HOFHEIM

Gehen, schauen, beten, zur Ruhe kommen

Einkehr: Zur Andacht und Einkehr luden die zahlreichen Kirchen am Weg die Wanderer ein, wie hier die Kirche in Bad Neustadt bei Coburg.
Einkehr: Zur Andacht und Einkehr luden die zahlreichen Kirchen am Weg die Wanderer ein, wie hier die Kirche in Bad Neustadt bei Coburg. Foto: Haas

„Gehen, schauen, beten, zur Ruhe kommen“ - unter diesem Motto begaben sich Mitglieder aus der Kirchengemeinde Hofheim-Lendershausen-Eichelsdorf auf die Spuren Martin Luthers. Vier Tage waren sie unter Leitung von Pfarrer Sieghard Sapper auf dem im vergangenen Herbst neu eingerichteten Abschnitt des Lutherweges im Coburger Land unterwegs.

In den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern führt der Lutherweg durch Orte der Reformation. Der aus Thüringen kommende Lutherweg verläuft auf einer Länge von 96 Kilometern durch das Coburger Land und verbindet Städte der Reformation, wie Neustadt bei Coburg, Coburg und Bad Rodach.

Start in Sonneberg

Nachdem die Autos am Zielort Bad Rodach abgestellt waren, fuhr die 15-köpfige Truppe aus dem Hofheimer Raum mit dem Zug nach Sonneberg, dem Startort der Pilgerwanderung. „Man lernt die Welt vollkommen anders kennen, wenn man sie nicht nur aus dem Auto heraus betrachtet“, begeistert sich Teilnehmerin Gerlinde Saal.

Für die Hofheimerin war es die erste Wanderung dieser Art. Sie schildert die Freude und das Erstaunen ihrer Wandergenossen über die vielfältige Vegetation am Wegesrand, „sogar Lilien und Türkenbund haben wir gesehen.“

Zahlreiche Kirchen am Weg luden die Pilger zur Besichtigung und Andacht ein. Ein Glücksfall sei es gewesen, dass Organistin Jutta Schmidt aus Lendershausen mitlief. So hatten die Gläubigen bei den Liedandachten in den Gotteshäusern stets eine Orgelbegleitung. „Was für eine Wohltat es war, in den Kirchen den Rucksack abzusetzen“, erinnert sich Saal. Die Einkehr in den Kirchen sei stets eine im doppelten Sinne gewesen: geistig und körperlich.

Viele Plätze und Hinweise belegen auf dem abwechslungsreichen Weg die bedeutende Rolle des Fürstentum Coburg in der Zeit der Reformation. In der Kirche St. Georg in Neustadt bei Coburg, in der Luther am Karfreitag 1530 predigte, erinnert das „Lutherfenster“ an den Reformator. Auf der Feste Coburg fand der unter Kirchenbann und Reichsacht stehende Luther Schutz.

In Bad Rodach versprachen sich im Jahr 1529 die protestantischen Reichsstände gegenseitigen Beistand im Falle des Angriffs durch katholische Reichsstände. Laut Regionalbischöfin Dorothea Greier, die das Grußwort zum Pilgerführer schrieb, sei Luther dem Pilgern kritisch gegenüber gestanden. „Kern seiner Kritik am Pilgern war, dass die Menschen meinten, Pilgerwege seien Wege zum Heil“, schreibt sie.

„Betendes Gehen“

Luthers Botschaft sei dagegen gewesen, dass Christen das Heil nicht durch ihre Werke erlangen könnten, sondern es vielmehr ein reines Geschenk sei. Eines von Luthers grundlegenden Zielen sei es jedoch gewesen, dass Glaubende sich einüben ins Gebet. „Und Pilgern ist betendes Gehen“, so Greier weiter.

„Es waren teils schwierige Wegstrecken mit ordentlichen Steigungen. Mupperg auf 516 Metern, die Veste Coburg und die Veste Heldburg waren echte Herausforderungen“, berichtet Saal. Doch die Gruppe der zwischen zwölf- und 75-jährigen Wanderer habe gut zusammengehalten.

„Nach den insgesamt 80 Kilometern fühlten wir uns alle freundschaftlich miteinander verbunden.“ Auch das Wetter sei, abgesehen von zeitweisem Nieselregen, relativ gut gewesen.

Ein vom Hochwasser überfluteter Weg habe den Wanderern am letzten Tag den Beweis geliefert, dass die Nachfolger Jesu noch nicht gelernt haben, über Wasser zu laufen. Die Vorhut, der auch Pfarrer Sapper angehörte, holte sich nasse Füße. Ein paar Unerschrockene nutzen anschließend die Gelegenheit für eine Kneippkur und überwanden das Wasser barfuß. Der Rest wurde von einem zufällig vorbeifahrenden Geländewagen trockenen Fußes durch die Flut chauffiert.

Fernziel ist Weg bis Wittenberg

„Am Ende waren wir uns alle einig, nächstes Jahr von Bad Rodach aus die Anschlussetappe auf dem Thüringer Lutherweg unter die Füße zu nehmen“, sagt Sapper. Fernziel sei es, bis zum Reformations-Jubiläumsjahr 2017 den Weg bis Wittenberg zurückzulegen.

Wegweiser: Durchs Coburger Land führte der Lutherweg.
Wegweiser: Durchs Coburger Land führte der Lutherweg. Foto: Haas

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