Sonderförderung gefunden wurde, allerdings gebe es auch dabei noch Verbesserungsbedarf.

Ein Vorschlag für eine Änderung an den Bedingungen für die Förderung machte Harald Pascher von der FDP. Er könne verstehen, dass Mütter bei Risiko-Geburten lieber ein Krankenhaus mit angeschlossener Kinderklinik besuchen. Daher sollten diese aus der geforderten Zahl an Geburten herausgerechnet werden, so dass nicht 50 Prozent aller Geburten, sondern nur 50 Prozent der Nicht-Risiko-Geburten in Haßfurt stattfinden müssten.

Klemens Albert bezeichnete MdL Vogel in der sehr kurzen ÖDP-Haushaltsrede als „Engel Steffen“, der zu Weihnachten eine frohe Botschaft gebracht habe. „Wenn das in Erfüllung geht, kriegst du von mir ein verschärftes Lob.“

Unabhängig von den Haushaltsreden meldete sich auch Siegmund Kerker (CSU) mit einem Appell an werdende Eltern zu Wort, sie sollten sich für Haßfurt als Geburtsort entscheiden. Steffen Vogel, der von vielen Kreistagskollegen als derjenige gelobt wurde, der dem Landkreis zu der Förderung verholfen hatte, machte deutlich, dass schon drei Geburten mehr im Monat in Haßfurt ausreichen würden, um die Förderung zu bekommen. „Wer hätte das vor einem halben Jahr gedacht?“

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